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Warum in Niedersachsen ein Stein mit WLAN im Wald liegt

Dominik Schönleben 17.02.2016

Praktisch: Das Kunstwerk „Keepalive“ ist ein im Wald versteckter Felsbrocken, der Zugriff auf ein WLAN-Netzwerk gibt. Aber nur, wenn man es schafft, Feuer zu machen.

Es ist ein beliebtes Meme, dass die Maslowsche Bedürfnispyramide dringend angepasst werden müsse. Auf der ersten Stufe der Grundbedürfnisse stünden dann nicht mehr Essen, warme Kleidung und ein trockener Schlafplatz — sondern der Zugriff auf kabelloses Internet. Dass diese überspitzte Darstellung einen wahrer Kern hat, zeigt der niedersächsische Künstler Aram Bartholl mit seiner Installation „Keepalive“: ein auf einer Waldlichtung platzierter Findling, der Zugriff auf ein WLAN-Netzwerk gibt. Aber erst, sobald jemand in seiner Nähe ein Feuer entzündet.

Durch die Hitze des Feuer wird im Inneren des Steins ein thermoelektrischer Generator aktiviert, der dann einen WLAN-Router mit Strom versorgt. So lange man weiter Scheite ins Feuer wirft, bekommt man über das Netzwerk Zugriff auf eine digitale Bibliothek mit Survival-Ratgebern. Das Überleben allein im Wald wäre also gesichert — zumindest so lange der Smartphone-Akku hält. Und man die erste Hürde überwindet: Feuer machen.

Ein thermoelektrischer Generator liefert den Strom für das „Keepalive“-WLAN.

Aram Bartholl beschäftigt sich in seiner Arbeit damit, wie Wissens- und Informationsvermittlung funktionieren können, die im Kontrast zum digitalen Zeitalter stehen. Der Stein wird für ihn zum Datenträger, über den auf sehr archaische Weise Informationen ausgetauscht werden können.

Bartholls WLAN-Stein liegte am Rande der Ortschaft Hartböhn in der Lüneburger Heide und ist in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Springhornhof entstanden. Auf dem Brocken wurden hunderte digitale Bücher gespeichert. Einen Anschluss ans Internet hat der Stein jedoch nicht. Es ist also bis aus Weiteres nicht möglich, das Überleben im Wald live zu twittern oder zu snapchatten, zumindest nicht per WLAN.

Mehr als 100 Bücher zum Thema Überleben schickt das Steinzeit-WLAN aufs Smartphone.

Ein ähnliches Kunstprojekt zeigte der Franzose Stéphan Degoutin mit „World Brain“ schon auf der transmediale 2015. Sein Film stellte die Frage, ob man nur mit Wissen aus der Wikipedia nackt im Wald überleben kann. 

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