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So bewahrt ihr eure Kryptowährungen richtig auf

Klemens Kilic 24.04.2018 Lesezeit 5 Min

Eine Wallet ist eine digitale Brieftasche für Kryptowährungen. Es gibt sie ausgedruckt, online oder als USB-Stick. Doch welche Wallet ist die richtige für euch? Ein Ratgeber.

Wer Bitcoin, Ripple oder eine andere Kryptowährung kauft, muss sich zwangsläufig auch mit dessen Aufbewahrung beschäftigen. Für welche digitale Brieftasche (Wallet) man sich entscheidet, hängt nicht zuletzt auch von den persönlichen Bedürfnissen ab. Sollen schnellere Geldbewegungen möglich sein? Oder liegt das Hauptaugenmerk auf einer langfristigen Anlage?

Eins steht fest: Die Wahl der richtigen Wallet ist entscheidend, um sicherzustellen, dass das Kryptogeld nicht in die falschen Hände gelangt. Wer seine Digitalwährungen etwa auf einem Exchange (Handelsplatz) parkt, kann zwar selbst keine Fehler mehr machen. Das Geld kann aber trotzdem schnell verschwinden. Denn diese Dienste sind in der Vergangenheit immer wieder ein Ziel von Hackerangriffen gewesen.

Die richtige Wallet ist aber keineswegs nur ein Werkzeug, um Hackerangriffen vorzubeugen. Man sollte sich auch vor dem eigenen menschlichen Versagen schützen. So gibt es zahlreiche Fälle, in denen Personen ihre Hardware-Wallet inklusive der darauf gesicherten Bitcoins verloren, versehentlich weggeschmissen oder unabsichtlich schwer beschädigt haben. Das kann den Betroffenen schnell um ein Vermögen bringen. So hat zum Beispiel ein Mann aus Großbritannien 2013 versehentlich sein Harddrive entsorgt und damit auch seine 7500 Bitcoins verloren, die Ende 2017 umgerechnet mehr als 100 Millionen Euro Wert gewesen wären..

Was ist eine Wallet?

Eine Wallet ist eine Software für die Aufbewahrung von Kryptowährungen, die auch den Empfang und den Versand von Kryptogeld zulässt. Die Digitalwährungen befinden sich allerdings nicht direkt in der Wallet. Viel mehr ist die digitale Geldbörse der Aufbewahrungsort für die öffentlichen und privaten Schlüssel, mit deren Hilfe man Zugriff auf die Coins erhält und die eigentlich dezentral in der Blockchain gespeichert sind. Der öffentliche Schlüssel ist dabei mit der IBAN einer EC-Karte vergleichbar. Dorthin kann Digitalgeld gesendet werden. Der private Schlüssel entspricht der Geheimzahl zu der EC-Karte und wird benutzt, damit man selbst Kryptogeld verschicken kann.

Wallets lassen sich grob danach einteilen, ob sie „heiß“ oder „kalt“ gelagert werden. Unter einer heißen Lagerung versteht man die Aufbewahrung von Coins auf einem Computer, der eine Verbindung zum Internet hat. Eine kalte Lagerung setzt folglich voraus, dass die Wallet nicht mit dem Internet verknüpft ist. Benötigt man regelmäßig Zugriff auf seine Digitalwährungen, da man mit ihnen Alltagseinkäufe erledigt, bietet sich eine heiße Lagerung an. Geldbewegungen lassen sich dann sehr rasch abwickeln. Möchte man langfristig investieren und tätigt nur selten Transaktionen, empfiehlt sich die sicherere Variante: die kalte Lagerung.

Heiße Lagerung

Wohl am leichtesten zu bedienen, und daher von Einsteigern bevorzugt, sind heiß gelagerte Wallets. Sie eignen sich gut für schnelle Transaktionen und bedürfen dafür keinerlei Zusatzgeräte wie etwa einer extra Hardware. Hier unterscheidet man eine Online Wallet und eine Mobile oder Desktop Wallet.

Auf eine Online Wallet erhält man Zugriff über eine Cloud. Die Wallet ist also nicht auf einem speziellen Gerät gespeichert und kann daher ortsunabhängig übers Internet geöffnet werden. Damit ist die Online Wallet gleichzeitig die praktischste, aber auch risikoreichste Variante, Digitalgeld zu verwahren. Grund dafür ist, dass die privaten und öffentlichen Schlüssel auf einem externen Server gesichert sein müssen, um dieses Maß an Komfortabilität anzubieten.

Etwas sicherer lassen sich Kryptowährungen auf einer Mobile oder Desktop Wallet speichern. Dafür bedarf es nur eines Downloads einer Wallet auf das Wunschgerät und schon kann es als Aufbewahrungsort für Kryptogeld dienen. Ein Zugriff auf die Wallet von einem anderen Gerät über eine Cloud ist hier nicht möglich. Obwohl diese Option dadurch zwar weniger Flexibilität zulässt, muss man die Zugangsschlüssel zu seinen Finanzen dadurch nicht einem fremden Server anvertrauen.

Kalte Lagerung

Jedem, der in Kryptogeld investiert, sei ans Herz gelegt, seine Währungen kalt zu lagern. Das lässt sich über eine externe Hardware, ein Blatt Papier oder ein gutes Zahlengedächtnis realisieren. Eine kalte Lagerung ist vor allem bei Langzeitinvestitionen dringend zu empfehlen.

Die Anschaffung einer guten Hardware-Wallet kostet bis zu 100 Euro. Die Investition lohnt sich jedoch, wenn man größere Summen für Hacker unantastbar parken möchte. Die beliebtesten Hardware-Wallets sind das Ledger Nano S und Trezor. Beide gelten als sehr sicher und lassen sich über ein MicroUSB-Kabel an ein Mobiltelefon oder einen Computer anschließen. Von Einsteigern wird die Trezor-Hardware teilweise als kompliziert beschrieben. Wer sich jedoch einmal ausführlich damit auseinandersetzt, für den ist die Bedienung eingängig.

Ein gebrauchtes Hardware-Wallet zu kaufen kann gefährlich sein. Denn es könnte bereits von Hackern mit Schadsoftware manipuliert worden sein. Wir empfehlen: Nur direkt vom Hersteller kaufen.

Auf Papier lagern

Die sicherste Variante, seine Schlüssel aufzubewahren, ist ein Paper-Wallet. Wie der Name schon vermuten lässt, schreibt man sich die privaten Schlüssel dafür auf ein Blatt Papier oder druckt sich diese in Form eines QR-Codes aus. Dieses Papier sollte an einem sicheren Ort aufbewahrt werden, zu dem nur der Besitzer selbst Zugriff hat. Zum Beispiel einen Safe. Außerdem ist es ratsam, Kopien des Codes an mehreren Orten zu verwahren.

Wer mit einem guten Zahlengedächtnis gesegnet ist, kann sich den privaten Schlüssel auch merken, bestehend aus einer Folgen von Zahlen und Buchstaben. Diese auch Gehirn-Wallet genannte Variante würden wir nicht empfehlen, da ein kleiner Zahlendreher bereits dafür sorgen kann, dass einem der Zugriff auf das Kryptogeld für immer verwehrt bleibt.

Jede Wallet hat ihre Vor- und Nachteile. Während die eine geräteunabhängig und flexibel ist, ist die andere zwar mit weiteren Kosten verbunden, aber dafür auch sicherer. Über eines sollte man sich aber im Klaren sein: Das Geld einer zentralen Instanz wie einer Handelsplattform zu überlassen, widerspricht grundsätzlich der Idee hinter Kryptowährungen.