/Kolumne

Humanoide Roboter: Skynet grinst nicht!

Dominik Schönleben 07.02.2018 Lesezeit 3 Min

Humanoide Roboter sind nicht mehr als ein Partygag. Das glaubt zumindest unser Angry Nerd. Denn echte künstliche Intelligenz steckt nicht in den Körpern von Glubschaugen-Simulatoren, sondern sind bald überall und nirgendwo.

Roboter nerven, aber das ist nicht ihre Schuld. Es ist der Mensch, der es partout nicht lassen kann, Roboter nach dem eigenen Ebenbild zu schaffen. Unser Mitleid hätte deshalb der rollende Robo-Buddy Pepper verdient – wenn er mit diesem Gefühl etwas anfangen könnte. Auf jeder Messe, auf der sich Unternehmen als besonders innovativ und zukunftsgerichtet präsentieren wollen, wird der kleine Kerl ins Rampenlicht gefahren. Pepper und Kollegen sollen dann Fragen zum Wetter beantworten – langweilig! – oder per Sprachbefehl Kaffee kochen.

Doch wird man selbst Zeuge dieses lächerlichen Schauspiels, stellt man fest: PEPPER IST NICHT MEHR ALS EIN FAHRENDES IPAD! Tatsächlich leitet der Roboter nur Sprachbefehle an die wlanfähige Kaffeemaschine weiter. Die große Enttäuschung kommt schneller als der Kaffee, für den man den Becher selbst unter die Düse halten muss. Innovation: gleich NULL! Humanoide Roboter sind eine Farce – und eine BILLIGE dazu! Wie Siri und Alexa auf Rädern, NUR SCHLECHTER!

Aber das ist noch nicht das Schlimmste. Das Schlimmste ist, dass seine Entwickler Pepper eine Fähigkeit anprogrammiert haben, die uns den Blick dafür vernebeln soll, dass er ein Trottel ist. Jeder missverstandene Befehl wird mit einem charmanten Wimpernzucken quittiert. Er kann den Eindruck vermitteln, ein empfindungs­fähiges Wesen zu sein. WAS NATÜRLICH BLÖDSINN IST!

Haben die Autos und Kühlschränke erst die Macht übernommen, hilft auch kein Augenklimpern mehr.

In Wahrheit hat er so viel Bewusstsein wie ein Toaster. Seine Entwickler täuschen uns mit einem Trick, ähnlich dem seines Namensvetters aus dem 19. Jahrhundert. Pepper’s Ghost ist die Bezeichnung für einen Spiegeltrick, mit dem heute der Rapper Tupac per Hologramm um seinen Grabesfrieden gebracht wird. Steht der Zuschauer im richtigen Winkel, entsteht der Eindruck, ein Geist spuke durchs Zimmer. Genauso geistlos sind die Messehallen-Robos und rollenden Haushaltshilfen.

Man könnte jetzt fragen: Wem schadet schon ein BB-8 für Arme? Und da möchte man sofort zurückschreien: uns allen! Denn wir erwarten einfach zu viel von ihnen. Wer sich von einem humanoiden Roboter eine Persönlichkeit vorgaukeln lässt, hält ihn für kompetent. Studien zeigen, dass wir uns dadurch alle zum leichtgläubigen Opfer machen. Deswegen fällt die Enttäuschung bei den Peppers dieser Welt so groß aus.

Die trotteligen Show-Ro­boter zerstören das gute Verhältnis zwischen Mensch und Maschine. Anstatt uns Arbeit abzunehmen oder das Leben zu erleichtern, imitieren sie Wall-E und C-3PO. Letzterer ist nicht umsonst für die Comedy zuständig gewesen und hat zum Sieg gegen das Imperium nicht das Geringste beigetragen. SECHS MILLIONEN SPRACHEN VERSTEHT ER! ABER ECHTE INTELLIGENZ? FEHLANZEIGE! Doch wenn Maschinen an den Aufgaben scheitern, die wir ihnen anfangs noch zutrauen, werden sie zum verlachten Spielzeug. Und darin liegt die Tragik: Pepper und seine Kol­legen ramponieren den Ruf der künstlichen Intelligenzen, die die Welt verändern sollen und werden.

ECHTE künstliche Intelligenzen stecken nicht in den Körpern von Glubschaugen-Simulatoren, sie sind körperlos. Smarte KI-­Assistenten werden bald überall und nirgendwo sein. Zur Verfügung, wenn wir sie rufen, verknüpft mit jedem Gerät und Netzwerk. Bereit, uns jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. Nicht ein Pepper wird eines Tages die brutalste Waffe eines außer Kontrolle geratenen Skynet sein, sondern selbstfahrende Autos, smarte Lautsprecher und Kühlschränke.

Je öfter aber Konzerne wehrlose rollende Katzenroboter oder Peppers auf Messen karren, desto weniger werden Menschen diese Zukunft ernst nehmen. Anstatt mit Wunder und Begeisterung begegnen wir diesen Maschinen mit gefährlicher Überheblichkeit. Haben die Autos und Kühlschränke erst die Macht übernommen, ist es zu spät. Dann hilft auch kein Augenklimpern.