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Netzberühmt / Mareice Kaiser bloggt über Inklusion und spricht auf der re:publica

Elisabeth Rank 06.05.2015

Mareice Kaiser ist Journalistin und Mutter von zwei Kindern, eines davon behindert, das andere nicht. Auf Kaiserinnenreich.de bloggt sie über Inklusion und ihr Familienleben. Auf der re:publica hat sie zusammen mit dem Aktivisten Raul Krauthausen verschiedene europäische Projekte vorgestellt, die sich (digital) für Inklusion einsetzen. Für WIRED Germany hat sie den Netzberühmt-Fragebogen beantwortet.

WIRED: Welche App öffnest du morgens als erste?
Mareice Kaiser: Ein Wisch mit dem Zeigefinger von oben nach unten auf meinem Handy zeigt: Das Wetter und den ersten Termin. Dann miCal: alle Termine, Deadlines, Geburtstage. Danach Twitter. Wenn mir meine Töchter die Zeit lassen: Feedly, mein selbst kuratiertes Lieblingsmagazin.

WIRED: Wer bringt dich online zum Lachen?
Kaiser: Menschen. Oft mit Wortspielereien. Ich liebe Situationskomik — die funktioniert auch online.

Mich interessiert genauso, auf welchen Internetseiten der Typ aus meinem Späti um die Ecke unterwegs ist.

WIRED: Was hat das Internet dir beigebracht?
Kaiser: Viele Informationen über die Behinderungen und Krankheiten meiner großen Tochter. Ihr Papa und ich haben uns gerade in ihren ersten Lebensmonaten die Finger im Netz wund recherchiert, auf der Suche nach den passenden Diagnosen und Behandlungsmöglichkeiten — und damit den Weg zur lebensrettenden Operation geebnet.

 

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WIRED: Wessen Browser History würdest du gern mal einsehen?
Kaiser: Hm, da fällt es mir schwer, mich auf eine Person festzulegen. Ich bin total neugierig und interessiert an Menschen und ihren Geschichten, daher würde ich gern bei möglichst vielen Leuten mal über die digitale Schulter schauen. Klar ist es spannend wo Politikerinnen, Musikerinnen oder tolle Schriftstellerinnen surfen — aber mich interessiert genauso, auf welchen Internetseiten der Typ aus meinem Späti um die Ecke unterwegs ist.

WIRED: Wenn du einen Tag ohne Handy und Internet mit einer Person verbringen könntest, wen würdest du auswählen?
Kaiser: Mich selbst. Exklusive Zeit für mich ist sehr rar in meinem Alltag. Ich würde gern mal wieder einen ganzen Tag mit Nichtstun verbringen, nicht sprechen müssen, nicht organisieren müssen, einfach nur sein.

Klar, ein Leben ohne Instagram ist möglich. Aber mit ist es so viel schöner!

WIRED: Welche Playlist ist dir beinahe peinlich?
Kaiser: Peinlich ist mir wenig; wehmütig denke ich an die Playlists meines ehemaligen Radio-Podcasts „Willkommen bei Kaisers“. Bevor unsere Kinder auf die Welt kamen, führten mein Mann und ich ein kulturell bewegtes Leben. Unsere Sendung empfand ich als großes Privileg: Eine Stunde lang im Monat unsere Lieblingsmusik spielen und dazwischen Quatsch quatschen. Herrlich! Wenn daran überhaupt irgend etwas peinlich ist, dann vielleicht unser selbst produzierter Jingle.

WIRED: Welche App auf deinem Telefon ist eigentlich sinnlos — aber trotzdem wichtig für dich?
Kaiser: Instagram — wobei, sinnlos ist eigentlich nicht das richtige Wort. Klar, ein Leben ohne Instagram ist möglich. Aber mit Instagram ist es so viel schöner! Ich liebe es, die kleinen hübschen Details des Alltags mit anderen Menschen zu teilen, die sich so darüber freuen wie ich mich. Instagram ist mein Alltagsentschleuniger.

Ich wünsche mir Inklusion, online und offline. Unterschiede, die okay sind. Vielfalt, die allen gefällt.

WIRED: Wann hast du angefangen, Dinge online zu veröffentlichen?
Kaiser: Das war 2001 auf Jetzt.de — ich war dort Bloggerin, bevor ich wusste, was Blogs eigentlich sind. Bis kurz vorher hatte ich nicht einmal einen eigenen Computer, die digitale Welt habe ich eher spät entdeckt — dann aber mit Karacho! Jetzt.de war der Beginn meiner großen Internetliebe und gleichzeitig mein digitaler Café-Tisch, an dem ich Lieb- und Freundschaften geknüpft habe. Viele dieser langjährigen Netzbekanntschaften bereichern auch heute noch mein Leben, online und offline.

 

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WIRED: Wenn du dir eine Sache im Netz wünschen könntest, was wäre es?
Kaiser: Ich wünsche mir Inklusion, online und offline. Unterschiede, die okay sind. Vielfalt, die allen gefällt. Akzeptanz, von der sich jede_r akzeptiert fühlt. Eine digitale Gesellschaft mit Platz für jede_n.

WIRED: Was ist deiner Meinung nach die beste Erfindung ever?
Kaiser: Kommunikation finde ich ziemlich super. Ich bin gern im Austausch mit anderen Menschen. Durch die Geburt meiner taubblinden Tochter ist Kommunikation für mich noch mal um viele Facetten reicher geworden.

Mareice Kaiser bloggt auf Kaiserinnenreich.de und ist als @mareicares auf Instagram unterwegs.

In der letzten Folge „Netzberühmt“ ging es um einen roten Regenschirm mit 45.000 Followern auf Instagram.

Hier geht es zur re:publica-Berichterstattung von WIRED Germany. 

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