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Digitale Bildung: Die IT-Ausstattung der Schulen ist nicht das Problem

Juliane Görsch 15.11.2016 Lesezeit 3 Min

Eine neue Studie zeigt, dass es deutschen Schulen gar nicht so sehr an IT-Ausstattung fehlt – diese wird nur viel zu selten genutzt. Vor allem Lehrer haben demnach bei der Vermittlung von Medienkompetenzen mit zahlreichen Hürden zu kämpfen.

Fast jeder Schüler besitzt heutzutage ein Smartphone und bewegt sich ganz selbstverständlich in der digitalen Welt. Im Schulalltag scheint diese Welt allerdings immer noch nicht angekommen zu sein. Der Gegensatz zwischen der privaten Lebenswelt der Schüler und dem Einsatz von digitalen Medien im Unterricht ist frappierend. Der D21-Digital-Index, der den digitalen Wandeln in Deutschland seit Jahren beobachtet, kommt in einer neuen Studie zu dem Schluss, dass es nicht unbedingt an der IT-Ausstattung liegt, warum die Schulen bei der digitalen Bildung hinterherhinken.

Dass junge Menschen durch das Aufwachsen in einer digitalen Welt ganz automatisch zu kompetenten Nutzerinnen und Nutzern von Technologie werden, ist demnach ein Irrglaube. Im internationalen Vergleich befinde sich Deutschland nur im Mittelfeld, was die Medienkompetenz der Schüler anbelangt, schreibt D21.

81 Prozent der Lehrer geben an, dass ihnen prinzipiell PCs in Computerräumen zur Verfügung stehen. 91 Prozent können auf Beamer zurückgreifen, 61 Prozent auf interaktive Whiteboards und immerhin noch 51 Prozent auf Laptops. Das heißt allerdings nicht, dass die Technik auch genutzt wird. Wie die Befragung zeigt, wissen viele Schüler schlicht nicht, welche Ausstattung in ihrer Schule wirklich vorhanden ist.

Nur 71 Prozent der Befragten wissen, dass es Desktop-PC für den Unterricht gibt

Nur 71 Prozent der befragten Jugendlichen ab 14 Jahren wissen, dass es Desktop-PC für den Unterricht gibt. Von Whiteboards wissen nur 31 Prozent und Beamer werden nur bei 61 Prozent der Schüler eingebunden. Dabei sind über zwei Drittel der befragten Lehrer, Schüler und Eltern der Meinung, dass digitale Medien grundlegender Bestandteil des Unterrichts in allen Schulfächern sein sollten.

Die Gründe, warum die vorhandene Technik nicht benutzt wird, sind vielfältig. Zum einen seien Hardware und Software oft veraltet, heißt es in der Studie. 73 Prozent der Lehrer bemängelten die Anzahl und Aktualität der Schulcomputer. Eine befragte Lehrkraft sagte dazu: „Die Rechner sind zu alt und zu langsam. Daher kann ich mich zum Beispiel auf die Interaktiven Whiteboards nicht verlassen und mache dann halt doch eine Folie“. Tatsächlich gehört der Overhead­-Projektor immer noch zu einem der am häufigsten genutzten technischen Geräte im Unterricht – und der ist alles andere als digital.

64 Prozent der Befragten sehen ungeklärte Rechtsfragen zu Datenschutz und Urheberrecht als Grund dafür, dass digitale Medien nur selten im Unterricht genutzt werden. 62 Prozent der Lehrkräfte gestehen selbstkritisch, dass sie zu wenig IT-Kenntnisse haben und entsprechende Weiterbildungsangebote fehlen. 56 Prozent sehen es auch als Problem, dass die Internetgeschwindigkeit an Schulen oft nicht ausreicht, vor allem, wenn viele Schüler gleichzeitig online sind.

Aktuell ist nur in wenigen Bundesländern die medienpädagogische Grundbildung als verpflichtender Bestandteil in der Schulbildung vorgesehen. Nur 42 Prozent der Lehrer gaben an, ein einheitliches Medienkonzept an ihrer Schule zu haben. Zudem unterscheiden sich die Ausstattungen und Konzepte innerhalb Deutschlands sehr.

Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) will deswegen bis zum Jahr 2021 alle Schulen mit Computern, Breitbandanbindung und WLAN ausstatten. Für den sogenannten DigitalPakt #D will der Bund fünf Milliarden Euro in den Ausbau investieren. Die Ausstattung allein mache aber noch keine erfolgreiche Digitalbildung, so die Studienautoren. Die Bundesländer sollten sich verpflichten, Lehrkräfte aus- und fortzubilden, pädagogische Konzepte zu entwickeln und sich um die Wartung der Infrastruktur zu kümmern.

Diese Woche findet zudem der nationale IT-Gipfel zum Thema Lernen und Handeln in der digitalen Welt in Saarbrücken statt, auf dem Digitale Bildung im Fokus steht.

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