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Einmischung in den US-Wahlkampf: Russland kaufte Facebook-Ads

WIRED Staff 07.09.2017

Im US-Wahlkampf 2016 sollen Hunderte von gefälschten Nutzerkonten politische Werbung im Sozialen Netz gesteuert haben. Facebook hat die entsprechenden Accounts nun gesperrt – und beschuldigt Russland als Kampagneninitiator.

100.000 Dollar hat ein Netzwerk von Nutzerkonten und Facebook-Seiten mit Russlandbezug in Werbung investiert, um den Ausgang der Wahlen zu beeinflussen, berichtet unter anderem heise online. 470 Konten hat Facebook nun aufgrund von Verstößen gegen die Nutzungsbedingungen gesperrt – namentlich haben sie laut dem Unternehmen nicht ihre korrekte Identität angegeben.

Die gesperrten Nutzerkonten mit 3000 zwischen Juni 2015 und Mai 2017 geschalteten Anzeigen waren nur der innere Kern der Kampagne für Präsident Donald Trump. Weitere Accounts mit russischer Spracheinstellung, US-IP-Adressen und einer Tendenz, politische US-Werbung zu schalten, haben rund 50.000 Dollar für 2200 Anzeigen ausgegeben. Diese Accounts haben aber nicht nachweislich Regeln oder Gesetze gebrochen, so Facebook-Sicherheitschef Alex Stamos in einem öffentlichen Post.

In den USA ist die finanzielle Einflussnahme auf Wahlen durch Ausländer gesetzlich verboten. Ob dieses Gesetz tatsächlich gebrochen wurde oder nicht, lässt sich allerdings nicht von Facebook, sondern im Zweifelsfall nur von einem Gericht entscheiden. Die von dem nun gesperrten Netzwerk an Nutzerkonten verbreiteten Anzeigen betrafen die Wahlen nicht direkt, sprachen aber Themen an, die dabei relevant waren. Als Beispiel nennt Stamos LGBT-Rechte, Rassismus und das Waffenrecht – klassische Streitpunkte zwischen den beiden großen Lagern in der US-Politik.

Die Affäre dürfte Kritikern weitere Munition gegen Präsident Trump geben, dessen mutmaßliche Verbindungen zu Russland bereits länger Gegenstand von Gerüchten und konkreten Ermittlungen sind. Ob sich der Präsident davon allerdings beeindrucken lässt, bleibt zweifelhaft – FBI-Chef Comey hatte wegen Ermittlungen gegen das Weiße Haus seinen Job verloren und andere könnten im Personalkarussell von Trumps Führung jederzeit folgen.