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So landete das Video eines Mordes auf Facebook

WIRED Staff 18.04.2017

Ein Mordfall im US-amerikanischen Cleveland hat Facebook erschüttert: Ein Mann hatte per Videobotschaft in dem Sozialen Netzwerk angekündigt, einen Mord begehen zu wollen. Diesen zeichnete er dann ebenfalls auf und lud das Video auf der Plattform hoch. Erst nach zwei Stunden wurde es von Facebook gelöscht — einer viel zu langen Zeit, befinden Medien aber auch Sprecher des Konzerns selbst.

Der mutmaßliche Mörder, der 37-jährige Steve S., hatte bei seiner Tat mehrere Millionen Zuschauer, berichtet die New York Times. Während diese das Video teilten und weiterverbreiteten, wurde es bei Facebook selbst nach Angaben von Vizepräsident Justin Osofsky erst nach einer Stunde und 50 Minuten als problematischer Inhalt markiert.

Der Täter lud nach der Tat auch noch ein Video mit seinem Geständnis hoch, ist aber noch immer auf der Flucht. Die Polizei hat inzwischen nach Hinweisen aus verschiedenen Landesteilen die Suche auf die gesamten USA ausgeweitet. Indes hatte der Enkel des 74-jährigen Mordopfers per Twitter darum gebeten, das Video der Tat nicht weiter zu teilen und zu verbreiten.

Nach der Markierung als gewalttätiger Inhalt dauerte es lediglich zehn Minuten, bis das Video des Mords von der Plattform verschwand — dennoch konnten Nutzer zwei Stunden lang ein schreckliches Verbrechen im Netz anschauen, auch laut Osofsky war das zu lang und das Unternehmen muss in Zukunft besser mit gewalttätigen Videos umgehen. Dabei soll auch KI zum Einsatz kommen, um die Menge von hochgeladenen Videos schneller überprüfen und bewältigen zu können.

Facebook hatte in der Vergangenheit bereits mehrfach Probleme mit schweren Verbrechen, die auf dem Sozialen Netzwerk per Video verbreitet wurden. Tatsächlich scheint das Unternehmen auf die Flut von Inhalten, die Nutzer seit der Aktivierung von Videos hochladen, nicht ganz vorbereitet zu sein. Fast zwei Milliarden Nutzer machen die Kontrolle zu einer riesigen Aufgabe, der mit mehr Personal und besserer Technik begegnet werden muss. Ob das in Zukunft gelingt, bleibt zu bezweifeln und abzuwarten.

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