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NSA-Leak: Russischer Geheimdienst attackierte Wahlsoftware

WIRED Staff 06.06.2017

Ein geheimer NSA-Bericht soll belegen, dass der russische Militärgeheimdienst mindestens einen Anbieter von Wahlsoftware im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen im Herbst 2016 gehackt hat. Ob die Attacken den Wahlausgang tatsächlich beeinflussen konnten, ist noch unklar. Das FBI hat bereits eine mögliche Whistleblowerin verhaftet. In Deutschland sind ähnliche Angriffe unwahrscheinlich.

Der Bericht der NSA wurde The Intercept zugespielt und nennt den russischen Militärgeheimdienst GRU als durchführendes Organ einer Hackerkampagne gegen Teile des Wahlsystems der USA. Das steht im direkten Kontrast zu Putins bisherigen Beteuerungen, sein Land habe keinen Einfluss auf die Wahlen von US-Präsident Trump genommen — und etwaige IT-Angriffe aus Russland könnten höchstens das Werk patriotischer aber unabhängiger Hacker gewesen sein.

Der Geheimdienstbericht analysiert auch die Vorgehensweise der Angreifer. Die bekamen per fingierter Emails. so genannten Spear-Phishing-Attacken, Zugriff auf die Rechner lokaer Behördenmitarbeiter. Die Mails zielten den Informationen zufolge vor allem auf Angestellte ab, die mit der Wahlsoftware des Unternehmens VR Systems aus Florida arbeiteten. In dessen Namen schickten die Hacker dann infizierte Dokumente an US-Regierungsstellen. Während The Intercept die Authentizität des Berichts verifizieren konnte, warnen Geheimdienstexperten davor, die Schlussfolgerungen einer einzelnen Quelle als Fakt zu akzeptieren.

Für die Echtheit des Reports spricht die Verhaftung einer 25-jährigen Whistleblowerin nur eine Stunde nach der Veröffentlichung des Berichts: Die Seite hatte bereits mit Regierungsstellen Rücksprache gehalten, als der Report dort einging — und auf Bitten der NSA auch einige Stellen gekürzt. Die festgenommene Regierungsmitarbeiterin soll von ihrem Arbeitscomputer aus mit The Intercept in Kontakt gestanden haben. Nun wird sie sich wegen Geheimnisverrats vor Gericht verantworten müssen.

Besteht auch Gefahr für die deutschen Wahlen im Herbst? Experten, unter anderem vom Chaos Computer Club, bestätigten in Gesprächen mit WIRED immer wieder: Die Möglichkeiten für einen direkten Hack der deutschen Wahlen sind begrenzt. Software kommt hierzulande nur sehr sporadisch zum Einsatz. Deutschland wählt noch immer auf Papier. Es gibt zwar ein Programm für die Stimmauszählung, der CCC bescheinigt aber dessen Sicherheit. Wahlcomputer, wie sie in den USA im Einsatz sind, hat das Bundesverfassungsgericht sowieso verboten.

Hört dazu auch das Gespräch von Vizechefredakteurin Domenika Ahlrichs mit detektor.fm: 

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