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Mit FlipFeed lasst ihr eure Twitter-Blase platzen

Michael Förtsch 16.02.2017

Bei Twitter folgen wir Menschen und bekommen Nachrichten aus Quellen, deren Meinung wir teilen – und sperren uns so in eine Echokammer. Ein neues Chrome-Plugin soll uns da rausholen. Mit ihm tauscht man seinen Account mit einem Anderen. 

Der Begriff der Filter Bubble wurde über die letzten Jahre ziemlich strapaziert. Er beschreibt, dass Nutzer von Social Networks wie Facebook und Twitter nur noch Meinungen und Informationen zu Gesicht bekommen, denen sie ohnehin zustimmen – egal ob es um Politik, Gesellschaft oder Kultur geht. Schließlich wähle jeder Freunde und Informationsquellen danach aus, dass sie die eigenen Neigungen und Interessen widerspiegeln, heißt es. Unangenehme oder gar gegensätzliche Ansichten würden damit ausgesperrt. Die für den Google-Browser Chrome entwickelte Erweiterung FlipFeed soll diese Informationsblase nun platzen lassen – zumindest auf Twitter.

Nach dem Herunterladen kann mit einem Klick auf „flip my feed“ den eigenen Twitter-Stream gegen den eines anderen Nutzers tauschen. Und der verrät tatsächlich viel über die jeweilige Person, ihre Prioritäten und Sicht auf die Welt. In einem kurzen Test bekomme ich unter anderem den Feed einer offenbar sehr auf Stil bedachten Französin angezeigt, die mehreren konservativen Tageszeitungen wie La Tribune oder Le Figaro und daneben vor allem unzähligen Fashion-Bloggern und Modemagazinen folgt.

Faszinierend und teils ziemlich irritierend ist dieser Feed-Tausch

Ebenso ist unter meinen Tauschpartnern aber auch eine Amerikanerin, die Donald Trump schon in ihrer Twitter-Bio zum Wahlsieg gratuliert und behauptet, dass alle US-Bürger „eingeknastet werden aber die Illegalen frei rumlaufen und Banken ausrauben“. Daneben teilt sie Bilder, die die „heulenden Liberalen“ verspotten, retweetet gleichzeitig aber auch Websites wie ArsTechnica und TechCrunch. Faszinierend und teils ziemlich irritierend ist dieser Feed-Tausch.

Hinter FlipFeed stehen das Laboratory for Social Machines und das Media Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT). Wie auf der Website des Projekts erklärt wird, sind die Tauschpartner nicht gänzlich zufällig, sondern durchaus bedacht gewählt. So wähle FlipFeed, basierend auf den eigenen abonnierten Feeds, einen Nutzer mit möglichst „gegensätzlicher politischer Ideologie“ aus. „Rechtsgeneigte Nutzer, die FlipFeed nutzen, werden eher durch den Feed eines linken Nutzers navigieren“, erklären die Macher. Das funktioniert noch nicht in jedem Fall aber schon gut genug, um einige aufschlussreiche Erfahrungen zu machen.

Die MIT-Entwickler sind nicht die ersten mit einer derartigen Idee. Mit Blue Feed, Red Feed hat etwa auch schon das Wall Street Journal ein Webtool entwickelt, das liberale und konservative Weltsichten auf Facebook gegenüberstellt – abgeleitet von den Parteifarben der Demokraten (blau) und Republikaner (rot) in den USA.

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