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Test: Was taugt auf eure Gene abgestimmtes Fitness-Training?

Jeremy White 03.01.2017

Platz da, Laufband! Die Zukunft des Fitness-Trainings ist individuell auf eure Gene abgestimmt. WIRED hat ein DNA-gestütztes Bootcamp auf Ibiza getestet.

Bootcamps sind längst nichts ungewöhnliches mehr – doch der neueste Trend auf diesem Gebiet der Fitness sind DNA-Trainingslager. Ich habe mich für eines namens 38 Degrees North auf Ibiza angemeldet. Mehrere Wochen vor Trainingsbeginn musste ich eine Speichelprobe an die britische Firma DNAFit schicken, damit sie meine Gene analysieren konnte.

Dadurch, dass sie bestimmte Marker in meiner DNA identifizieren, sollen die Trainer des Unternehmens herausfinden können, welche Übungen und welche Ernährung am besten zu mir passen. Herauskommen soll ein maßgeschneidertes Bootcamp, in dem jede Übung auf mein individuelles Genom abgestimmt ist.

Gleich vorweg: Das Briefing über meine Testergebnisse vor Trainingsbeginn brachte keine gute Nachrichten. Zunächst die Ernährung: Als bekennender Pasta-Liebhaber musste ich mit Erschrecken feststellen, dass ich laut meinen Genen verglichen mit „durchschnittlichen“ Personen hypersensitiv für Kohlenhydrate bin. Einige meiner Genmerkmale werden allgemein mit einer stärkeren Reaktion auf verarbeitete Kohlenhydrate in Verbindung gebracht, was sich negativ auf den Blutzuckerspiegel und das Gewicht auswirkt. In anderen Worten: Wenn ich Pizza und Pasta esse, nehme ich schneller zu als Menschen mit anderen Genen.

Doch damit nicht genug, ich habe laut dem Test einen erhöhten Bedarf an Antioxidantien, Vitamin B und D sowie – am schlimmsten – kreuzblütigem Gemüse (Kohl, Sprossen etc.). Mein Ernährungsprofil war ungefähr das genaue Gegenteil meiner Supermarkt-Einkaufsliste. Einziger Lichtblick: Ich habe das richtige Gen, um Koffein schnell zu verarbeiten, und nur eine niedrige Wahrscheinlichkeit an Glutenunverträglichkeit zu erkranken (meine große Sorge, weil es in meiner Familie vorkommt). Ich bekam eine Low-Carb-Diät mit extra Gemüse verschrieben, mit dem Ratschlag, das ich das saftige Steak öfter mal durch öligen Fisch ersetzen sollte.

Das Fitness-Briefing war da schon aufmunternder. Bisher hatte ich Gewichte und Widerstandsübungen im Fitness-Studio bevorzugt, der DNA-Test ergab aber, ich solle lieber 60 Prozent Ausdauer- gegenüber 40 Prozent Krafttraining machen. Wunderbar, mehr Cardio also!

Hier kam 38 Degrees North ins Spiel. Die ersten vier Trainingstage (mit einem „Ruhetag“ in der Mitte, nach dem ich mich schon vor meiner Ankunft sehnte) verbrachte ich mit einem Workout, das ganz auf dieses 40/60-Profil ausgelegt war. Keine Kurzhantel-Sätze mit viel Gewicht und wenig Wiederholungen mehr. Stattdessen Kugelhantelübungen, die in zwei Sets aufgeteilt waren: eines zur Anregung von Stoffwechsel und Fettverbrennung und eines zum aeroben Training. Überraschenderweise liebte ich das. Die großartige Kombination aus kleinen Gewichten und Instant-Aerobic, die mehrere Muskelgruppen gleichzeitig beanspruchte, ließ meinen Puls sofort in die Höhe schnellen.

Der DNA-Test hatte auch gezeigt, dass mein Körper mehr Sauerstoff aufnehmen und ihn schneller zu den Muskeln schicken kann als bei anderen Menschen, wodurch ich mit weniger Aufwand schneller rennen kann. Da ich aber kein großer Fan des Laufens bin, durfte ich diese Stärke bei Seilübungen und im High-Intensity-Training (HIIT) ausspielen.

Schon nach fünf Tagen Sport und maßgeschneiderter Ernährung zeigten sich große Resultate. Während ich in früheren Bootcamp-Tests vor allem viel Gewicht verloren hatte, hatte ich durch DNAFit nun vier Prozent weniger Körperfett, bei gleichbleibendem Gewicht. Ein ideales Ergebnis: Muskeln sind schwerer als Fett, also ist es das ultimative Ziel, das eine durch das andere zu ersetzen, während zusätzlich der Stoffwechseln angekurbelt wird.

Doch die wirklich harte Arbeit kommt erst noch. Jetzt muss ich die neuen, DNA-gestützten Trainings- und Ernährungsmethoden aus dem Bootcamp auch im Alltag beibehalten. (Kurse ab rund 2700 Euro)

Dieser Artikel erschien zuerst bei WIRED UK.
Das Original lest ihr hier.

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