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Eine Dampfwalze zerstört Terry Pratchetts unveröffentlichte Werke

WIRED Editorial 30.08.2017 Lesezeit 2 Min

Die letzte Chance auf posthum veröffentlichte neue Pratchett-Bücher ist dahin: Eine Dampfwalze zermalmte die Festplatte des Schriftstellers. Zwei Jahre nach seinem Tod wurde so sein letzter Wille ausgeführt. Allerdings war es wohl nicht ganz leicht, einen Dampfwalzenfahrer zu finden, der dazu bereit war.

Alles, was Terry Pratchett auf seiner Festplatte gespeichert hatte und vor seinem Tod 2015 nicht vollenden konnte, ist nun für immer verloren. So wollte es der letzte Wille des Schriftstellers. Eine Dampfwalze fuhr auf dem Great Dorset Steam Fair über die Festplatte.

Der Sechseinhalbtonner Lord Jericho habe mehrfach über das Metallgehäuse rollen müssen, schreibt die BBC. Und zitiert den Kurator des Sailsbury Museums, Richard Henry, der die Aktion durchgeführt hat: „Erstaunlicherweise gingen mehr Steine unter der Festplatte kaputt als das Ding selbst.“ Das halb zerstörte Speichermedium sei dann noch in einen Stein-Schredderer geworfen worden.

Warum der weltberühmte Erfinder der Scheibenwelt nicht wollte, dass seine unvollendeten Werke weiter existierten? Prachett habe verhindern wollen, dass irgendjemand sie weiterschreiben und veröffentlichen kann, sagt Henry. Der Schriftsteller starb 2015 an Alzheimer und soll vor seinem Tod an bis zu zehn Romanen gearbeitet haben.

Nach seinem Tod hatte schon sein Schriftstellerkollege Neil Gaiman in der Times öffentlich gemacht, dass Pratchett verfügt habe, alle seine unvollendeten Werke und seinen Computer „mitten auf der Straße von einer Dampfwalze überrollen zu lassen“. 

Am 25. August hatte Pratchetts Nachlassverwalter, Rob Wilkins, den Schritt in die Wege geleitet. Er twitterte, dass er jetzt seiner „Verpflichtung gegenüber Terry“ nachkommen werde.

Allerdings sei es erstaunlich schwer gewesen, einen Dampfwalzenführer zu finden, der zu der Aktion bereit war. Viele glaubten zunächst, Wilkins scherze.

Vielleicht war das medienwirksame Event tatsächlich Pratchetts letzte Pointe. Denn das Szenario mit der Dampfwalze könnte leicht einem seiner Romane entsprungen sein. Nur zu gut stellt man sich eine Gruppe von stolzen Dampfwalzenführern vor, die sich einer nach dem anderen vehement dagegen aussprechen, sein Vermächtnis zu vernichten. Bis dann schließlich einer eintrifft, der die Welt vor schlechter Discworld-Fanfiction retten möchte, die andere Autoren aus den Manuskripten erspinnen würden. Und so zu einem vielgehassten Helden wird, der einfach nur das richtige tat.

Die Überreste der Festplatte werden ab dem 16. September im Salisbury Museum gezeigt.