„WikiGate“: Scharfe Kritik an Paywall-Inhalten auf Wikipedia

Elisabeth Oberndorfer 18.09.2015 Lesezeit 2 Min

Eine Partnerschaft mit einem akademischen Verlag holt Wikipedia-Betreiber WikiMedia Ärger bei Netzaktivisten ein. Das verstärkte Zitieren von Quellen hinter Paywalls würde den offenen Zugang der Community-getriebenen Enzyklopädie gefährden.

Was zu dem Aufreger führte: Der Verlag Elsevier vergab 45 Zugänge zu seiner Datenbank „ScienceDirect“ an die Top-Redakteure von Wikipedia. Üblicherweise haben nur Mitarbeiter von ausgewählten Universitäten Zugang zu den Büchern und Journalen im Archiv, alle anderen müssen dafür zahlen. Integrieren die Wikipedia-Autoren Informationen aus der Elsevier-Datenbank, so stoßen User beim Klick auf die Quelle auf eine Paywall.

Das kritisiert allen voran Michael Eisen, Uni-Professor und Open Access-Advokat. Der Deal mit dem Verlagshaus gehe gegen die Prinzipien von Wikipedia und widerspreche dem offenen Zugang. Der Aktivist bezeichnet die Kollaboration mit Elsevier als „Wikigate“ und befürchtet, dass ein Elitismus aus der Plattform und unter den Redakteuren entsteht. Andere Kollegen schließen sich Eisens Meinung an und glauben, dass die Einbindung von Bezahlinhalten sogar zu einem „Priestertum“ führen würde.

Den Open-Access-Befürwörtern wäre es lieber, wenn den Redakteuren der Zugang zu Paywalls erschwert wird, damit auch das Informationsportal weitgehend frei von kostenpflichtigen Informationen bleibt. Wikimedia hat mittlerweile auf die Kritik der Community reagiert und Wikipedia-Library-Chef Jake Orlowetz beschwichtigte im Blog Eisens Vorwürfe. Man wolle den Lesern das beste Informationsangebot geben und dafür seien auch die neuesten Studien aus dem akademischen Bereich notwendig. Partner der Wikipedia Library haben laut Orlowetz bereits mehr als 5.000 Zugänge für die Redakteure zur Verfügung gestellt. Kooperationen wie die mit Elsevier seien demnach nicht ungewöhnlich. Wer Links zu Paywalls setzt, müsse diese auch dementsprechend kennzeichnen, so der Wikipedia-Sprecher.

Weiters betont Orlowetz, dass die freie Enzyklopädie sich sehr wohl dem offenen Zugang verpflichtet fühlt. Kritiker Eisen antwortete daraufhin auf Twitter, dass er Wikipedia liebe und verstehe, warum Wikipedia so handle, wie es das tue.