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Venezuela erklärt eigene Kryptowährung für illegal

Michel Penke 10.01.2018 Lesezeit 2 Min

Präsident Nicolás Maduro wollte mit der Kryptowährung Petro die finanzielle Misere seines Landes lösen. Für das Parlament Venezuelas ist das ein Verfassungsbruch.

Selbst in den Ohren vieler Kryptofans klang das Vorhaben abenteuerlich: Mit einer neuen Kryptowährung, dem Petro, wollte Venezuelas Präsident Nicolás Maduro die dramatische Inflation bekämpfen, die die kriselnde Wirtschaft des Landes plagt. 2600 Prozent betrug der Wertverlust der Landeswährung Bolívar 2017. Der Cyber-Petro sollte hingegen wieder Stabilität in Venezuelas Wirtschaftskreislauf bringen, wo es zuletzt sogar zu Plünderungen gekommen war.

Doch der schon in wenigen Tagen anberaumte Verkauf der Kryptowährung hat einen schweren Start: Das venezolanische, von der Opposition kontrollierte Parlament hat den Petro für illegal erklärt und seine Einführung als Verfassungsbruch eingestuft. Da jeder Petro-Coin mit einem Barrel Erdöl aus den fossilen Reserven Venezuelas hinterlegt sei, handle es sich nach Ansicht des Parlaments um eine verfassungswidrige Form der Schuldenaufnahme, der die Abgeordneten hätten zustimmen müssen.

„Das ist keine Kryptowährung, das ist ein Ausverkauf von venezolanischem Öl“, sagte der Abgeordnete Jorge Millan gegenüber Reuters „maßgeschneidert für Korruption“. Der Petro und die hinterlegten Sicherheiten würden als „null und nichtig“ angesehen, wenn Präsident Maduro nach der Wahl im nächsten Jahr nicht mehr im Amt sei, zitiert Reuters andere Parlamentsmitglieder. Für potenzielle Investoren dürfte das die Attraktivität des Petro beträchtlich senken.

Durch die Ausgabe von 100 Millionen Petro und die Quasi-Verpfändung von 100 Millionen Barrel der Erdölreserven wollte Maduro 5,9 Milliarden US-Dollar einnehmen. Das Geld solle zur Modernisierung der venezolanischen Wirtschaft genutzt werden und einen besseren Zugang zu „realem Geld“ erlauben, so der Präsident. Zudem hätten mit der Kryptowährung die US-Sanktionen umgangen werden können, die das Land fast vollständig vom Finanzmarkt abschneiden. Ein Whitepaper zum Petro soll am 14. Januar veröffentlicht werden.

Seit der Niederlage seiner Partei bei den Parlamentswahlen im vergangenen Jahr hat Präsident Maduro allerdings wiederholt die Anordnungen der Legislative ignoriert. Rückendeckung erhält er vom Verfassungsgericht, das Gesetze des Parlaments blockiert. Ob der Krypto-Petro in den kommenden Tagen trotz Parlamentsverbots gestartet wird, ist unklar.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Gründerszene
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