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Norwegen plant eine nachhaltige Stadt der Zukunft

Michael Förtsch 19.03.2018 Lesezeit 2 Min

Klein soll sie sein – aber wegweisend: Nahe dem Flughafen von Oslo wird vom nächsten Jahr an eine Smart City entstehen, die urbanes Leben konsequent neu denkt. Grünstrom, autonome E-Autos und kurze Wege zwischen Arbeit und Wohnen sollen die Oslo Airport City zu einem Vorzeigeprojekt für intelligente Stadtplanung machen.

Rund vier Millionen Quadratmeter misst das Areal neben dem Osloer Flughafen, auf dem vom nächsten Jahr an die Oslo Airport City entstehen wird: eine neuartige Stadt, die mit vielen Konventionen brechen und zur ersten „Energie-positiven Stadt“ überhaupt werden soll – sie würde mehr Energie erzeugen, als sie verbraucht. Denn die Oslo Airport City ist als radikales, smartes Öko-Experiment gedacht.

Der Plan der Architekten sieht eine futuristische und von verwinkelten Glas- und Stahlgebäuden gezeichnete Kleinstadt mit einem dichten Stadtkern vor. Die meisten Dinge sollen die Einwohner zu Fuß oder mit dem Rad erledigen können. Autos mit Verbrennungsmotor werden aus dem Zentrum verbannt, öffentliche Verkehrsmittel dagegen sollen nie mehr als fünf Gehminuten entfernt sein – und für längere Wege sieht das Konzept eine Flotte autonomer Elektromobile vor.

Freizeitpark Innenstadt: So stellen sich die Planer das Leben in der Oslo Airport City vor

Hinter dem Projekt stehen die Architekturbüros Haptic und Nordic Office of Architecture, die beide auf nachhaltige Stadtentwicklung spezialisiert sind und bereits mit dem Flughafen Oslo zusammenarbeiten. Der will 2025 der erste Flughafen sein, der eine eigene Flotte von selbstlenkenden E-Autos betreibt.

Ihr Ziel, mehr Strom zu produzieren, als die Stadt verbraucht, wollen die Planer unter anderem mithilfe von Geothermik und Solarenergie erreichen. Dazu gehören auch Photovoltaikanlagen, die gläserne Gebäudehüllen überziehen. Natürliche Luftzirkulation und begrünte Dächer sollen ebenfalls helfen, den Energiebedarf zu reduzieren.

Die Beleuchtung von Straßen und Plätzen würde dynamisch von Computersystemen reguliert, um auf Wetterlagen zu reagieren und möglichst wenig Energie zu verbrauchen. Strom, den die Stadt selbst nicht nutzt, soll vollautomatisch an umliegende Gemeinden verkauft werden.

Gedacht ist die neue Smart City vor allem für Beschäftigte des angrenzenden Flughafens, die einen weiten Weg zur Arbeit scheuen und bereit sind, dafür den Fluglärm hinzunehmen. Immerhin: Auch da zeichnet sich Besserung ab – bis 2040 sollen für Kurzstreckenflüge in Norwegen nur noch Flugzeuge mit deutlich leiseren Elektromotoren eingesetzt werden. Ähnlich langfristig ist die Planung für die Oslo Airport City selbst: Der Bau der Vorzeigestadt soll sich über 30 Jahre hinziehen.