Facebook will zukünftig härter gegen Hasskommentare vorgehen

WIRED Staff 25.11.2015 Lesezeit 2 Min

Für deutsche Facebook-Nutzer sollen die Regeln in Bezug auf fremdenfeindliche Gewaltaufrufe in Zukunft verschärft werden. Das soziale Netzwerk will Hasskommentare schneller und in größerer Anzahl löschen. Zum Beispiel dürften die von den Nutzern berechtigterweise gemeldeten Beiträge dann zügiger aus dem Netzwerk verschwinden.

Vor allem im Zuge der Flüchtlingsdebatte landeten immer wieder Kommentare auf Facebook, die unter anderem Gewaltandrohungen und Diffamierungen enthielten. Die Löschung eines solchen Beitrags, sofern sie denn stattfand, dauerte mitunter recht lange. Nun reagiert das Unternehmen auf die monatelange Kritik und verschärft sein Vorgehen gegen die Online-Hetzer. Das berichtet unter anderem W&V. Neue Regeln gibt es zwar nicht, doch die bestehenden Richtlinien sollen von nun an besser angewandt werden. Bis dato war es zum Beispiel so, dass bei der Entscheidung, ob ein Beitrag gelöscht werden müsse oder nicht, viele, zum Teil schwer nachvollziehbare Faktoren eine Rolle spielten. Dieser Abwägungsprozess soll nun schneller und direkter vonstattengehen.

Facebook-Sprecherin Tina Kulow sagte dazu: „Es werden deutlich mehr kontroverse Inhalte auf Facebook in Deutschland gesperrt. Die Toleranz gegenüber leichtfertig dahingeschriebenen Kommentaren mit fremdenfeindlichem Unterton wird eingeschränkt.“ Sie wies zudem darauf hin, dass sich die Gemeinschaftsstandards des sozialen Netzwerks nicht ändern würden, die Art und Weise, wie sie in Deutschland umgesetzt würden, aber sehr wohl. Derjenige, der über die Löschung entscheidet, wird sich vorab beispielsweise nicht mehr fragen müssen, wie wahrscheinlich die Umsetzung einer konkreten Gewaltandrohung ist. Und auch bei geschmacklosen Witzen, die beispielsweise Gewalt gegen Ausländer zum Thema haben, soll schneller gehandelt werden.

Rückenwind bekommt das härtere Durchgreifen gegen Hasskommentare auch seitens der Politik. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) begrüßte das Vorgehen: „Es ist gut, dass Facebook dem Druck endlich nachgibt und beginnt, sich zu seiner Verantwortung zu bekennen. Fremdenfeindliche und rassistische Hassbotschaften, die gegen Strafgesetze verstoßen, müssen schneller und umfassender aus dem Netz verschwinden.“

Unser Interview mit dem Anwalt Chan-jo Jun, der vier Facebook-Manager wegen Beihilfe zur Volksverhetzung angezeigt hat, lest ihr hier.