/Life

Der Chappie-Regisseur lädt euch ein, mit ihm Filme zu machen

Michael Förtsch 08.06.2017

Neill Blomkamp hat mit District 9, Elysium und Chappie ebenso effektvolle wie intelligente Kinospektakel gedreht. Mit seinem eigenen Studio will er jetzt experimentelle Kurzfilme produzieren, ein cineastisches Ökosystem aufbauen, Talente fördern – und Spezialeffekte verkaufen. WIRED Germany hat mit Blomkamp über das Projekt gesprochen.

Im Mai ließ Alien-Regisseur Ridley Scott die Träume vieler Fans platzen. Und wohl auch die von Neill Blomkamp. Der hatte 2016 mit einer Reihe von Konzeptzeichnungen zu einem fünften Alien-Film für Furore gesorgt. Auch Ellen-Ripley-Darstellerin Sigourney Weaver war begeistert. Scott bemängelte jedoch, aus Blomkamps Vision könne nie ein Film werden. Es habe „nie ein Drehbuch“ gegeben, kritisierte die Regie-Legende, das Studio Fox habe sich daher lieber für seine Alien-Fortsetzungen entschieden. Im Gespräch mit WIRED sagt Blomkamp hingegen frei heraus, dass sein Alien 5 wohl „großartig geworden wäre“. Aber jetzt wolle er „nicht mehr darüber reden“.

Blomkamp hat gerade ohnehin etwas anderes, das ihn deutlich mehr begeistert: OATS, sein eigenes Filmstudio. In den vergangenen Monaten ließ der in Kanada lebende Südafrikaner auf Twitter und Instagram immer wieder Hinweise darauf fallen. Er zeigte Bilder von Requisiten und Masken, von Miniaturen und Waffen. „Seit zwei Jahren arbeite ich daran“, sagt Blomkamp. „Gegenwärtig besteht OATS aus 35 Leuten.“ Er habe Special-Effects-Designer, Konzeptzeichner, Filmausstatter und mit Steven St. Arnaud einen Produzenten, der ihm seit Jahren zur Seite steht.

Blomkamps Ziel: Dutzende von Kurzfilmen produzieren. „In Hollywood ist es so, dass Regisseure immer an einem großen Film arbeiten“, sagt Blomkamp. „Ist der fertig, arbeitest du ewig daran, den nächsten in die Spur zu bringen. Dadurch geht die Möglichkeit verloren, zu experimentieren. OATS soll ein Sandkasten sein. Ein Ort, um Dinge auszuprobieren.“

OATS soll ein Sandkasten sein. Ein Ort, um Dinge auszuprobieren

Neill Blomkamp

Tatsächlich begann Blomkamps Karriere einst mit aufwändigen Kurzfilmen. Darunter der Chappie-Vorläufer Tetra Vaal und das im Videospiel-Universum von Halo angesetzte Landfall, das er für Microsoft drehte. Diese Produktionen machten Herr-der-Ringe-Regisseur Peter Jackson auf den Südafrikaner aufmerksam. Es folgten Pläne für eine Kinoadaption von Halo, die jedoch an Differenzen über Budget und Stil scheiterte. Stattdessen realisierten Blomkamp und Jackson District 9 – basierend auf dem Kurzfilm Alive in Joburg.

Genau dahin will Blomkamp zurück. „Es ist nicht so, dass ich mich zu den Kurzfilmen zurückziehe“, sagt er. „Ich will jedoch sehen, was ich mit meinen limitierten Ressourcen erreichen kann und was ich unabhängig [von den großen Studios] hinkriege.“

Die ersten OATS-Kurzfilme will Blomkamp ab dem 21. Juni auf YouTube veröffentlichen. „Ich glaube, sie sollten kostenlos sein“, sagt er. „Sie sind zu schräg, um zu erwarten, dass Leute dafür bezahlen. Aber wenn sie sie mögen, würde ich für den nächsten Schwung Geld nehmen, damit wir weiterarbeiten können.“ Zum sogenannten Volume 1 gehören drei 20-Minuten-Filme und „einiges an schrägem Scheiß“, wie Blomkamp es ausdrückt. Darunter RAKKA, ein Kurzfilm, in dem dem Echsen-Aliens die Erde unterjochen.

Dazu kommen bizarre Visionen über alternative Verläufe des Vietnamkriegs und eine Clip-Reihe namens Bad President, die von der Diktatur eines irren US-Präsidenten erzählt. Davon hatte der Regisseur zur US-Wahl bereits kleine Ausschnitte veröffentlicht. „Ich fürchte Trumps Präsidentschaft wird dem Ganzen nicht gut tun“, scherzt Blomkamp. „Alles wird jetzt mit Trump verglichen.“ Damit wirke Bad President nicht mehr so absurd wie er und sein Team es sich ursprünglich gedacht hatten.

 

#oatsstudios #trump

Ein Beitrag geteilt von Nb (@neillblomkamp) am

Vor allem soll OATS aber auch ein digitales Ökosystem werden. Die Zuschauer sollen kommentieren und beeinflussen, wie und was verwirklicht wird. Auch können sie selbst Ideen, Drehbücher, Konzeptzeichnungen, Musik und anderes einreichen. Wird es genutzt, soll das belohnt werden: Ein Eintrag im Abspann oder gar Gewinnbeteiligung? Noch unsicher.

Gleichzeitig will Blomkamp Produktionsmaterial wie digitale Effekte, 3D-Modelle und gar das Rohmaterial der Filme teils kostenlos, teils „zu einem vernünftigen Preis“ zum Download anbieten. „Keine Ahnung, wie wir das hinkriegen, es sind Terabyte von Daten“, gesteht er. „Aber das machen wir auf jeden Fall.“ Als potenzielle Plattform für all das sieht Blomkamp derzeit den Videospiel-Service Steam. „Ich weiß noch nicht, ob es wirklich das richtige ist“, sagt der Regisseur. „Aber es ist sehr nahe dran, an dem, was ich mir vorstelle“.

Allerdings soll es nicht bei Kurzfilmen bleiben. Die Idee von OATS sei es, kleine Storys, die bei den Fans Anklang finden, aber noch nicht mehr hergeben, in echte Kinofilme zu überführen. Allerdings allein und ohne Hollywood im Rücken. „Wenn ich einen Zwei-Stunden-Film machen kann, werde ich es tun“, sagt Blomkamp. Finanziert werden soll das alles durch die Zuschauer. Möglichst nicht als Crowdfunding, sondern durch den Verkauf der Kurzfilme, der digitalen Effekte und von Tickets an der Kinokasse. Aber auch als Ideen- und Talent-Inkubator soll OATS funktionieren. Das Studio soll jungen Regisseuren Werkzeuge an die Hand geben, um große Ideen umzusetzen. „Zumindest auf lange Sicht“, schränkt Blomkamp ein. „Erst mal müssen wir es schaffen, uns selbst über Wasser zu halten.“

„Zumindest irgendwie“ sei das Studio auch das Resultat seines Frusts über das starre Hollywoodsystem, sagt der Regisseur. Er wolle niemandem in Los Angeles den Stinkefinger zeigen, aber einfach weiter Filme machen, die ihn faszinieren. Darunter ein neues District 9 und eine Adaption von Thomas Sweterlitschs Zeitreise-Roman The Gone World. Wenn alles so laufe, wie er es sich vorstellt, so Blomkamp, werde das alles „richtig, richtig cool.“

Jetzt WIRED Member werden und mit uns in die Zukunft starten!

Mit im Paket: 4 Magazin-Ausgaben im Jahr und der Member-Zugang zu exklusiven Inhalten auf WIRED.de sowie weitere Vorteile nur für Member.

Member werden