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Dieser Park schluckt den Lärm von abfliegenden und landenden Flugzeugen

Benedikt Plass-Fleßenkämper 18.06.2015

Es kann ziemlich laut werden, wenn man in der Nähe eines Flughafens lebt. Für die Menschen, die beim Airport Amsterdam Schiphol wohnen, ist das kein Problem: Der Landschaftsarchitekt Paul de Kort hat eine Methode entwickelt, um den hohen Fluglärm um die Hälfte zu reduzieren. Sein Rezept: ein rautenförmig angelegter Park voller Ackerfurchen.

Jeden Tag starten und landen 1200 Maschinen am Flughafen Amsterdam Schiphol. Um den dabei produzierten Lärm zu reduzieren, hatte die Schiphol Group, die den Flughafen betreibt, jahrelang herumprobiert und sogar einen Wettbewerb gestartet, bei dem mit Dämmelementen in Form von Pyramiden experimentiert wurde. Doch nichts funktionierte — bis Anwohner zufällig auf ein ungewöhnliches Phänomen stießen: sie bemerkten, dass der Fluglärm im Herbst bei umgepflügten Äckern zurück ging. 

Wissenschaftler der Niederländischen Organisation für Angewandte Naturwissenschaftliche Forschung (kurz: TNO) führten daraufhin eine Studie und verschiedene Experimente zu der Beobachtung durch. Das überraschende Ergebnis ihrer Arbeit: Die Ackerfurchen schlucken den Fluglärm. 

 


Die Schiphol Group beauftragte daraufhin das Büro für Landschaftsarchitektur H+N+S mit der Bebauung der Marschlandschaft rund um den Amsterdamer Flughafen. Es entstand ein Park mit 150 Schallfurchen auf einer Fläche von 33 Hektar. Bis zu drei Meter hohe keilförmige Hügel, die in einem Abstand von elf Metern angelegt werden, lenken den Grundlärm in verschiedene Richtungen und reduzieren ihn um bis zu zehn Dezibel — das bedeutet etwa eine Halbierung der Lautstärke für das menschliche Ohr.

Messungen ergaben, dass der Schallpegel in den Hügelketten der nahe gelegenen Ortschaft Hoofddorp um drei bis fünf Dezibel zurückgegangen ist. 

Der holländische Landschaftskünstler Paul de Kort war für die Gestaltung des Parks verantwortlich. Er konzipierte auf Basis der Theorie des deutschen Physikers Ernst Florens Chladni eine rautenförmige Anordnung von Furchen und Kämmen. Angelegt wurden diese mittels GPS. Zu dem bereits fertigen Landschaftspark, der von Besuchern öffentlich genutzt werden kann, sollen in den kommenden Jahren noch weitere Lärmdeiche rund um den Flughafen auf etwa 60 Hektar Land errichtet werden. 

Bisherige Messungen ergaben, dass der Schallpegel in den Hügelketten der nahe gelegenen Ortschaft Hoofddorp um drei bis fünf Dezibel zurückgegangen ist. Mit der Erweiterung des Landschaftsparks auf 60 Hektar erhoffen sich die Verantwortlichen dann auch die angestrebte Schallreduzierung von zehn Dezibel.