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Das neue Samsung Galaxy S8 im Vorab-Test

Dominik Schönleben 13.04.2017

Für Samsung ist das Galaxy S8 eine Chance, das Vertrauen in die Marke wiederherzustellen: Nach dem Desaster mit dem explodierenden Note 7 muss die Firma beweisen, dass sein nächste Premium-Smartphone nicht dieselben Fehler hat. Der WIRED-Test zeigt: Samsung ist dies tatsächlich gelungen. Einige Probleme bleiben trotzdem.

Das neue Samsung Galaxy S8 Smartphone ist ein großartiges Telefon – wobei wir voraussetzen, dass diesmal die Sache mit dem Akku gut geht. Viele Funktionen lassen sich eleganter nutzen, als man es von anderen Android-Smartphones gewöhnt ist. Das hat unter anderem mit einer neuen Art des Sperrbildschirms zu tun und mit Gesichtserkennung.

Was sofort auffällt: das Galaxy S8 ist eines der wenigen Telefone, das noch etwas beim Design ausprobiert. Während andere Hersteller sich mehr und mehr einer einheitlichen Optik nähern – sei es Google, Huawei oder Apple – macht Samsung sein eigenes Ding. Das Galaxy hat eine purpurfarbene, spiegelnde Rückseite und ist wie sein Vorgänger an den Kanten abgerundet. Dadurch liegt das Gerät äußerst angenehm in der Hand (zumindest die kleinere 5,8-Zoll-Variante, die wir im Test hatten). Im Gegensatz zu vielen anderen Telefonen, die wir testeten, ist uns das S8 kein einziges Mal aus der Hand gerutscht.

Optisch hebt sich das Galaxy S8 von vergleichbaren Geräten ab

Das Galaxy S8 folgt aber trotz unkonventionellem Design einem klaren Trend: Der Bildschirm muss größer werden, ohne dass dabei das Telefon größer wird. Ein Weg war bisher, die Ecken abzurunden. Weil es nach rechts und links nicht mehr weitergeht, expandiert Samsung jetzt nach oben und unten. Und das ist ein echtes Plus: Vor allem beim Scrollen durch Social-Media-Streams, Nachrichten-Seiten oder bei Filmen in Widescreen macht der gute Zentimeter mehr einen echten Unterschied.

Die Gesichtserkennung ist ein wirklich angenehmes Feature für den Alltag

Den mechanischen Homebutton gibt es auf dem Display nicht mehr. Deshalb mag es auf den ersten Blick so wirken, als sei es weniger bequem geworden, das Smartphone zu steuern. Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Samsungs Galaxy S8 registriert festen Druck ähnlich sensibel wie der 3D-Touch des iPhone 7. Ein kurzes Pressen auf den digitalen Homebutton entsperrt das Telefon automatisch. Dabei verlässt sich das Telefon nicht auf einen Fingerabdrucksensor – der ist ziemlich unpraktisch direkt neben der Kamera auf der Rückseite platziert und dadurch quasi nutzlos geworden. Stattdessen greift das S8 auf Gesichtserkennung zurück.

Wenn man das Smartphone in üblicher Entfernung in der Hand hält und auf das Display drückt, merkt man nur eine kleine Verzögerung, dann geht es ohne Pin oder Bewegungsmuster weiter. Ein wirklich angenehmes Feature für den Alltag. Das eigene Gesicht wird dabei relativ zuverlässig erkannt, egal ob mit Brille oder Hoodie. Nur wenn die Kamera zu nah ans Gesicht gehalten wird, versagt die Funktion. Pin- und Muster-Fans sei beruhigend versichert: Auch diese Entsperrmethoden gibt es als Alternative weiterhin.

Das Display des Samsung Galaxy S8 ist immer aktiv

Der Sperrbildschirm ist immer an. Man sieht also mit einem Blick, ob es neue Nachrichten gibt. Das ist praktisch, hat trotzdem einen Nachteil: Der Absender einer Mail oder Textnachricht ist durch die minimalisierte Darstellung verborgen. Ob etwas also wirklich wichtig ist, zeigt sich erst nach dem Entsperren. Durch die Gesichtserkennung genügen dann aber zwei kurze Tipper auf die Nachricht, um sie zu öffnen.

Spiele wie Pokémon Go zwingen den Akku rasend schnell in die Knie

Der Always-On-Screen rückt allerdings auch die größte Schwäche des neuen Galaxy S8 ins Zentrum. Um das Akku-Problem des Note 7 nicht zu wiederholen, hat Samsung weniger Wert auf die Leistung gelegt. Das macht sich bemerkbar: Bei normaler Nutzung gerät das Telefon bereits innerhalb eines Tages an seine Grenzen. Spätestens auf dem Weg zurück von der Arbeit nach Hause meldete es sich mit der Warnung, dass nur noch 15 Prozent Ladung übrig sind. Spiele wie Pokémon Go oder Hearthstone zwingen den Akku des Galaxy S8 rasend schnell in die Knie. Ein Display, das immer aktiv ist, beeinflusst die kurze Akkulaufzeit zusätzlich. (Hinweis: Die größere Plus-Version des S8 besitzt einen leistungsstärkeren Akku.)

Was außerdem (noch) fehlt: Ein funktionsfähiger Sprachassistent. Ohne den ist ein Telefon heute nicht komplett. Für Samsung-Geräte gibt es deshalb demnächst Bixby – die Betonung liegt auf demnächst. Denn zum Release-Termin des Galaxy S8 wird der nette Helfer noch keine Sprachkommandos annehmen. Trotzdem gibt es bereits unterhalb des Lautstärkereglers einen physischen Knopf, um ihn oder sie zu aktivieren. Das ist an sich eine gute Idee, denn wer will schon ständig in der Öffentlichkeit soetwas wie „Okay Google“ oder „Hey Siri“ rufen. Weil persönliche Assistenten keine individualisierbaren Ansprachen haben, sind sie so zu Werbeträgern geworden. Ein Umstand, der ihrer Verbreitung vermutlich mehr geschadet als genutzt hat. Bixby hat hier eine gute Möglichkeit gefunden, dieses Problem zu umgehen.

Was Bixby ohne Sprachkommandos bisher kann? Wenig. Ähnlich wie Google Now zeigt der Assistent in einer Art Timeline zahlreiche Informationen, darunter Termine, Trending-Hashtags auf Twitter und wichtige News. Richtig viel angepasst werden kann dabei nicht. Die Nachrichten kommen beispielsweise immer über die vorinstallierte App upday und nicht vom Newsportal der Wahl. Im Alltag haben wir Bixby bei unserem Test deshalb nur selten verwendet.

Die Ähnlichkeit von Bixby zu Google Now ist unverkennbar

Wie viel Spaß es aber auch ohne Bixby macht, das neue Galaxy S8 zu bedienen, merkt man an Kleinigkeiten: Wird es bei Regen mit Wasser besprenkelt – das Telefon ist bis zu 30 Minuten wasserdicht – lässt es sich weiterhin über den Touch Screen problemlos steuern. Bei vielen anderen Geräten geht das nicht. Außerdem kann auf dem Startbildschirm mit dem Daumen einfach von rechts nach links gewischt werden, um die meistverwendeten Apps aufzurufen.

Zusammen mit dem Gesichtsscanning zum Entsperren wird klar, dass Samsung beim Galaxy S8 elegante Lösungen gefunden hat, um die Steuerung zu optimieren. Im letzten Schritt fehlt nur noch ein funktionierender Sprachassistent – oder vielleicht auch nicht. Immerhin läuft Googles Assistent auch auf dem S8. Nur auf die Bixby-Taste kann er nicht gelegt werden.

Wir empfehlen weiterhin allen, die so viel Geld ausgeben wollen, das Pixel

Mit all diesen kleinen Änderungen hat Samsungs eigene Version von Android mittlerweile ein wirklich gutes Interface bekommen. Was leider weiterhin nervt: Das Smartphone kommt mit vielen unnötigen Programmen und einem eigenen App-Store. Wer darüber hinwegsieht, jede App doppelt zu besitzen, oder sich bereits mit dem Samsung-Ökosystem angefreundet hat, der bekommt ein wirklich gutes Telefon.

Die Entscheidung für das Galaxy S8 fällt vor allem aus einem Grund äußerst schwer: Es kostet nahezu dasselbe, wie viele vergleichbare Premium-Geräte (799 beziehungsweise 899 Euro). Und wenn es in den letzten Monaten ein Android-Telefon gab, das es zu übertreffen galt, dann ist es das Pixel von Google. Wer also bereits Fan des Samsung-Ökosystem ist, vielleicht sogar eine Gear-VR-Brille besitzt, der wird definitiv begeistert sein, denn das Galaxy S8 ist ein exzellentes Telefon. Aber die Konkurrenz ist hart. Weshalb wir allen anderen, die so viel Geld ausgeben wollen, weiterhin das Pixel empfehlen.

WIRED: Gesichtserkennung zum Entsperren / elegantes und praktisches Interface / Display ist immer an
TIRED: Geringe Akkulaufzeit / der persönlicher Assistent Bixby ist unvollständig

Das Samsung Galaxy S8 und S8+ erscheinen am 28. April.

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