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Die WIRED-Woche: Danke für die Wutrede, Frank Thelen, Deutschland muss aufholen!

27.05.2016 Lesezeit 4 Min

Diese Woche endet mit vier Mal: Danke! An Höhle-der-Löwen-Investor Frank Thelen, Zukunft-der-Arbeit-Denker Sascha Lobo, WIRED-Kolumnist Johnny Haeusler und den Zeit-Magazin-Kollegen Mohamed Amjahid. 

Was für eine Wutrede, was für ein Rant war das in der Sendung „Hart aber fair“: Frank Thelen, den meisten bekannt als Investor aus der Vox-Sendung Die Höhle der Löwen, einer von Deutschlands wichtigsten Startup-Machern, platzte der Kragen: „Wenn wir als Deutschland und Europa jetzt nicht wirklich Vollgas geben, dass die Jugend programmieren lernt, und dass Programmieren die wichtigste Fremdsprache ist, dann werden wir weiter zurückfallen.“  

Rumms! Recht hat er: iPhone, Androidphones, Facebook, Whatsapp – alles US-Firmen. Wo sind die Digitalisierungsmarktführer aus Deutschland oder Europa? „Das selbstfahrende Auto, für Sie ist das Zukunft“, bollerte Thelen. „Ich fahre das jeden Tag hier auf deutschen Straßen“, so der Startup-Experte, der an mytaxi beteiligt war und Wunderlist mit hochgezogen hat, das To-Do-Tool, das dann an Microsoft verkauft wurde.

Thelen meinte seinen Tesla. Ein Auto jenes Herstellers, der dann auch noch passend bekannt gab, dass inzwischen fast 100 Millionen Meilen von Teslas im Autopilot-Modus zurückgelegt wurden. In den nur sieben Monaten, seit es diese Funktion gibt.

Teslas Autopilot tut offenbar bereits das, was er tun soll: sehr akkurat fahren. Seine E-Wagen legen täglich 2,6 Millionen Meilen zurück und liefern dabei Daten an den Autobauer. Ein Ergebnis, das der Chef des Programms, Sterling Anderson auf der Emtech-Konferenz in San Francisco vorstellte: Wenn der Autopilot aktiviert ist, befindet sich der Wagen viel häufiger sinnvoll in der Mitte einer Fahrspur, als wenn ein Mensch am Steuer sitzt.

Tesla ist im Herzen eben auch ein Softwarekonzern. Da hinken Deutschlands Autobauer zum Beispiel noch hinterher. Sie bauen verkürzt gesagt: Autos. Punkt. Hardwarekonzerne halt. Das wird sich – womit ich wieder bei Frank Thelen bin – auch nicht grundlegend ändern können, wenn Programmierer fehlen. Thelens Sorge: „Wir verlieren gerade unser Land, wir verlieren ganz viele Arbeitsplätze.“

Deutschland ist auf die Umbrüche, die die Digitalisierung mit sich bringt, überhaupt nicht vorbereitet. Sascha Lobo versuchte es vergangene Woche mal wieder, bei Maybrit-Illners-Rententalk darauf aufmerksam zu machen. Aber hört eigentlich jemand den Digitalexperten zu? 

Es reicht ja manchmal auch, einfach nur die Nachrichten zu lesen: Apple-Zulieferer Foxconn hat diese Woche bekannt gegeben, 60.000 Arbeitsplätze mit Robotern ersetzt zu haben. Sechzigtausend! Und weil in den USA gerade eine Debatte um einen höheren Mindestlohn tobt, sagte der ehemalige US-Chef von McDonald’s jetzt in einem Interview: Es sei günstiger, einen Roboterarm für 35.000 Dollar zu kaufen, als jemanden einzustellen, der für 15 Dollar pro Stunde Pommes einpackt.

Wir alle sehen schon jetzt, wie es für zunehmend mehr Menschen schwieriger wird, mit Arbeit für den Lebensunterhalt zu sorgen. Das wird nicht besser. Schon bald braucht sie niemand mehr, die Leute im mittleren Management, die nur Zahlen in Excel-Dokumente tippen und daraus Zielvorgaben ableiten. Das können Maschinen auch. Sie können ja jetzt schon 10.000 Seiten in Sekunden durchscannen und dann Antworten auf juristische Fragen liefern.

Es gibt – eine wirklich krasse Geschichte – das erste Unternehmen, das ganz ohne Angestellte arbeitet. Algorithmen schreiben Gedichte und malen Bilder. Aber hierzulande tun wir immer noch so, als gehe uns das alles gar nichts an. Dabei ist der Satz, der unsere Gegenwart und Zukunft prägt, auch schon ein paar Jahre alt. Investor Marc Andreessen sagte 2011: Software is eating the world.

Wir alle müssen zu Architekten der Digitalisierung werden

Frank Thelen

Das Video von Thelens Rant hat auf Facebook inzwischen mehr als 400.000 Views. Er selbst freut sich über die Reichweite, wir chatteten am Freitag auf Facebook und er schrieb mir: „Unsere Kinder müssen die Bausteine verstehen, aus denen unsere Welt gebaut wird, nur dann können sie selbst, wir alle zu Architekten der Digitalisierung werden.“

Deutschlands Bildung muss dringend aufholen. Darum an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an unseren Kolumnisten Johnny Haeusler, der mit der Tincon heute zum ersten Mal eine Konferenz für digitale Jugendkultur startet. Absolut unterstützenwert. Und genau richtig.

PS: Ein großes Dankeschön an den Kollegen Mohamed Amjahid vom Zeit Magazin für den wichtigsten Hashtag der Woche: #cutesolidarity!