/Kultur

NO PEGIDA! Spreadshirt muss weitere Hass-Designs bekämpfen

Martin Wiens 13.07.2015 Lesezeit 3 Min

Manchmal kann auch eine gut gemeinte und richtige Aktion nach hinten losgehen. So geschehen bei der T-Shirt-Druckerei Spreadshirt. Eine Mitarbeiterin hatte es abgelehnt, ein T-Shirt mit Pegida-Print zu drucken. Dafür bekam sie viel Lob und Zustimmung im Netz — zumindest am Anfang. Ein Kommentar.

Eine Pegida-Anhängerin hat bei der Online-Druckerei Spreadshirt ein T-Shirt mit „I <3 PEGIDA“-Print in Auftrag gegeben — und bekam eine Abfuhr. Bei Facebook postete sie dann am Sonntag die Antwort, die sie von der Mitarbeiterin Michaela aus dem Spreadshirt Legal Service auf ihren Druckauftrag bekommen hatte:

Hallo Kerstin,
vielen Dank für Deine E-Mail.
Das, was PEGIDA vertritt, gilt in unseren Augen nicht als Meinung, sondern als rassistische, diskriminierende und menschenverachtende Äußerungen. Wir haben uns aus ethischen Gründen darum entschieden, den Namen dieser lächerlichen Vereinigung nicht zu drucken. Ich hoffe, Du erkennst irgendwann, dass Du zusammen mit Nazis auf die Straße gehst.
Viele Grüße
Michaela
Spreadshirt Legal Service

 

Für diese deutliche Positionierung gegen die diskriminierenden Ansichten von Pegida erhielt sie gerechtfertigten Zuspruch.

Schnell kramten User aber weitere — schon lange online verfügbare — Spreadshirt-Motive heraus, die genauso grenzwertig sind wie ein Pegida-Print: zum Beispiel der Aufdruck „Heimat – Unter fremden Fahnen“.

 

Der naheliegende Vorwurf folgte prompt: „Es ist inkonsequent, dass solche Schriftzüge im Shop erlaubt sind, während Spreadshirt doch angeblich so viel Wert auf ethische Korrektheit legt“, knallte es von vielen Seiten. Aber müssen wir wirklich direkt Doppelmoral schreien?

Einerseits Ja. Spreadshirt bezieht Stellung gegen Pegida und macht gleichzeitig Geschäfte mit rechten Ansichten und diskriminierenden Gesinnungen. Auch sexistische Prints sind bei der Druckerei aufgetaucht, zum Beispiel ein „Kitchenslave“-Druck mit einer Frau, die in der Küche festgekettet ist — unter anderem auf einem Baby-Strampler, zu finden unter der Kategorie „Bestseller Geschenke“. Und das geht überhaupt nicht.

 

 

Anderseits muss man dem Unternehmen zugestehen, dass es ähnlich wie andere Netzwerke mit einer Flut von solchen Anfragen überhäuft wird. Allein am vergangenen Wochenende wurden 12.000 Designs hochgeladen. Gegenüber WIRED versichert eine Sprecherin, man tue alles, um menschenfeindlichen Inhalten nachzuspüren und sie vom Netz zu nehmen. „Dabei setzen wir ganz auf die Verantwortung unserer Mitarbeiter“, sagte sie.

Dennoch: Masse kann nur eine sehr begrenzte Entschuldigung sein. Es gibt Mittel und Wege, um die Übersicht zu behalten. Und vielleicht ist Spreadshirt genau hier ein Vorwurf zu machen: Während andere Netzwerke sich größte Mühe geben, um Flagging-Systeme aufzubauen, ihre Content-Teams zu schulen und gewalttätige Inhalte durch gleich mehrere Kontrollpunkte zu filtern, scheint das Unternehmen hier hinterherzuhinken. So lange darf „Kitchenslave“ einfach nicht verfügbar sein.

Nur eine aktive und sensibilisierte Community in Verbindung mit gut geschulten Mitarbeitern kann garantieren, dass ein Netzwerk sich gegen die Flut an Mist wehren kann, die im Internet jeden Tag produziert wird. Das sollte mittlerweile für jeden Online-Anbieter zum Daily Business gehören — davon können all die Foren-Manager da draußen ein Lied singen. Das muss auch Spreadshirt wissen. Immerhin, so sagt die Sprecherin, würde die Community nach dem Trubel um das Pegida-Shirt jetzt aktiver mithelfen.

Bleibt also festzuhalten: Liebe Michaela, super Reaktion auf die Pegida-Anfrage. Spreadshirt, besser aufpassen!