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Spotifys Familienpläne: Warum Musik-Streaming billiger wird

Marcel Weiß 22.10.2014

Spotify kündigt Familienpakete an, Apple will Gerüchten zufolge bei seinem Streamingdienst Beats Music den Monatspreis senken. Es scheint fast so, als würde Musikstreaming bald insgesamt günstiger. Das wäre gut für alle.

On-Demand-Streaming von Musik, wie man es von Spotify, Rdio, Deezer, Simfy und vielen anderen kennt, kostet immer dasselbe: rund zehn Euro pro Monat für die werbefreie Variante. Das ist kein Zufall. Wer einen solchen Dienst anbieten will, braucht die Hits der letzten Jahrzehnte im Katalog. Wer die nicht hat, wird von der Mehrheit der potenziellen Nutzer schlicht ignoriert. Und diese Hits der letzten Jahrzehnte liegen größtenteils in den so genannten Back-Katalogen von Major-Labels. Jeder Streaminganbieter, der konkurrenzfähig sein will, muss zwingend Verträge mit diesen Riesenfirmen abschließen.

Die Dienste geraten dadurch in eine Misere. Die Major-Labels diktieren ihnen als Monopolisten die Verträge und damit, wie der Streamingmarkt auszusehen hat.

Zehn Euro im Monat für Musik-Streaming sind zu viel.

Tatsächlich sind zehn Euro im Monat keineswegs günstig. Aufs Jahr hochgerechnet bezahlen Nutzer 120 Euro für den Zugang zu Musik. Bevor es Streaming gab, haben die wenigsten Menschen so viel Geld für Songs und Alben ausgegeben. Die jährlichen Durchschnittsausgaben in den USA lagen über die Formatwechsel von Vinyl über CD zu iTunes und Co. hinweg konstant bei 45 bis 65 Dollar. Musik via On-Demand-Streaming zu beziehen, bedeutet also mindestens eine Verdoppelung der Ausgaben.

Vor diesem Hintergrund ergibt das Gerücht durchaus Sinn, Apple wolle den Monatspreis für seinen gerade übernommenen Streamingdienst Beats Music auf fünf US-Dollar senken. Die daraus resultierenden 60 US-Dollar pro Jahr würden an der Obergrenze dessen liegen, was Menschen seit Jahrzehnten in den westlichen Ländern durchschnittlich für Musik ausgeben. Da Musik ein sogenanntes elastisches Gut ist, würde diese Preissenkung am Ende auch den Labels und Musikern zugute kommen.

Niedrigere Preise könnten zu höheren Gewinnen führen.

Bei elastischen Gütern führt ein niedrigerer Preis zu höheren Umsätzen, die so viel höher sind, dass sie in der Masse trotz niedrigerem Preis zu höheren Gewinnen führen. Anders ausgedrückt: Bei elastischen Gütern kaufen zum Beispiel bei einem um die Hälfte niedrigeren Preis zehn Mal mehr Menschen das Produkt. Die Folge sind mehr Verkäufe und damit insgesamt höhere Gewinne.

Auch Spotify, Marktführer im Musikstreaming, will sich niedrigeren Preisen annäheren – über Bündelung. Der schwedische Dienst hat Familienangebote für bis zu fünf Nutzer gleichzeitig angekündigt, die in den nächsten Wochen weltweit verfügbar sein sollen. In den USA werden Pakete für zwei Nutzer 14,99 Dollar, für drei Nutzer 19,99 Dollar, für vier 24,99 Dollar und für fünf Nutzer 29,99 Dollar kosten. Bei einem Plan für drei Nutzer beträgt der Monatspreis pro Nutzer dann etwa 6,66 Dollar. Für Deutschland dürften diese Preise eins zu eins in Euro übersetzt werden, so ist es zumindest üblich.

Niedrigere Streamingpreise würden zu einem für alle profitablen Markt führen, trotzdem wollen die Major-Labels sie nicht wirklich. Aber warum? Eine Antwort könnte sein: Weil sich dann die Machtverhältnisse verschieben. Wenn Streamingdienste plötzlich die Haupteinnahmequelle für Tonaufnahmen sind, werden diese zu mächtigen Unternehmen, die den Labels die Verträge diktieren können. Und das können die an die aus ihren Backkatalog-Monopolen kommende Macht gewöhnten Konzerne nicht wollen. Am Ende würden sie womöglich sogar noch die profitabelsten Vertragsklauseln verlieren: Die die sicherstellen, dass Majorlabels überproportional mehr vom Streamingverteilungsschlüssel erhalten als die Independent-Plattenfirmen. 

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