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Schicken Club-DJs bald verschlüsselte Nachrichten in ihren Beats?

Cindy Michel 20.08.2016

Für DJs mit einem Hang zur Kryptographie oder Spione mit einer Vorliebe für Dancemusic könnte das die Meldung des Sommers sein: Techno ist nicht nur zum Tanzen gut, man kann auch geheime Botschaften damit verschicken.

Die Musik wabert in balearischen Clubs und trägt Geheimnisse in sich. Denn im Wummern des Technos verbirgt sich die Verschlüsselungsmethode StegIbiza. Beat, Beat und nochmal Beat – alles andere ist egal. Und genau da setzt das System des Krypto-Experten und DJs Krzysztof Szczypiorskis an.

Er manipuliert das Tempo seiner Beats so subtil, dass das menschlichen Ohr es nicht mehr wahrnimmt. Und dadurch ensteht der Code für geheime Nachrichten. Vorgestellt hat Szczypiorskis das in einer aktuellen Studie.

Es ist wie morsen, nur viel rhytmischer: Das steganographische System StegIbiza basiert auf dem Morsealphabet, bei dem Buchstaben mit Strichen und Punkten definiert werden. Und genauso verhält es sich auch bei StegIbiza, nur, dass ein Punkt oder ein Pluszeichen einer Verlängerung und ein Strich einer Verkürzung des Tempos entspricht. 

Um Coversongs ohne Vocals von verschiedenen bekannten Popsongs zu kreieren, nutzt Szczypiorski Logic X Pro Digital Audio Workstation von Apple. Dazu zählen Miracle von Queen bei etwa 92 Beats Per Minute, So What von Miles Davies (120 Beats Per Minute) und Rhythm Is a Dancer von Snap (130 Beats Per Minute). „Alle Originalsongs habe ich ohne Vocals und im Techno-, HipHop- oder Trance-Style arrangiert“, berichtet der Wissenschaftler. Anschließend variiert er das Tempo basierend auf dem Morsealphabet, um die Nachricht „Steganography is a dancer“ zweimal in jeden Song einzubetten.

Um herauszufinden, wie sehr er mit dem Tempo spielen kann, bevor es anderen auffällt, führte er zwei verschiedene Testreihen durch. Bei der ersten spielte er 20 verschiedenen Personen die Musik über Kopfhörer vor. Wenn Szczypiorski das Tempo um mehr als drei Prozent variierte, nahmen etwa 50 Prozent der Teilnehmer die Veränderung wahr. Bei unter zwei Prozent blieb der Tempowechsel völlig verborgen. Beim zweiten Versuch legte er dann auf einem Open-Air für etwa 70 Personen auf – und die Menschen tanzten zu den Beats. Die Ergebnisse waren ähnlich.

Vielleicht werden jetzt nicht unbedingt mehr Spione als vorher auf Raves in Ibiza rumhängen oder DJs das Morsealphabet auswendig lernen. Denkbar wäre aber, dass in Zukunft Musiker StegIbiza für sich entdecken, um ihren Fans geheime Nachrichten zu schicken.

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