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Harry-Potter-Fanfilm: Beeindruckend, aber nicht perfekt

Michael Förtsch 15.01.2018 Lesezeit 3 Min

Der Fanfilm „Voldemort - Origins of the Heir“ soll eine Lücke in der Geschichte von Harry-Potter schließen. Das einstündige Prequel erzählt, wie Tom Riddle zu jenem dunklem Zauberer wurde, „dessen Name nicht genannt werden darf.“ Das Fan-Projekt ist beeindruckend, effektgeladen aber nicht gänzlich gelungen.

Das Harry-Potter-Universum ist schon längst über den Zauberer mit der Nickelbrille und der Blitz-Narbe hinausgewachsen. Denn J. K. Rowling's Wizarding World, so der offizielle Name des Fantasy-Franchise, ist angefüllt mit Figuren und Details, die es durchaus wert sind, erzählt und erforscht zu werden.

Den Anfang machte dabei die Phantastische-Tierwesen-Reihe, die es in den kommenden Jahren auf insgesamt fünf Teile bringen soll. Aber eine wirklich faszinierenden Teil der Geschichte wollten Fans selbst erkunden. Nämlich den Ursprung des dunklen Lords Voldemort und das Vorleben, der mit ihm verbundenen Charaktere der Harry-Potter-Saga. Zwei Jahre haben die Filmemacher dafür am Prequel-Film Voldemort: Origins of the Heir gearbeitet. Der ist nun auf Youtube erschienen.

Im Jahr 2016 hatten die Italiener Gianmaria Pezzato, Stefano Prestia, Martina Segatta und mehrere Mitstreiter mit ihrem Unternehmen Tryangle Films eine Crowdfunding-Kampagne für den Fanfilm gestartet. Die Idee dafür sei ihnen nach dem Lesen von Harry Potter und der Halbblutprinz, dem sechsten Romanband, gekommen. Die Kampagne wurde jedoch nach Einschreiten des Filmstudios Warner Bros. gestoppt. Allerdings konnten die Fans und Filmemacher nach eingehenden Gesprächen eine Übereinkunft treffen. Der Film dürfe unter bestimmten Rahmenbedingungen produziert und veröffentlicht werden. „Das Wichtigste ist: Wir können weitermachen“, sagte Gianmaria Pezzato kurz nach der Einigung. „Wir dürfen aber kein Geld mit dem fertigen Film verdienen – natürlich.“

Mit Voldemort: Origins of the Heir haben die Harry-Potter-Fans nun den fertigen Film veröffentlicht – und der ist durchaus sehenswert. Im Zentrum steht Gryffindor-Nachfahrin Grisha McLaggen. Sie ist auf der Suche nach ihrem ehemaligen Mitschüler Tom Riddle, den sie des Mordes an der Zauberin Hepzibah Smith verdächtigt. Erzählt wird diese Geschichte durch ein Verhör von McLaggen und zahlreichen Rückblenden in das Leben des späteren Voldemort. Das alles ist aufwändig produziert und mit viel Liebe zum Detail inszeniert. Vor allem die Kulissen, Kostüme und die Kameraarbeit sind durchaus beachtlich. Die Dialoge – ursprünglich in Italienisch gefilmt und in Englisch nach vertont – und das Schauspiel sind wiederum stellenweise recht holprig geraten. Bei einem Fan-Projekt kann man das durchaus verzeihen.

Die Reaktionen der Zuschauer scheinen recht gespalten. Auf Twitter und Youtube wird der Film für seine Ambitionen gelobt aber das Ergebnis auch harsch kritisiert. Ebenso fragen viele, ob die Harry-Potter-Schöpferin J.K. Rowling den Film bereits gesehen habe und wie ihre Meinung dazu sei. Aber bislang hat sich die britische Autorin nicht geäußert.