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Zu Besuch im Tal der Fake News

Samanth Subramanian 31.03.2017 Lesezeit 14 Min

Das finstere Tal der Falschmeldungen liegt mitten in Mazedonien. Dort verdienen etliche Jungunternehmer ihr Geld im Internet – indem sie Lügen verbreiten. Boris ist einer von ihnen und erzählt vom digitalen Goldrausch des Städtchens Veles.

Dieser Artikel erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe des WIRED Magazins im April 2017. Wenn ihr die Ersten sein wollt, die einen WIRED-Artikel lesen, bevor er online geht: Hier könnt ihr das WIRED Magazin testen.

Der erste Artikel, den Boris über Donald Trump veröffentlichte, handelte davon, dass der damalige Präsidentschaftskandidat während einer Wahlkampfveranstaltung in North Carolina einem Mann ins Gesicht schlug, nachdem dieser ihm widersprochen hatte. Das war selbstverständlich nie passiert. Boris hatte den Artikel im Netz gefunden und brauchte Material für seine Webseite Daily Interesting Things.

Er übernahm den Text bis auf das letzte erlogene Komma und postete den Link in Facebook-Gruppen, die sich mit amerikanischer Politik beschäftigten. Zu seiner Überraschung wurde der Artikel 800-mal geteilt. Es war Februar 2016. Mit Google-Ads-Anzeigen verdiente Boris in diesem Monat 150 Dollar, also verließ er die Highschool. Boris ist nicht sein richtiger Name. Weil er in seiner mazedonischen Heimat Veles keine Aufmerksamkeit erregen will, bleibt er anonym. Niemand möchte hier mit dem Namen Trump in Verbindung gebracht werden. Die Menschen in Veles haben im Moment das Gefühl, dass die Welt aus den falschen Gründen über sie spricht.

Mit einem absurden Stolz erinnern sich die Einwohner daran, dass Veles als zweitschmutzigste Stadt im ehemaligen Jugoslawien galt 

Während der letzten Wochen des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs wurde das Städtchen zum Schandfleck auf der internationalen Landkarte. Der Guardian und Buzzfeed berichteten von mindestens 100 registrierten Pro-Trump-Webseiten in der 55.000-Einwohner-Stadt, viele von ihnen mit sensationsheischenden und unwahren Meldungen. Das drohende Ermittlungsverfahren gegen Hillary Clinton war ein beliebtes Thema. Ein anderes, dass sich der Papst für Donald Trump ausgesprochen habe. Die hohen Nutzerzahlen führten zu beträchtlichen Summen, die über automatisierte Google-Ads-Algorithmen ausgeschüttet wurden. Ein Artikel im Magazin New Yorker beschrieb, wie Barack Obama in der letzten Woche  vor der Wahl einen ganzen Tag lang „beinahe obsessiv“ über Veles und den digitalen Goldrausch sprach.

In Veles selbst wurden die Jungunternehmer zu Zielscheiben gehässiger Attacken. Zwischen August und November holte Boris aus seinen zwei Pro-Trump-Seiten einen Profit von über 15.000 Euro. Der durchschnittliche Monatsverdienst liegt in Mazedonien bei 350 Euro.

Boris fütterte das Monster gewissenhaft

Boris ist 18, ein schlaksiger Typ mit müden Augen, das Haar bis auf wenige Millimeter abrasiert, im Gesicht das, was der Bartwuchs hergibt. Wenn er keine Zigarette raucht, zündet er sich eine an. Er hört The Notorious B.I.G., Puff Daddy, Wu-Tang Clan. Seit er Notorious gesehen hat, ein Porträt über B.I.G. von 2009, will er nach Brooklyn reisen. In seiner Vorstellung bestimmen in dem New Yorker Stadtteil Gangster das Straßenbild, nicht die Hipster. Er ist ein umgänglicher Typ mit lustigem Humor und einer klaren Sicht auf sich und die Stadt, in der er lebt.

Eines Tages möchte er Veles verlassen, weil es hier kaum etwas zu tun gibt. Man kann bei seinen Eltern leben und sich von ihnen die Abende in der Bar bezahlen lassen oder in Cafés die Tische abräumen. Wer seine Freizeit in den Muskelbuden verbringt, findet vielleicht was als Türsteher. Es gibt noch ein paar Fabriken am Stadtrand, aber reich wird man da auch nicht. „Mit richtigen Jobs kann man hier kein Geld verdienen“, sagt Boris. „Diese Google-Ads-Sache ist kein richtiger Job.“

Wohlwollend formuliert, ist sein Englisch bruchstückhaft und zäh; in jedem Fall nicht so gut, dass er damit fünf bis zehn Artikel pro Tag hätte schreiben können – so viele, wie er auf bisweilen veröffentlichte. Aber zu seinem Glück befeuerte der Wahlkampf zahllose Webseiten der Alt-Right-Bewegung, die plötzlich vor Energie strotzten, in industriellem Maßstab Lügen ausspuckten und sie als Nachrichten tarnten. Von Trumps Twitter-Lügen bis zu den Verdrehungen von Breitbart News und nationalreport.net – die Ideologie triumphierte über die Wahrheit.

Der Marktplatz von Veles: Nachdem Mazedonien 1991 seine Unabhängigkeit erklärt hatte, folgte ein Niedergang der Wirtschaft, von dem sich das Land nie erholt hat

Der Beitrag aus Veles war allerdings ein kühles Geschäft, frei nicht nur von Ideologie, sondern auch von moralischen Bedenken. Den Männern aus Mazedonien war es egal, ob Trump ins Weiße Haus einziehen würde. Ihnen ging es ums Geld: für ein Auto, Uhren, bessere Smartphones, Drinks an der Bar. Das ist der verstörende Kern dieser Geschichte: wie einfach das Netz es für sie gemacht hat, ihre materiellen Bedürfnisse zu befriedigen, und wie folgenschwer das für den Wahlkampf war.

Veles liegt in der Mitte Mazedoniens und es sieht dort aus, als würden die Wohnhäuser mit den roten Ziegeldächern die Hügel hinaufwachsen, die links und rechts des Flusses Vardar liegen. Der bescheidene Glanz, den die Stadt einst hatte, ist noch heute zu erkennen. Veles brachte Revolutionäre und Intellektuelle hervor, besaß auch eine florierende Industrie. Eine der größten Fabriken, eine Keramikproduktion namens Porcelanka, beschäftigte 4000 Menschen. Mit einem absurden Stolz erinnern sich Einwohner daran, dass Veles als die zweitschmutzigs­te Stadt im ehemaligen Jugoslawien galt.

Nachdem Mazedonien 1991 seine Unabhängigkeit erklärt hatte, setzte der Niedergang ein. Die Fabriken wurden geschlossen, die Jobs verschwanden. Der Fußballclub FK Borec schlitterte von Niederlage zu Niederlage und stieg von der ersten Liga in die dritte ab. Das einzige Kino der Stadt schloss vor 15 Jahren, die Innenstadt verwilderte. Für einen kurzen Moment erlebte die Wirtschaft einen Aufschwung, als ein paar Männer mit Geld um sich warfen, das sie mit dem Handel von Heroin in Deutschland und Österreich verdient hatten. Doch die Polizei hob den Drogenring bald aus und Veles versank wieder in einem Zustand von Verwahr­losung. Für jemanden wie Boris, der hier aufgewachsen ist, hat die Stadt nichts zu bieten. Sein Vater arbeitete für die Stadt als Klempner. 

Eine stillgelegte Ziegelfabrik außerhalb von Veles in Mazedonien 

Boris zog durch die Stadt, traf sich mit seinen Freunden am Ottoman-Turm am Fluss, dem Wahrzeichen der Stadt, oder streunte von einem Café zum nächsten. Er spielte Fußball, stellte aber bald fest, dass er in der Computer-Version den passableren Kicker abgab und ging in den örtlichen Counter-Strike-Club. Dort trafen sie sich zu neunt oder zu zehnt, saßen hinter ihren Bildschirmen und knallten sich gegenseitig ab.

Eines Sommers, es ist ein paar Jahre her, sah Boris auf dem Schulweg einen nagelneuen 4er BMW am Straßenrand parken und dachte sich: „Was zum Teufel macht mein Lieblingsauto hier?“ Er hörte sich um, aber niemand schien den Besitzer zu kennen. Später traf er in einem Café einen Counter-Strike-Kameraden namens Aleksander Velkovski. Der BMW war seiner. Und Aleksander erzählte ihm, den Wagen habe er sich von dem Geld gekauft, das er mit seiner Webseite verdient habe.

Aleksander und Borce Velkovski sind mit healthyfoodhouse.com so erfolgreich, dass sie in Veles als die Healthy Brothers bekannt sind. Die Seite ist ein Sammelsurium aus Ernährungs-, Beauty- und Gesundheitstipps, Ratschlägen über die geheimnisvollen Wirkstoffe in Unkraut und andere Mysterien. Aufmerksamkeit (und die damit einhergehenden Werbeeinnahmen) gewinnt die Seite zum Beispiel dadurch, dass sie ihren Lesern bei nächtlichen Fußkrämpfen empfiehlt, ein Stück Seife unter das Bettlaken zu schieben, oder selbst gemachten Beerensirup, um den Anteil roter Blutkörperchen zu erhöhen. Damit haben es die Healthy Brothers auf zwei Millionen Follower auf Facebook und mehr als zehn Millionen Unique Visitors auf ihrer Seite geschafft.

Bernie-Sanders-Anhänger gehören zu den cleversten Usern, die mir begegnet sind. Die glauben gar nichts 

Boris

Nachdem er den BMW gesehen hatte, beschloss Boris, es mit einer eigenen Webseite zu versuchen. Dass im Netz Geld zu verdienen ist, hatte er schon vorher gewusst. Im Alter von 17 Jahren war er einer der digitalen Tagelöhner aus der ganzen Welt, die ihre Dienste auf der Seite microworkers.com anbieten und für ein Like oder einen Kommentar unter einem YouTube-Video ein Zehntel eines Cent erhalten. Jetzt kaufte er sich eine Reihe von Web-Adressen über den Hosting-Service GoDaddy – gossipknowledge.com zum Beispiel und dailyinterestingthings.com –, installierte darauf Wordpress-Vorlagen und befüllte die Seiten mit Meldungen über Sport, Politik, Celebrities oder Gesundheit, die er sich von anderen Seiten zusammenklaubte. Um zu beweisen, dass die Seiten tatsächlich ihm gehören, zieht er während des Gesprächs das Smartphone aus der Tasche und öffnet seine Wordpress-App.

Die Aufregung über die Nachricht, dass Donald Trump angeblich einen Gegner gezüchtigt hatte, zeigte ihm, wie viel Potenzial in diesem Wahlkampf steckte. Also sicherte er sich die Adresse newyorktimes­politics.com, imitierte das Design der Times und veröffentlichte geklaute Artikel. Bis die Times eine Unterlassungserklärung schickte. Boris las sie von unterwegs und nahm die Seite vor Schreck noch mit seinem Telefon vom Netz.

Im August startete er politicshall.com, ein paar Monate später fügte er seinem Portfolio usapolitics.com hinzu. Und jetzt begann die Kasse richtig zu klingeln.
Boris entwickelte eine tägliche Routine. Mehrmals pro Tag fischte er Pro-
Trump-Artikel aus dem Netz und stellte sie auf eine seiner beiden Seiten. Artikel, bei denen JavaScript das einfache Kopieren verhinderte, tippte er von Hand ab. Wenn er einen Text veröffentlicht hatte, postete er den Link auf Seiten von Facebook-Gruppen wie My America, My Home, oder The Deplorables (Die Bedauernswerten – so hatte Hillary Clinton einmal diejenigen bezeichnet, die sich nach ihrer Meinung von Trump verführen ließen). Oder auch Friends Who Support President Donald J. Trump. 

Die Gruppen der Trump-Anhänger schienen Hunderttausende mehr Mitglieder zu haben als die der Clinton-Unterstützer – das machte es einfacher, einen Text auf hohe Klickzahlen zu schießen. Während einer Woche im Juli ex­perimentierte er auch mit gefälschten Meldungen, die den demokratischen Kandidaten Bernie Sanders feierten. „Aber dessen Anhänger gehörten zu den clevers­ten Usern, die mir untergekommen sind“, sagt Boris. „Die glaubten gar nichts, solange sie keinen Beweis dafür hatten.“ 

Er setzte die Links mit seinem eigenen Namen, aber auch mit den etwa 200 gefälschten Facebook-Profilen, die er sich für diesen Zweck gekauft hatte. Ein Profil mit einem russischen Namen kostet etwa zehn Cent, ein amerikanisches bis zum Fünffachen. Die meisten Shares, die er für einen Link erhielt, waren 1200. Boris kann sich nur noch daran erinnern, dass der Artikel etwas mit Trumps Versprechen zu tun hatte, an der mexikanischen Grenze eine Mauer zu bauen.

Nachts bereitete ich vier, fünf Posts vor und veröffentlichte sie am nächsten Morgen. Anschließend ging ich einen Kaffee trinken, kam nach Hause und es ging von vorn los

Boris

Im Lauf der Zeit begriff Boris, wie er die Werbeeinnahmen erhöhen konnte. Mit Bannern zum Beispiel, die den Text unterbrachen – einer von fünf Besuchern der Seite klickte darauf. Seine Einnahmen pro 1000 Aufrufe – der Gold-Standard für Werbung im Netz  – seien auf 15 Dollar gestiegen, erzählt er. Er fütterte das Monster gewissenhaft. „Nachts bereitete ich vier, fünf Posts vor und veröffentlichte sie am nächsten Morgen. Sobald ich wach war, teilte ich sie. Anschließend ging ich einen Kaffee trinken, kam nach Hause, fand neue Artikel, setzte sie auf meine Seite und teilte sie. Nachmittags traf ich Freunde, kam nach Hause, und es ging von vorn los.“

Als Google die ersten Einkünfte auf seinem Konto gutschrieb, fing Boris an, Geld auszugeben: für Klamotten, ein Laptop und Urlaub in einem Resort am Ohridsee. „Kaufen! Kaufen! Kaufen! So lief das“, erzählt er. Zu der Zeit  hatten so gut wie alle seine Freunde solche Seiten. Sein Telefon ist voll mit Bildern, wie sie in einem der drei Nachtclubs mit Moët um sich sprühen, die Flasche knapp 100 Euro. „Ich trinke keinen Champagner“, sagt er. „Es ging nur um die Show. Alle Augen waren auf mich gerichtet. Man lebt nur einmal.“

Inzwischen hat Boris die Lust am Luxus verloren. Das hat auch damit zu tun, dass Google am 24. November alle Anzeigen von seinen Seiten nahm. Kurz vorher waren die ersten Artikel über Seiten wie seine und deren Auswirkungen erschienen. Sein letzter Post war eine Umfrage: „Sollen alle kriminellen illegalen Einwanderer sofort abgeschoben werden?“ 292 Shares, 361 Antworten (nahezu ausschließlich „Ja“), aber keine Werbung.

Einheimische beim Liederabend in einer Gartenhütte: Der Mann mit dem Mikrofon ist einer derjenigen, die ihr Geld mit Seiten mit politischen Inhalten verdienen

In Mazedonien hat das Geschäft, Geld mit solcherlei Webseiten abzuschöpfen, weit vor Trumps Präsidentschaftswahlkampf begonnen. Und wahrscheinlich wird es ihn weit überdauern, unabhängig von den Versuchen von Google und Facebook, das zu unterbinden. Mirko Ceselkoski hat schon in den frühen 2000ern damit begonnen. Damals betrieb er sieben oder acht Seiten – Muscle Cars, Celebrities, Superyachten. Alle ausgerichtet auf amerikanische User, weil die etwa dreimal so viel wert sind wie User außerhalb Amerikas. Mit fünf, sechs Stunden Aufwand pro Tag ließen sich rund 1000 Euro verdienen. Die Zeit können viele Mazedonier leicht aufbringen – die Arbeitslosenquote liegt bei 24 Prozent.

Im Jahr 2011 begann Ceselkoski damit, Seminare zu geben: zunächst einen sechswöchigen Kurs in der mazedonischen Hauptstadt Skopje, wo er lebt, inzwischen online mit einem eng getakteten Drei-Wochen-Lehrplan. Für 400 Euro lernen die Teilnehmer, wie man Seiten aufbaut, befüllt und bewirbt. Ein Drittel der Zeit widmet er ausschließlich dem Universum von Facebook. Die Healthy Brothers hatten genauso seinen Kurs gebucht wie einige derjenigen, die im vergangenen Jahr Pro-Trump-Seiten betrieben haben.

Von deren Erfolg sei er selbst überrascht gewesen, sagt er. „Ich habe ihnen das nicht beigebracht. Offenbar haben sie gedacht, sie würden damit durchkommen.“ Er spricht von ihnen wie ein Physikprofessor, dessen Studenten auf neue Gesetze der Thermodynamik gestoßen sind. Nach der Wahl riefen ihn einige seiner Schüler panisch an, weil Google den Hahn abgedreht hatte, bevor all das Geld ausbezahlt war, das sie verdient hatten. Einer ist sicher, dass Google ihm noch mehr als 60.000 Euro schuldet. Ceselkoski war vor der Wahl in Las Vegas. Trumps Sieg hat ihn erstaunt. „Vielleich waren die Webseiten aus Veles verantwortlich für ein paar Prozentpunkte.“

Das Smartphone des Mannes mit dem Mikro aus dem vorherigen Bild: Geöffnet ist die App, die ihm seine aktuellen Werbeeinnahmen anzeigt (die zum Teil durch Fake News zustande gekommen sind)

Boris selbst würde so etwas nie sagen. Die Fake News, die er und seine Freunde klauten, seien doch schon auf amerikanischen Webseiten veröffentlicht gewesen, sagt er. Wie sollten die Duplikate auf ihren mickrigen Seiten die Wahl in einem der mächtigsten Länder der Erde beeinflussen? „Wenn die Amerikaner gewollt hätten, dass Hillary Clinton gewinnt, hätten sie Clinton gewählt“, sagt er. Aber so, wie sich die Dinge seither entwickelt haben, fällt es ihm zunehmend schwer, den Wahlausgang zu ignorieren: „Ein Verrückter hat die Wahl gewonnen. Vielleicht zettelt er jetzt den Dritten Weltkrieg an.“

An einem Nachmittag im Dezember sitzt er in einem Café, die Parlamentswahl in Mazedonien liegt zwei Tage zurück. Auch hier schwappte eine kleinere Welle der digitalen Seuche durchs Netz. Seiten aus Serbien und Kroatien behaupteten, Zoran Zaev, der Oppositionsführer des linken Lagers, wolle das Land ethnisch in eine mazedonische und eine albanische Hälfte teilen. Zaevs Koalition verlor knapp. Boris ist desillusioniert. Das Leben sei einfach zu sehr von Politik durchdrungen. „Die Leute bekämpfen sich. Der eine ist für die eine Partei, der andere für die andere. Und dann geraten sie in Streit.“ Er schüttelt den Kopf. „Die Medien betreiben Gehirnwäsche und die Leute laufen ihnen hinterher wie die Schafe.“

Seine Tage sind jetzt leer. Er trifft sich mit Freunden im Café und auch wenn es kalt ist, sitzen sie lieber draußen, um zu rauchen. Boris hat noch nicht entschieden, ob er wieder zur Schule gehen soll. Er denkt eher über ein Informatik-Studium nach, damit er irgendwann für Apple oder Microsoft arbeiten kann. Fürs Erste wird er aber weiter Webseiten betreiben. Facebook und Google haben zwar Filter für gefälschte Inhalte entwickelt, aber auch die können nicht alles erkennen, was an Schund durchs Netz geistert. Von Politik lässt er wohl die Finger. Es gibt ja genug andere Seiten, von denen er Inhalte klauen kann, und genug andere Themen, mit denen er Menschen aus der ganzen Welt anlocken kann. Damit er sich irgendwann seinen BMW leisten kann.