/Life

Neues Update: Pokémon Go könnte doch noch ein richtiges Spiel werden

Dominik Schönleben 17.02.2017

Seit dem Jahreswechsel war es ruhig um Pokémon Go, jetzt kommt ein riesiges Update für das Smartphone-Spiel. Mehr als 80 neue Monster können gefangen werden – und könnten den Augmented-Reality-Titel vom Gimmick zum komplexen Game machen, wie ein erster WIRED-Test zeigt.

Pokémon Go wurde für viele Spieler schnell langweilig. Waren die häufig vorkommenden Monster erst einmal eingesammelt, gab es selten etwas Neues zu entdecken. Die Straßen waren voll von Rattfratz und Taubsi, die ungefähr so aufregend sind, wie ihre Echtwelt-Vorbilder. Entwickler Niantic versuchte dem zwar immer wieder entgegenzuwirken, indem es etwa Wochen gab, in denen bestimmte seltene Monster plötzlich ihren Platz einnahmen. Im Großen und Ganzen war aber die Aufregung der ersten Wochen schnell verloren.

Mit dem neuen Update für Pokémon Go ändert sich das. Die Straßen sind wieder voll von grauen Monster-Silhouetten. Mehr als 80 neue Monster gibt es jetzt zu fangen. Sie alle stammen aus der zweiten Pokémon-Generation Gold und Silber. Wie viele es genau sind, ist bisher noch nicht klar. Die seltensten wird Niantic sich ähnlich wie Mewtwo oder die legendären Vogel-Pokémon aus dem ersten Teil für besondere Anlässe aufheben.

Mit dem neuen Update kommen nicht nur neue Pokémon, auch viele der Spielmechaniken wurden überarbeitet und verbessert. Das wichtigste: Pokémon hüpfen nicht mehr nur auf und ab, um den auf sie geworfenen Pokébällen auszuweichen, sie haben ein paar neue Tricks gelernt. Das längst zur Routine gewordene Fangen der Monster wird so wieder interessanter. Dazu kommt, dass es nicht mehr nur Himibeeren gibt, die man den possierlichen Tierchen füttern kann. Dazugekommen sind Pinabbeeren, die nach dem Fang die Bonbons verdoppeln, und Nanabbeeren, die dafür sorgen, dass ein Pokémon sich nicht mehr so schnell bewegen kann.

Neben den neuen Monstern können jetzt auch einige alte Pokémon weiterentwickelt werden. In vielen Fällen sind dafür Evolutionssteine nötig, die an Pokéstops gefunden werden. Diese scheinen recht selten zu sein, während einer kurzen Spielsession am Morgen haben wir noch keine finden können. Für viele Fans vielleicht am wichtigsten: Evoli kann jetzt auch zu Nachtara und Psiana entwickelt werden. Ähnlich wie in der ersten Generation kann das beim ersten Mal darüber kontrolliert werden, welcher Name dem Evoli gegeben wird. „Sakura“ für Psiana und „Tamao“ für Nachtara.

Es wirkt so, als hätten einige der neuen Mechaniken zum ursprünglichen Release des Spiels gefehlt, weil sie einfach nicht fertig geworden sind. Viele kleine Details, die einfach nerven oder nicht wirklich intuitiv sind, wurden mit dem Update hingegen behoben. Beispielsweise gibt es jetzt mehr Bonbons, wenn ein bereits entwickelte Pokémon gefangen wird. Das macht Sinn, denn diese sind besonders schwer zu fangen. Außerdem können Trainer mit neuer Kleidung ausgestattet werden. Für vieles muss dabei aber mit der Ingame-Währung Pokécoins bezahlt werden – eigentlich ein Teil des Standard-Repertoires von Free-to-Play-Games.

Mit dem neuen Update geht Pokémon Go langsam aber stetig den Weg zu einem vollwertigen Spiel – um nicht mehr nur ein Augmented-Reality-Gimmick zu sein, wie viele zum Release kritisiert hatten

Was sich nicht verändert hat, ist der Kampf in den Arenen. Zwar wurden die Angriffe einiger Pokémon modifiziert, aber im Großen und Ganzen bleibt alles beim Alten. Die spürbarste Änderung ist, dass die Geschwindigkeit der Attacken gesunken ist. Niantic-CEO John Hanke sagte erst vor kurzem in einem Interview mit Waypoint, dass die Arena-Kämpfe nur „rudimentär“ seien und nicht seiner Vision des Spiels entsprechen würden. Sie seien etwas, das längst verbessert worden wäre, wenn Niantic in den ersten Monaten nicht so viele Probleme mit den Servern gehabt hätte.

Das große Update auf die zweite Pokémon-Generation deutet zumindest an, dass die Kämpfe auf lange Sicht taktischer und weniger stupide werden könnten. Angriffe langsamer zu machen, ist der erste Schritt dorthin. Nach der Überarbeitung des Kampfsystems, könnten dann auch die von Niantic versprochenen Duelle gegen andere Spieler folgen.

Mit dem neuen Update kommt ein wenig von der Aufregung der ersten Wochen zurück. Es gibt einfach viele neue Monster zu entdecken. Auch wenn der magische Pokémon-Sommer von 2016 nie wiederkommen wird, hat Niantic mit dem Update gezeigt, dass noch viel Potenzial in seinem Spiel steckt. Vielleicht wird es sich ja doch noch zu dem von John Hanke erträumten Augmented-Reality-MMO entwickeln, dass leicht zugänglich ist, aber trotzdem tiefe Spielmechaniken hat. Bleibt nur zu hoffen, dass die Fans bis dahin nicht die Lust verlieren.

Eine Liste mit allen Neuerungen im Spiel findet ihr hier.

Jetzt WIRED Member werden und mit uns in die Zukunft starten!

Mit im Paket: 4 Magazin-Ausgaben im Jahr und der Member-Zugang zu exklusiven Inhalten auf WIRED.de sowie weitere Vorteile nur für Member.

Member werden