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#ResistJam: Politischer Widerstand als Gratis-Game

Michael Förtsch 16.03.2017

Für die #ResistJam arbeiteten Videospielentwickler aus aller Welt daran, Games über Hate Speech, Zensur und den politischen Widerstand zu entwickeln. Herausgekommen sind beeindruckende wie bedrückende Mini-Games. Die könnt ihr jetzt kostenlos laden und spielen.

Sogenannte Game Jams sind mittlerweile ein fester Teil der Videospielkultur. In Entwicklerwettbewerben wie der Ludum Dare, der Global Game Jam oder FPS Challenge versuchen erprobte wie junge Videospielmacher, innerhalb eines kurzen Zeitraums ein Game zu einem erst zum Start enthüllten Motto wie „You are the Monster“, „Minimalist“ oder „You Only Get One“ zu entwickeln. Herausgekommen sind dabei unter anderem die Prototypen zu heute gefeierten Werken wie Super Hot oder Titan Souls. Auch die vom 3. bis zum 11. März abgehaltene #ResistJam hatte ein feststehendes und ziemlich aktuelles Themengeflecht: Den Widerstand gegen Zensur, politische Unterdrückung und Autoritarismus auf der einen, sowie die Chancen durch Migration und Inklusion auf der anderen Seite.

Mittlerweile sind die Ergebnisse der Game Jam online. Die 217 Titel sind damit für jeden kostenfrei lad- und spielbar. Darunter sind unter anderem kleine aber intelligente Experimente wie SOMEBODY_IS_LISTENING, in dem der Spieler selbst zum Überwacher im Netz wird. An einem virtuellen Interface sitzend, muss er Kommunikationsdaten sichten, Verbindungen zwischen einzelnen Menschen ziehen und damit potentielle „Gefährder“ ausfindig machen – um sie dann festnehmen zu lassen. The All-Knowing Voice zeichnet hingegen eine Parabel auf die heutige Vertrauens- und Informationskultur. Denn hier findet man sich alleine in einem finsteren Labyrinth. Doch plötzlich bietet einem eine vermeintlich allwissende Stimme Hilfe an.

In The Cat in the Hijab schlüpft der Spieler in den Körper einer kleinen Katze mit Kopftuch, die eigentlich nur in aller Ruhe in der U-Bahn fahren will. Doch bald schon werfen die anderen Katzen ihr aggressive Blicke zu und werfen ihr islamophobe Anfeindungen an den Kopf, die unübersehbar auf die Zeit nach der Brexit-Entscheidung und der Amtseinführung Donald Trumps anspielen. Das Polit-Game Casterbridge simuliert, wie die kontroversen Entscheidungen „der großen Politik“ Kleinstädte beeinflussen und welche Herausforderungen das für lokale Bürgermeister bedeutet. In Catalyst lenkt der Spieler Protestler, die sinnbildlich „zurückschlagen“ und die Barrieren einer repressiven Diktatur einreißen.

Im Gegensatz zu anderen Game Jams waren die Entwickler bei der #ResistJam angehalten, in möglichst bunt gemischten Teams zu arbeiten und wurden angeregt, ihre Games auch auf möglichst vielen Plattformen spielbar zu machen. Ebenso legte ihnen die Organisatoren nahe, nicht nur den politischen Widerstand zu thematisieren, sondern auch Aufmerksamkeit dafür zu erzeugen, wie „Hate Speech und ungerechtfertigte Vorwürfe“ verletzen können.

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