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Gibt es genug iPads, um das Erbgut aller Menschen zu speichern?

Colin Stuart 25.05.2015

Aus wie viel DNA-Informationen besteht eigentlich die Menschheit — und ließe sich die Menge an Daten mit Alltagsrechnern speichern? Sagen wir mal so, der Trick besteht im Reduzieren darauf, worin wir Menschen uns letztlich unterscheiden. Wir haben das mal auf iPads umgerechnet.

Dieser Artikel erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe des WIRED Magazins im Mai 2015. Wenn ihr die Ersten sein wollt, die einen WIRED-Artikel lesen, bevor er online geht: Hier könnt ihr das WIRED Magazin testen.

Seit im Jahr 2003 das menschliche Genom endgültig entschlüsselt wurde, wissen wir, woraus unser Erbgut besteht: aus etwa drei Milliarden Paaren der Basen Adenin, Thymin, Guanin und Cytosin, abgekürzt A, T, G, C. Die Sequenz, in der die Basenpaare auf der spiralförmigen Doppelhelix der DNA in jeder unserer Zellen aufgereiht sind, unterscheidet uns voneinander und macht uns einzigartig unter den etwa sieben Milliarden Menschen, die derzeit auf der Erde leben. Aus wie viel DNA-Informationen besteht also die Menschheit eigentlich gerade — und wie viel Platz würde es fressen, wenn man die Daten sicherte?

Geschätzt kommen etwa 200 Gigabyte (GB) pro Mensch zusammen, wenn man speichern würde, wo sich auf dessen DNA die A-, T-, C- und G-Basen befinden und was sie aussagen. Die Datenmenge passt locker auf eine externe Festplatte – die aber lassen sich ja schlecht vernetzen, und schön sind die meisten auch nicht. Würde man stattdessen etwa iPads mit 16 GB Speicherplatz benutzen (und würde Apple erlauben, die kompletten 16 GB zu belegen), würde sich eine menschliche DNA auf 12,5 iPads verteilen. Und sieben Milliarden Menschen ergäben 1,4 Billionen GB an Informationen, man bräuchte also 87,5 Milliarden iPads für uns alle.

iPads sind nicht besonders effizient, um große Datenmengen zu verwalten

Ein iPad 2 Air ist mit 6,1 Millimetern Dicke eigentlich sehr dünn. Dennoch: Würde man alle 87,5 Milliarden Geräte aufeinanderlegen, käme ein Stapel heraus, der sich 533.750 Kilometer in den Himmel reckte — einmal bis zum Mond und beinahe die halbe Wegstrecke wieder zurück. Wie schön: Es gäbe eine Treppe zum Mond, und Apple wäre endgültig das reichste Unternehmen des Universums.

Nun sind iPads zugegebenermaßen doch nicht besonders effizient, um große Datenmengen zu verwalten. Also zurück zu den externen Festplatten: Die größten handelsüblichen fassen derzeit zehn Terabyte, das gesammelte Menschheitserbgut würde demnach 143 Millionen von diesen füllen. Würde man all die Festplatten hintereinanderlegen, ergäbe sich bei einer Länge von 15 Zentimetern pro Stück eine Gerätekette, die mit 21 450 Kilometern sogar etwas länger wäre als die Chinesische Mauer zu ihren Glanzzeiten: Die maß 21 196 Kilometer.

Egal, worauf man die Menschheit abspeichern würde, es fiele eine riesige Menge an doppelten Daten an

Doch egal, worauf man die Menschheit abspeichern würde, es fiele eine riesige Menge an doppelten Daten an. Denn unsere Gensequenzen sind tatsächlich weitgehend identisch. Was uns wirklich voneinander abhebt — die Mutationen im Code, macht lediglich 0,1 Prozent der gesamten DNA-Information aus. Würde man also nur sichern, worin wir Menschen uns unterscheiden, käme man mit viel weniger Speicherplatz aus, etwa 125 MB pro Person. Auf 16-GB-Ipads verteilt, hieße das, man bräuchte nur 53,4 Millionen Geräte.

Da weltweit schon mehrere hundert Millionen Ipads verkauft wurden, reichten die locker aus, um das Erbgut von sieben Milliarden Menschen, aufs Wesentliche reduziert, digital zu sichern. Wir müssten nicht mal alle Songs und Filme aus unseren Itunes-Datenbanken löschen. Sorry, Apple. 

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