/Weltraum

7 wahnsinnige Projekte, die die Welt retten sollen

Michael Förtsch 30.09.2016 Lesezeit 7 Min

Die Menschheit muss sich in den kommenden Jahrzehnten großen Herausforderungen stellen. Der Klimawandel, verdreckte Meere und Milliarden Menschen ohne Trinkwasser gehören dazu. Jedoch gibt es Projekte, die diese Probleme angehen und lösen könnten.

Es existieren Visionen, die sind einfach gigantisch. Der US-Milliardär Elon Musk etwa will mit seinem Unternehmen SpaceX den Mars kolonisieren und damit gleichsam die Menschheit retten. Denn seit Jahrzehnten zeichnen Wissenschaftler und Forscher ein äußerst düsteres Bild unserer Zukunft – und vor allem des Planeten Erde. Seit Jahren erreichen die Temperaturen durch den Klimawandel immer wieder ungekannte Rekordstände. Die Meere drohen durch Verschmutzung ihr biochemisches Gleichgewicht zu verlieren. Gleichzeitig haben immer mehr Menschen in allen Ecken der Welt kein sauberes Trinkwasser, genügend Nahrung oder Wohnraum.

Allerdings können und sollten wir die Erde nicht einfach zurücklassen. Denn der Schritt zur interplanetaren Spezies ist noch einige Jahre hin. Und ohne unseren Heimatplaneten auch nicht machbar. Daher gehen Wissenschaftler wie Klaus Lackner, Sephen Hawking und Visionäre wie Patri Friedman beherzt unsere hiesigen gesellschaftlichen und ökologischen Schwierigkeiten an – und auch jene Herausforderungen, die bisher für viele wohl noch unmöglich scheinen. In ihre Größe, ihren Ambition und Folgereichtum stehen diese Projekte dem Flug zum Mars in nichts nach. Denn sie sollen etwa die Luft von CO2 reinigen, nachhaltiges Leben ermöglichen oder den Tod besiegen. WIRED präsentiert 7 große Projekte für die Zukunft der Menschheit.

The Ocean Cleanup
Rund acht Millionen Tonnen Plastikmüll landen jedes Jahr im Meer. Teilweise bildet der Abfall riesige Inseln aus Tüten, Verpackungsmaterial oder Shampoo-Flaschen, die langsam in Mikropartikel zersetzt werden. Der Unrat ist nicht nur für Fische, Vögel und Meeressäuger, sondern auch für den Biohaushalt der Ozeane schädlich. Zudem können die Kunststoffe letztlich auch in unsere Nahrungskette geraten. Das Projekt The Ocean Cleanup, hinter dem der 22-jährige Niederländer Boyan Slat steht, will die Ozeane daher wieder säubern.

Mit rund 50 Kilometer langen Schläuchen auf der Wasseroberfläche soll der Plastikmüll eingefangen, zusammengezogen und dann abgefischt werden. Damit sollen sich, laut einer Machbarkeitsstudie, bis zu 90 Prozent des Mülls in der Einsatzregion beseitigen lassen. Seit Juni wird ein 100 Meter langer Prototyp der Technik vor der niederländische Nordseeküste erprobt. Gelingt der einjährige Testlauf, so hoffen Slat und sein Team, könnte die Reinheit der Ozeane in 20 bis 30 Jahren auf den Stand von 1950 zurückgedreht werden.

ReGen-Village
Unweit des niederländischen Almere soll bis 2017 das so genannte ReGen-Village fertiggestellt werden. Das Dorf wird aus zunächst 25 Häusern mit angeschlossenen Gärten bestehen. Dazu kommen moderne Hydrokultur- und Aquaponik-Anlagen und Bereiche für die Kleintierzucht. Alle Gebäude sind mit Glaskäfigen eingefasst, um ganzjährig einen Obst- und Gemüseanbau zu ermöglichen. Solar- und Regenfilteranlagen werden Strom und Wasser bereitstellen. Denn die Bewohner, so das Ziel, sollen hundertprozentig autark und nachhaltig leben.

Hinter dem Konzept stehen der Standord-Forscher James Ehrlich und das dänische Designstudio EFFEKT. Das niederländische ReGen-Village soll nach und nach auf bis zu 100 Häuser anwachsen, ist aber nur einer von mehreren Pilotversuchen. Denn weitere Dörfer sind unter anderem in Schweden, Deutschland und China geplant. Sollte die Idee überzeugen, könnte sie Millionen Menschen in Industrie- und Entwicklungsländern ein preiswertes und umweltschonendes Leben abseits der Städte ermöglichen.

Calico
So einige von Googles beziehungsweise Alphabets Tochterunternehmen sind mittlerweile gut bekannt. GoogleX, Google Fiber oder Nest. Von Calico (oder auch California Life Company) haben wohl die wenigsten gehört. Dabei verfolgt die 2013 in San Francisco gegründete Firma ein ambitioniertes Forschungsprojekt des Technologieunternehmens: Das High-Tech-Labor soll nämlich den Alterungsprozess enträtseln und letztlich den Tod besiegen.

Über 730 Millionen US-Dollar hat Alphabet schon in Calico investiert,und renommierte Genetiker wie Arthur D. Levinson, David Botstein und die Molekularbiologin Cynthia Kenyon als Forscher gewonnen. Was die Wissenschaftlicher nun genau treiben, ist bisher allerdings geheim. Jedoch sollen sie auf dem Weg bis zum Ausschalten des Todes erst einmal altersbedingte Effekte wie Demenz, Diabetes und das Nachlassen der Sehkraft angehen. Dafür hat Calico unter anderem Forschungskooperationen mit Biotech- und Pharmafirmen wie AbbVie geschlossen.

Floating City Project
Der Meeresspiegel steigt. Städte wie Miami und New York City bangen schon. Deswegen sieht der Utopist Patri Friedman die Zukunft der Menschheit auf dem Meer. Mit dem 2008 gegründeten Seasteading Institute will er helfen, zunächst modulare Siedlungen und dann ganze Städte auf dem Wasser zu errichten. Die sollen dort unabhängig von bisherigen Nationalstaaten agieren und „Experimentalnationen“ darstellen, die Gesetze passend zu ihrer gesellschaftlichen sowie wirtschaftlichen Ausrichtung und Bevölkerung etablieren. Mini-Meereswelten ausschließlich für Startups sollen so möglich sein.

Erste kleine Schritte von der Vision zur Realität sind schon getan. Konzepte für potentielle Ozean-Siedlungen gibt es, Machbarkeits- und Rechtsgutachten wurden eingeholt und eine Zusammenarbeit mit Französisch Polynesien ausgehandelt. Außerdem unterstützt PayPal-Co-Gründer Peter Thiel das Institut mit 500.000 US-Dollar. Der nächste Schritt soll eine Musterinsel sein, die Platz für 250 Menschen bieten würde. Im Jahre 2020 könnte dann die erste autonome See-Siedlung Realität werden. Geht es nach Friedman, würden bis 2100 die neuen Wirtschaftsmächte der Welt auf den Meeren schwimmen.

+++ Mehr von WIRED regelmäßig ins Postfach? Hier für den Newsletter anmelden +++ 

Breakthrough Listen
Der Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke sagte einst: „Entweder sind wir allein im Universum oder wir sind es nicht. Beide Vorstellungen sind beängstigend.“ Umso wichtiger scheint es, herauszufinden, welcher Angst sich die Menschheit stellen muss. Das meinen auch Köpfe wie Stephen Hawking, Frank Drake und Martin Rees, die sich seit Juli 2015 bei der Initiative Breakthrough Listen der Suche nach außerirdischem Leben widmen. Ins Leben gerufen hat dieses Projekt der russische Milliardär Yuri Milner.

Derzeit scannt das Team von Breakthrough Listen mit dem Green Bank Telescope und dem Parkes Observatory den Himmel nach Signalen womöglich extraterrestrischer Zivilisationen ab. Dabei sind sich die Unterstützer im Klaren, dass ein Erfolg welcher Art auch immer nicht garantiert ist. Sollte jedoch ein Signal entdeckt werden, meint Astrophysiker Stephen Hawking, könnte dies der Menschheit die Chance geben, sich mental und technlogisch für einen Erstkontakt zu wappnen.

OmniProcessor
Der Microsoft-Gründer Bill Gates und seine Frau Melinda sind nicht nur reich, sondern auch ziemlich spendabel. Mit ihrer über 40 Milliarden US-Dollar schweren Bill & Melinda Gates Foundation finanzieren sie Entwicklungshilfe, Impfprogramme und Forschungsprojekte. Darunter sind HIV- und Malaria-Prävention und auch eine wasserlose Toilette. Eines der bemerkenswertesten Projekte ist jedoch der sogenannte OmniProcessor. Was nach einer Wunderwaffe aus einem Science-Fiction-Film klingt, könnte eines der größten Probleme vieler Entwicklungsländer lösen.

Erdacht von der US-Firma Janicki Bioenergy soll das Gerät von der Größe mehrerer Schiffscontainer aus Abwasser und Fäkalien sauberes Wasser und Energie gewinnen. Dafür wird das Material bei 1000 Grad Celsius verbrannt, aufgespalten und gefiltert. Letztlich bleiben Dampf und Asche. Rund 11.000 Liter Trinkwasser und 150 Kilowatt elektrischer Strom soll ein Prototyp, der im Senegal einem Testlauf unterzogen wird, erzeugen. Der Nachfolger soll das Sechs- bis Zehnfache schaffen. Damit könnten nicht nur 2,5 Milliarden Menschen endlich Zugang zu sauberem Wasser erhalten, sondern sich mit dem Strom auch eine Einnahmequelle erschließen.

Kunstbäume gegen den Klimawandel
Der Klimawandel und die globale Erwärmung sind kaum noch aufzuhalten. Nahezu jedes Jahr werden neue Temperaturrekorde verzeichnet. Schuld daran ist auch das Kohlenstoffdioxid, das die Menschheit in die Luft pumpt. Die Pflanzen der Erde als die natürlichen CO2-Filter der Natur können dem nicht mehr standhalten. Doch der am Earth Institute der Columbia University arbeitende deutsche Physiker Klaus Lackner könnte eine Lösung gefunden haben. Er plante schon vor Jahren, die Welt mit künstlichen Bäumen zu „bepflanzen“.

Klaus Lackner hat dafür eine Filtermembran aus einem Ionen-Austauscher-Harz gefertigt. Diese kann CO2 bis zu 1000 Mal effizienter aus der Luft filtern als ein Baum. Mit Wasser wird das CO2 ausgelöst und lässt sich dann abführen. In großen Stimmgabelartigen Kunstbäumen oder Pumpanlagenwänden installiert, sollen sie die Luft von Kohlenstoffdioxid entsättigen. Mit Global Thermostat, Carbon Engineering und Climeworks arbeiten seit 2015 drei Firmen daran, das Konzept im industriellen Maßstab umzusetzen. Denn es bräuchte alleine mehr 100 Millionen Anlagen, um „den CO2-Ausstoß einzufangen, den die Menschheit pro Jahr produziert.“