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Games Are For All! Nieder mit der Diskriminierung in der Gamer-Szene!

Max BIederbeck 30.10.2014

Victor Bassey gehört zu denen, die es in der Gamer-Community schwer haben. „Ich bin alleinerziehender Vater, lebe als Schwarzer im weißen Norden Europas und schreibe online gegen Diskriminierung. Fehlt nur noch, dass ich eine Frau bin“, sagt er. Den Zusatz fügt Bassey ganz bewusst hinzu.

Als Angestellter des schwedischen Spieleentwicklers Paradox-Interactive und als Blogger über die Indiegame-Szene des Landes beschäftigt er sich seit langem mit dem Thema Gleichberechtigung. Und weiß deshalb: Was #GamerGate an die Oberfläche gebracht hat, ist schon seit Jahren ein Problem für jeden, der mal den Mund aufmacht – und sich damit fast sicher mit einer verärgerten Masse anonymer Gamer anlegt. Deshalb hat Bassey entschieden zu kämpfen. Für sich selbst. Für Frauen. Für alle, die im Netz Opfer von Hass und Diskriminierung werden.

Victor Bassey kämpft gegen die Unterdrückung von Minderheiten in der Computerspiele-Branche.

Über einen Freund stieß er auf Diversi, eine Organisation, die vor einem Jahr von einem Verbund schwedischer Entwicklerfirmen gegründet wurde, um diesen Kampf gemeinsam zu führen. „Ich war sofort überzeugt und wurde Steering-Member“, erklärt Bassey. Gemeinsam wollten die Macher gegen Diskriminierung vorgehen. Vergangene Woche launchte die Online-Plattform der Kampagne zusammen mit einer Petition. Darin stehen Sätze wie: „Manchmal muss man auf das Offensichtliche hinweisen: Wir werden niemals Drohungen, Hass, Gewalt oder Sexismus im Namen von Computerspielen akzeptieren." oder „Wir stehen für mehr Diversität. Wir stehen gegen Diskriminierung. Games Are For All!“ In nur einer Woche hat der Aufruf über 1500 Unterschriften gesammelt. Darunter finden sich prominente Unternehmen wie Blizzard Entertainment, Epic Games, Mojang oder Ubisoft Massive.

„Die meisten Unterschriften stammen aus der schwedischen Gamer-Szene, aber wir bekommen mittlerweile Anrufe aus der ganzen Welt“, sagt Bassey. #GamerGate habe die Leute für das Anliegen von Diversi sensibilisiert. Das ganze Projekt werde gerade zum Selbstläufer, dabei fielen #GamerGate und der Launch der Kampagne rein zufällig in die gleiche Zeit.

GamerGate hat die Leute für das Anliegen von Diversi sensibilisiert.

Victor Bassey, Diversi

#GamerGate, das ist eine Debatte, die unter diesem Namen seit August die Videospiel-Szene aufwühlt. Auch außerhalb erlangte die Diskussion Aufmerksamkeit, weil Einzelpersonen, vor allem Frauen, massiv bedroht wurden. Entwicklerinnen fürchteten um ihr Leben, öffentliche Events mussten abgesagt werden. Auf einmal zeigte sich die hässliche Seite einer Community, der man oberflächlich eigentlich Kreativität und Offenheit zuschreiben würde.

Auslöser war ein Blogpost. Ein gewisser Eron Gjoni, der sich selbst als der Ex-Freund der bekannten Spieleentwicklerin Zoe Quinn bezeichnete, bezichtigte eben diese darin eines Seitensprungs. Quinn erhielt daraufhin zahlreiche anonyme Drohungen und Anschuldigungen. Man  beschuldigte sie, mit Computerspiele-Journalisten anzubandeln, nur um die Berichterstattung über ihr Spiel „Depression Quest“ zu beeinflussen. In einem Blogpost antwortete sie: „Die Idee, dass ich nur weiter in der Spieleindustrie arbeiten kann, wenn ich die falschen Vorwürfe meines offensichtlich bösartigen Ex-Freunds und einer Armee an anonymen 4chan Usern widerlege, ist entsetzlich.“

Aus einer Diskussion entstanden reale Bedrohungen und Lebensgefahr.

#GamerGate wurde zu einem Fallbeispiel für das Aggressions- und Gewaltpotenzial im Netz. Weibliche Spielerinnen meldeten, dass Unbekannte ihre persönlichen Daten wie zum Beispiel Adressen online gestellt hatten. Es gab Mord- und Vergewaltigungsdrohungen. Auch in Deutschland mussten sich viele von ihnen gegen Angreifer wehren, weil sie sich öffentlich in Interviews gegen Hasskommentare aussprachen. Die feministische Spiele-Kritikerin Anita Sarkeesian sagte eine Veranstaltung über Frauen in Videospielen ab, nachdem ein Unbekannter mit einem Amoklauf gedroht hatte.

Die Bedrohten stehen alleine gegen eine anonyme Masse an Tätern.

Die Opfer stehen alleine und gut sichtbar gegen eine anonyme Masse von Tätern. Dieser Masse etwas entgegen zu setzen, das sei Aufgabe von Diversi: „Wir verstehen uns als Katalysator für alle, die diskriminiert werden, die sich gegen Diskriminierung aussprechen wollen, ohne sich deshalb fürchten zu müssen“, erklärt Bassey.

Die Petition ist nicht als Aufforderung für eine Regierung oder die Spieleentwickler gedacht, sondern soll vor allem zeigen: „Ihr seid nicht alleine.“ Das gilt für #GamerGate aber auch generell für Mitglieder der Spieleszene, die in den Augen Basseys noch viel bunter werden sollte.

Dafür setzt sich auch Diversi ein. Eines seiner Mitglieder entwickelt gerade ein Programm, das Frauen den Einstieg in die Gaming-Industrie erleichtern soll, ein anderes organisiert regelmäßig Gamer-Girl-Tage, an denen Schülerinnen an das Thema Gaming herangeführt werden sollen. „Das alles war schon vor #GamerGate da, und wir führen es unter einem Schirm zusammen“, sagt Bassey. Er selbst plant gerade einen „Equality Index“ für seinen Blog, der in den nächsten Wochen als Privat-Initiative erscheinen soll. Angst vor Drohungen hat er nicht. Schließlich sei er jetzt nicht mehr allein. 

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