Gaming-PCs sind riesige Stromfresser — dabei wäre es so einfach, das zu ändern

Dominik Schönleben 01.09.2015 Lesezeit 2 Min

Die Diskussionen in Videospielforen sind endlos: Wie viele Frames pro Sekunde sind für das wahre Spielerlebnis notwendig, welche Grafikkarte liefert das beste Ergebnis und wer hat den schnellsten Prozessor? Woran die wenigsten Gamer dabei denken: Ist das auch gut für die Umwelt? Eine neue Studie zeigt, wie überproportional groß der Stromverbrauch von Gaming-PCs ist — und wie leicht er reduziert werden könnte, wenn Spieleentwickler und Hardware-Hersteller es bloß wollen würden.

Eine neue Studie von Evan Mills vom Berkeley Lab in Florida zeigt, wie viel Strom Gaming-PCs sparen könnten, wenn sie richtig konfiguriert wären oder bestimmte Komponenten der Hardware ausgetauscht würden. Bis zu 75 Prozent des Stromverbrauchs könnten so vermieden werden, ohne das Spieler merkliche Einbußen in der Performance ihres Computers hinnehmen müssten.

Derzeit machen Gaming-PCs laut den Daten von Mills nur 2,5 Prozent aller weltweiten Personal Computer aus, dennoch verbrauchen sie 20 Prozent der für PCs verwendeten Energie. Da Gaming Mainstream geworden ist, scheint es deshalb umso wichtiger den Stromverbrauch der Highend-Geräte im Auge zu behalten.

Ein durchschnittlicher Gaming-PC ist wie drei Kühlschränke.

Evan Mills, Berkeley Lab

„Die Energieforschung betrachtet schon seit langem den Energieverbrauch von normalen Computern und Konsolen, aber der Gaming-PC hat ein ganz anderes Kaliber“, sagte Mills gegenüber Eurekalert. Seine Studie ergab, dass ein typischer Spiele-Rechner etwa 1400 Kilowatt-Studen pro Jahr verbraucht, was etwa der sechsfachen Menge eines normalen Computers und der zehnfachen Menge einer Konsole entspricht.

„Ein durchschnittlicher Gaming-PC ist wie drei Kühlschränke“, sagte Mills. Wer sich also einen Highend-Computer für das maximale Spielerlebnis kauft, holt sich damit auch einen Stromfresser ins Haus. Was laut Mills aber überhaupt nicht sein müsste.

Denn einen direkten Zusammenhang zwischen Stromverbrauch und Leistung eines Computers gibt es laut Mills nicht. Einige der Geräte mit der höchsten Leistung hätten zugleich auch einen sehr niedrigen Stromverbrauch. Ermittelt haben die Forscher diese Werte durch branchenübliche Benchmark-Tests.

Der Austausch einzelner Bauteile brachte schon 50 Prozent Ersparnis.

Bei ihren Tests konnten die Forscher durch den Austausch einzelner Bauteile den Stromerbrauch um bis zu 50 Prozent senken, ohne dabei die Leistung zu beeinflussen. Weitere 25 Prozent Reduzierung erreichten sie durch die richtige Konfiguration des Computers. Hardware-Hersteller und Programmierer könnten also ohne Einbußen für die Hardcore-Spieler den Stromverbrauch bei Spielen herunterschrauben. Sie müssten es nur wollen.

Doch derzeit würde laut Mills kaum auf die Energieeffizienz von Computer-Hardware geachtet. Nur Monitore und Netzteile besitzen Energiesiegel — und selbst das ist freiwillig. Vor allem Motherboards und Festplatten hat Mills als Kandidaten identifiziert, um Strom zu sparen.

Die potentielle Menge des weltweit einsparbaren Stroms hat Mills auch berechnet: 120 Terawatt-Stunden. Das entspricht in etwa der Energieleistung von 40 Kraftwerken.