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Renate Künast hat Facebooks abgeschirmtes Löschzentrum besucht

WIRED Staff 15.06.2017

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Renate Künast durfte als erste deutsche Politikerin Facebooks Löschteam in Berlin besuchen. Sie hatte Ende 2016 Strafanzeige gestellt, nachdem sie mit einem falschen Zitat in dem Sozialen Netzwerk verunglimpft wurde.

Im vergangenen Jahr hatte die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche dem Sozialen Netzwerk noch den Negativ-Preis Verschlossene Auster verliehen. In die Abläufe des Löschzentrums erhielten bis dato nämlich weder Politiker noch Journalisten Einblick.

Jetzt hat das Soziale Netzwerk auf die öffentliche Debatte über den Umgang mit Hasskommentaren, Fake News und sonstigen strafbaren Inhalten reagiert und gewährt erstmals Politikern Einlass in das Zentrum. Den Anfang machte Renate Künast, die als Vorsitzende des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz im Bundestag sitzt.

Laut eigenen Angaben durfte Künast in Berlin den Mitarbeitern der von Facebook beauftragten Firma Arvato drei Stunden lang über die Schulter schauen. Sie berichtet, dass das Unternehmen mittlerweile mehr Personal eingestellt habe — insgesamt 650 Mitarbeiter würden dort geschult und beschäftigen sich gemäß strenger Vorgaben mit den problematischen Inhalten. Zwei Jahre habe sie vorher um Einlass gebeten, sagte Künast gegenüber dem Deutschlandfunk. Jetzt machten die Mitarbeiter einen „ganz zufriedenen Eindruck“. Arvato biete den Mitarbeitern eine eigene psychologische Beratungsstelle, Gewaltvideos würden nur zwei Stunden am Tag und auch nur dann geprüft, wenn sich ein Mitarbeiter dazu bereit fühle. Im Mai hatte nach einem Bericht des Süddeutsche Magazins auch WIRED über den desolaten Zustand der Mitarbeiter von Arvato berichtet. 

Die psychischen Belastungen sind dabei immens. Daher dürfen sich die Mitarbeiter lediglich zwei Stunden täglich mit extremen Inhalten wie Kindesmissbrauch beschäftigen. Außerdem haben sie nun die Möglichkeit, über das Unternehmen psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Die harten Arbeitsbedingungen und mangelnde Effizienz von Facebooks Löschzentrum standen in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik. Künast hatte zwei Jahre lang versucht, Einblick in das Zentrum zu erhalten. Die Politikerin erhielt in der Vergangenheit zahlreiche Hasskommentare und sogar ein Enthauptungsvideo. Zuletzt verbreitete jemand auf Facebook ein vorgeblich von ihr stammendes Zitat, das in Zusammenhang mit dem Mord an einer Studentin in Freiburg stand. Über die neuen Maßnahmen sagte sie: „Facebook ist spät dran, aber immerhin.“ 

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