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Eine KI soll wütende Autofahrer erkennen

Michael Förtsch 26.03.2018

Wer mies drauf ist, der drängelt, fährt auf und riskiert Unfälle. Ein Startup will daher eine Künstliche Intelligenz einsetzen, die feststellt, wie sich der Fahrer fühlt. Im Notfall könnte sie ihm sogar die Kontrolle entziehen.

Wer wütend oder aufgebracht ist, der verhält sich am Lenkrad schnell leichtsinnig, ablenkbar und rücksichtslos. Das eigene Fahrvermögen wird dabei oft falsch eingeschätzt und der Fahrer so zum Risikofaktor im Straßenverkehr. Dabei ist es unerheblich, ob das emotionale Gleichgewicht nun durch andere Verkehrsteilnehmer oder private Umstände gestört ist. Das US-Startup Affectiva will dagegen vorgehen. Eine System soll die Fahrer überwachen und feststellen, ob sie aufmerksam und ausgeglichen genug sind, um ein Fahrzeug sicher über die Straßen zu lenken.

Hervorgegangen ist Affectiva aus einem Projekt des Media Lab des Massachusetts Institute of Technology. Das hat eine Künstliche Intelligenz mit einer Datenbank von über sechs Millionen Gesichtern unterschiedlichster Ethnien und Nationalitäten darauf trainiert, menschliche Emotionen zu erkennen. Über eine RGB- und Infrarotkamera analysiert die sogenannte Emotion AI die Mimik des Fahrers. Als Indikatoren dienen Augen- und Mundbewegungen, Blickrichtungen und Anspannungen der Gesichtsmuskulatur. Ein Innenraum-Mikrofon soll Auffälligkeiten in der Stimmlage erfassen, die Rückschlüsse auf emotionale Zustände zulassen.

Nicht nur, ob der Fahrer wütend ist, ließe sich ermitteln. Auch Müdigkeit, Trauer, Trunkenheit oder Freude sollen sich ablesen lassen – oder auch, ob jemand ständig auf das Smartphone starrt. Das System soll es ermöglichen, auf den emotionalen Status des Fahrers zu reagieren und ihn auf seine Lage hinzuweisen. Ähnliches tun schon jetzt Systeme, die durch Überwachung der Augenpartie ermitteln, ob ein Fahrer am Steuer einzuschlafen droht. Aber ebenso könnte die Affectiva-KI einem wütenden, übermüdeten oder unaufmerksamen Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug entziehen und sie beispielsweise einem autonomen Fahrsystem übergeben.

Aber nicht nur das. Das Fahrzeug könnte einem Fahrer auch beruhigende Musik und Entspannungsübungen vorschlagen oder den schnellsten Weg zum nächsten Café zeigen. Derzeit sammelt das Unternehmen Daten von rund 200 freiwilligen Fahrern, die sich Kameras und Mikrofone in ihre Fahrzeuge installieren ließen. Über 2.100 Stunden an Bild- und Audiomaterial sind damit schon zusammengekommen. Affectiva ist nicht das einzige Unternehmen, das an derartigen Systemen arbeitet. Auch das Startup Eyeris feilt an einer vergleichbaren Technologie, die vor allem die Fahrten besonders angenehm gestalten soll, in dem das Fahrzeug das Ambiente stetig auf die Gefühlsalge der Passagiere abstimmt.