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Wirkt der Kampf gegen Fake News auf Facebook überhaupt?

Benedikt Plass-Fleßenkämper 13.09.2017 Lesezeit 3 Min

Facebook will die Verbreitung von Fake News per Kennzeichnung eindämmen – offenbar ohne Erfolg. Laut einer aktuellen Studie wirken die Bemühungen des Sozialen Netzwerks sogar kontraproduktiv.

Lügen sind eine Plage für die sozialen Netzwerke. Vor allem bei Facebook sind Fake News längst zum politischen Manipulationswerkzeug geworden, vor allem Populisten profitieren von der ihnen verbundenenen Meinungsmache. Nachdem Facebook zunehmend in die Kritik geriet, nichts gegen die Verbreitung der Fake News zu unternehmen, engagierte das soziale Netzwerk externe Faktenprüfer, die seit Dezember 2016 Falschmeldungen entlarven und als Fake markieren. Mittlerweile zwingt der Staat das Netzwerk mit seinem Anti-Hassrede-Gesetz (NetzDG) sogar dazu, falsche und strafrechtlich relevante Inhalte direkt zu löschen.

In der Praxis erweisen sich aber vor allem die Markierungen (Flags) als wirkungslos. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Yale University. Die Psychologen David Rand und Gordon Pennycook haben darin untersucht, welchen Effekt die Fake-News-Markierungen auf das Verhalten von 7500 Probanden hatte. Das ernüchternde Ergebnis: Der von den Faktenprüfern vergebene Disputed-Tag erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Nutzer eine Meldung als Fake News erkennen gerade einmal um 3,7 Prozent.

Die Wissenschaftler bescheinigen Facebooks Fake-News-Initiative ganz im Gegenteil eine negative Auswirkung. Sie führe zu einem höheren Vertrauen der Nutzer in unmarkierte Inhalte, schreiben die Forscher. Allerdings markieren Facebooks Faktenprüfer auf Grund von Überlastung bei weitem nicht alle Falschmeldungen – dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass User auf nicht markierte Fake News hereinfallen. Ein Effekt, der laut Studie vor allem bei jüngeren Usern unter 26 sowie bei Unterstützern des US-Präsidenten Donald Trump zu beobachten sei.

Laut der Studie fallen Nutzer unter 26 sowie Trump-Unterstützer durch Facebooks Fake-Tag noch häufiger auf Falschmeldungen herein.

Die Ursache dafür könnte den Forschern zufolge in der misstrauischen Grundhaltung der Trump-Wähler gegenüber Medien begründet liegen. Die Probanden sollten auf einer Skala von eins bis fünf bewerten, wie sehr sie externen Faktenprüfern vertrauen. Während Hillary-Clinton-Wähler diesen auf einer Fünfer-Skala im Durchschnitt 3,1 Punkte für Vertrauen schenkten, vergaben Trump-Unterstützer nur 2,4 Punkte. „Ich denke, die Ergebnisse stellen in Frage, ob sich Facebooks Initiative unterm Strich überhaupt positiv auswirkt“, sagt Studienleiter David Rand und beanstandet: Der Ansatz der sogenannten Faktencheck-Labels sei offenkundig kein probates Mittel, um das Problem der Fake News zu lösen.

Facebook übte derweil Kritik an den Ergebnissen der Studie. Ein Sprecher monierte, dass diese über eine Online-Umfrage und nicht direkt über Facebook stattgefunden habe. Zudem gab Facebook zu bedenken, dass die Faktenprüfung nicht die einzige Maßnahme gegen die Verbreitung von Fake News sei. So streiche man den Urhebern von Falschmeldungen unter anderem die finanziellen Mittel durch Sperrung von Werbeeinnahmen. Darüber hinaus entwickle man neue Produkte, um Nutzern die Beurteilung von Nachrichtenquellen zu erleichtern. Auch werden als „Disputed“ markierte Meldungen automatisch weniger auf Facebooks Diensten verbreitet.

Facebook hält an der Behauptung fest, dass die bisher erbrachten Bemühungen im Kampf gegen Fake News durchaus wirkungsvoll seien. Entsprechende Daten will das Unternehmen jedoch nicht offenlegen. Ein Umstand, den auch Faktenprüfer kritisieren, da sie keinerlei Informationen darüber haben, ob ihre bisher geleistete Arbeit Wirkung zeigt.

Alexios Mantzarlis, Chef des Poynter Institute International Fact-Checking Networks, begrüßt daher die Veröffentlichung der aktuellen Studie und schlägt unter anderem vor, dass Facebook gegenüber seinen Nutzern deutlicher kommuniziert, dass nicht alle Fake News eine Kennzeichnung erhalten. Da es sich um die erste Untersuchung dieser Art handelt, glaubt er indes noch nicht daran, dass seine bisher geleistete Arbeit vergebens war.