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Eine Fitness-App enthüllt geheime Militärbasen

Michael Förtsch 29.01.2018 Lesezeit 2 Min

Millionen Sportler weltweit nutzen die Fitness-App von Strava. Die speichert nicht nur die Leistungen der Nutzer, sondern zeigt auch, wo besonders viel Fitness betrieben wird. Dadurch enttarnen US-Soldaten und Agenten wohl ungewollt geheime Einrichtungen.

Wer eine Fitness-App nutzt, der gibt viele Informationen über sich preis. Denn sowohl die eigene Position, die Laufgeschwindigkeit, der Puls und natürlich die investierte Zeit werden aufgezeichnet. Offenbar verraten diese Daten aber nicht nur einiges über die Sportler selbst, sondern auch die Strategie der US-Militärs und der Geheimdienste. Bereits seit 2015 betreibt der App-Entwickler Strava eine globale Heat-Map. Die hat das Unternehmen im November 2017 mit einem umfangreichen Data-Set an anonymisierten Wege- und Zeitinformationen seiner Running-and-Cycling-GPS-App aktualisiert. Insgesamt sollen 3 Milliarden einzelne GPS-Datenpunkte, eine Milliarde Fitnesszyklen und 27 Milliarden Streckenkilometer eingeflossen sein.

Je heller eine Region auf der Karte strahlt, um mehr ist dort los. Die Karte zeigt somit, wo auf der Welt die Nutzer der App besonders aktiv sind und welche Strecken die Läufer, Radfahrer und Schwimmer intensiv nutzen. Dabei stechen Mitteleuropa, die USA, die Ostküste Südamerikas und Japan hervor. Ebenso zeigen sich auch in sonst vollkommen dunklen Flächen einzelne Lichtpunkte. Das sind unter anderem Hafenmetropolen, Handelszentren oder lokale Hauptstädte in afrikanischen und eurasischen Staaten. Aber auch inmitten von Krisen- und Kriegsgebieten zeichnen sich vereinzelt viel genutzte Strecken ab. Dort ziehen sich Lichtschnüre in sehr langen Bahnen über eigentlich leere Felder oder verlaufen in sauberen Linien um kompakte Häuserkomplexe, wo eigentlich nur Wüste sein sollte.

Einige der auffälligen Signaturen lassen sich US-Militärbasen wie dem Kandahar Airfield in Afghanistan zuordnen. Bei anderen Orten, so berichtet die Washington Post, handelt es sich hingegen wohl um klandestine Anlagen. Beispielsweise geheime Abhöreinrichtungen des US-Geheimdienstes CIA wie nahe Mogadishu oder bislang nicht offiziell bestätigte US-Außenposten nahe dem syrischen Rmeilan. Aber auch russische Einrichtungen wollen Nutzer bereits entdeckt haben. Dabei lässt sich auf Basis der Laufwege nicht nur deren genereller Standort, sondern auch der Grundriss nachvollziehen.

Der ehemalige britische Offizier Nick Waters twitterte, dass „Patrouillenrouten , isolierte Patrouillenstellungen“ und weitere brisante Informationen auslesbar wären. Gegenüber der Washington Post äußerte John Thomas vom Zentralkommando der Vereinigten Staaten zudem, dass man dem Thema auf jeden Fall nachgehen würde. Zumindest für das US-Militär wäre das Problem stellenweise hausgemacht. Denn die US-Streitkräfte unterstützten aktiv die Nutzung von Fitness-Trackern und Apps durch ihre Soldaten. Im Jahr 2013 wurden gar 2500 Fitbit in einem Pilotprojekt verteilt, um zu erproben, wie sie die Motivation und das Trainingsverhalten verbessern könnten.