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Johnny Haeusler über das Spiel mit den CryptoKitties

Johnny Haeusler 05.12.2017 Lesezeit 4 Min

Unser Kolumnist hat schon viele Geldspiele im Internet erlebt – die Blockchain hebt das Ganze aber auf ein völlig neues Niveau. Johnny Hauesler war deshalb unterwegs, auf dem Markt mit den CryptoKitties

Es gibt ja so einiges in der Geschichte des digitalen Handels, was mal zumindest „überraschend“ oder „ungewöhnlich“ ist. Ich meine, abgesehen von Spam und anderer krimineller Energie, mit der Gauner schnelles und einfaches Geld verdienen wollen.

Wir erinnern uns an Klingeltöne in der Prä-Smartphone-Zeit, als Ausschnitte aus Songs teurer waren als das gesamte Lied. Scharen von Kindern wurden damit durch undurchsichtige Abo-Modelle über den Tisch gezogen. Und auch In-App-Käufe haben schon vielen Eltern unschöne Rechnungen beschert – wenn der Nachwuchs mal wieder die Hauskasse für digitale „Edelsteine“ oder andere Spiel-Währungen geplündert hat. An den 699 Euro für einen „World of Warcraft“-Avatar mit Itemlevel 940 brauchte Papa dann gar nicht mehr zu denken. Und Mama schon gar nicht an den „League of Legends“-Account für 4.000 Euro.

Johnny Haeusler ist Blogger, Mediendesigner und Mitgründer der re:publica. Für WIRED geht er der Frage nach, ob es  an der Zeit ist, die Rechner abzuschalten, oder ob wir stattdessen mehr Software in unserem Leben brauchen.

Virtuelle Waren, Zusätze, Spiel-Einheiten oder Abos sind mittlerweile Normalität, mindestens für Gamer, letztendlich aber für alle, die sich mit Software umgeben. Cryptowährungen und Blockchain-Ideen aber werden die ganze Geschichte nochmal auf ein anderes Level bringen.

Über Björks Audiocoins hatte ich an dieser Stelle bereits geschrieben, jetzt aber ist das erste Blockchain-Spiel entstanden. Es basiert auf – wie könnte es anders sein – niedlichen Kätzchen, die sich CryptoKitties nennen und es hat in den ersten Tagen seines Bestehens umgerechnet über eine Million Euro umgesetzt.

CryptoKitties sind ein cleverer Mix aus Cryptowährung und Tamagotchi mit einer ordentlichen Prise Börsenhandel. Und mit Katzen, natürlich.

Jede der allein als Zeichnung existierenden Katzen ist so einzigartig, wie man es als digitale Katze eben sein kann. Versichert werden die aktuellen Eigentumsverhältnisse durch die Blockchain, und als Währung zum Handel mit den Kätzchen dient Ether, denn die Ethereum-Blockchain lässt im Gegensatz zu Bitcoin das Erstellen von Anwendungen zu.

Und eine dieser Apps sind nun also die CryptoKitties. Auf dem Marktplatz kann man die Kätzchen von ihren Besitzern oder Besitzerinnen kaufen, selbige legen den Preis fest. Die günstigste Katze war zum Zeitpunkt des Schreibens für rund 20 Euro erhältlich, die teuersten wurden für völlig absurde Summen angeboten. Laut dieses Rankings hat die bisher teuerste Katze umgerechnet rund 118.000 Dollar gebracht.

Warum aber kaufen Menschen virtuelle Kätzchen für wenig oder sehr viel Geld? Nun: Zwei Katzen können eine weitere „erzeugen“. Und die Katzen werden vielleicht einmal rar. Irgendwann. Denn derzeit werden neben dem „gezeugten“ Nachwuchs zwar alle 15 Minuten auch völlig neue Kätzchen vom Netzwerk „geboren“, doch Ende 2018 ist damit Schluss.

Das Spiel bekommt so eine Eigendynamik, die von vielen Faktoren abhängt und dafür sorgen könnte, dass das Ganze entweder ein witziges Game im Mikropaymentbereich wird oder aber eine Goldgrube für manche Mitspieler. Und natürlich spekulieren viele auf Letzteres. Zusätzlich wird es in der Zukunft „Celebrity Kittens“ geben, also spezielle von Stars und Sternchen geprägte Kätzchen, die sehr eigene Werte haben könnten. Und – wer hätte das gedacht – auch „Werbekätzchen“ sind denkbar …

Im Moment dürfte CryptoKitties ein Game für wirkliche Nerds und andere Auskennerinnen sein, der gesamte Prozess ist durch Ethereum und die notwendige MetaMask-Wallet nicht gerade selbsterklärend. Und vielleicht bleibt das Ganze ein kurzer Hype, der wie viele vor ihm wieder verebbt.

Doch CryptoKitties werden nur Vorboten sein, Blockchain-Gaming wird auf die ein oder andere Art ein neues Genre werden, dessen können wir uns sicher sein. Und in dem Moment, in dem Games wie CryptoKitties verständlicher und mit simplen Apps bedienbar sind, dürfte auch die nächste Welle von nötigen Sicherheitsmaßnahmen in Elternhäusern anstehen.

Und auch die nächste Welle von politischen Maßnahmen. Denn über Kurz oder Lang werden bestimme Online-Games, bei denen Geld eine Rolle spielt, als Glücksspiel gelten, ähnlichen Regulierungen unterliegen und hierzulande – wenn überhaupt – nur eingeschränkt gespielt werden können, sicher zum Leidwesen der Fans. Und dann bliebe nur noch eine „Safe the CryptoKitties!“-Petition …