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E3 / Sonys letzter Wächter stiehlt allen die Show

Oliver Klatt 16.06.2015

Gefühle, Träume, Kreativität und sogar Intelligenz. Das waren die Schlüsselwörter bei der PlayStation-Pressekonferenz auf der Electronic Entertainment Expo (E3). Oft verkommen diese Begriffe bei solchen Events leider zu leeren PR-Phrasen. Zum Glück hatte Sony die richtigen Spiele mitgebracht, um zu beweisen, dass das Unternehmen nicht nur großspurig tut. „The Last Guardian“, „Uncharted 4“ und einen neuen Teil der „Shenmue“-Reihe.

Die eineinhalbstündige Präsentation auf der E3 begann mit einer Sensation. Als Shawn Layden von Sony Amerika das Lineup mit den Worten „Auf unser erstes Spiel des heutigen Abends wartet die Gamer-Gemeinde schon seit langem“ eröffnete, waren schon die ersten ekstatischen Jubelschreie aus dem Publikum zu hören. Und die Schreier sollten Recht behalten: „The Last Guardian“, das poetische Spiel über die Freundschaft eines kleinen Jungen zu einem großen gefiederten Fabeltier, wird 2016 endlich erscheinen. Der geistige Nachfolger zu Fumito Uedas Meisterwerken „Ico“ und „Shadow Of The Colossus“ war schon 2009 auf der E3 angekündigt und dann immer wieder verschoben worden. In einer siebenminütigen Gameplay-Demo ist nun zu sehen, dass es den beiden Hauptfiguren immer noch gut geht und wir schon bald mit ihnen durch verlassene Ruinen streifen dürfen.

Auch „Horizon: Zero Dawn“ von den „Killzone“-Machern Guerrilla Games setzt auf effektvolle Größenunterschiede. Das Game spielt viele Jahre nach dem Zusammenbruch der menschlichen Zivilisation. Unsere Städte sind Teil eines weltumwuchernden Dschungels geworden, und in der Rolle einer weiblichen Hauptfigur machen wir Jagd auf riesige Roboterdinosaurier. Genau: Roboterdinosaurier! Diese Verschmelzung von Natur und Technik gab es zwar schon einmal in ähnlicher Form in „Enslaved: Odyssey To The West“, aber in „Horizon: Zero Dawn“ wirkt das alles noch ausufernder, bedrohlicher und schöner.

Apropos ausufernd: Sean Murray von Hello Games spielte auf der Pressekonferenz kurz in das mathematisch generiertes Universum seines Weltraum-Games „No Man‘s Sky“ hinein. „Viele dieser Orte hat noch nie jemand besucht“, sagte er, als er die Ingame-Kamera immer weiter hinaus zoomen ließ und mehr und mehr Sonnensysteme und Galaxien das Bild füllten. „Und viele von ihnen wird auch nie jemand zu Gesicht bekommen.“ So viele Himmelskörper gibt es in „No Man‘s Sky“, dass es unmöglich ist, sie alle zu erforschen. Das Spiel war einer der Höhepunkte der E3 im vergangenen Jahr und wirkt aufgrund seiner schier unvorstellbaren Ausmaße immer noch beeindruckend. Dass Murray immer noch kein konkretes Erscheinungsdatum im Gepäck hatte, war allerdings eine kleine Enttäuschung.

Es folgte die Premiere von „Dreams“, einer Mischung aus Traumtagebuch und Puppentheater aus dem Hause Media Molecule. Obwohl bezüglich des Gameplays noch viele Fragen offen sind, scheinen die „Little Big Planet“-Entwickler mit ihrem neuen Spiel der eigenen Do-It-Yourself-Maxime treu zu bleiben. „In 2015 ist alles ein Remix“, sagte Game-Designer Alex Evans, als er auf der Bühne stand und zeigte, wie man in „Dreams“ eine dreidimensionale Gestalt in den Raum zeichnet. Weitere Erklärungen blieb er schuldig, aber die Aussicht auf einen neuen Bastelbaukasten von den britischen Videospielanarchisten ist durchaus vielversprechend.

Danach wurden noch zwei neue „Final Fantasy“-Spiele angekündigt — das niedliche „World Of Final Fantasy“ und ein Remake des siebten Teils. Auch das Independent Game „Firewatch“ wurde kurz vorgestellt. Und selbst Sonys Virtual-Reality-System Project Morpheus fand kurz Erwähnung, ohne dass jedoch auf einen Veröffentlichungszeitpunkt eingegangen wurde. Und dann das: Sonys Adam Boyes bat Yu Suzuki auf die Bühne — den Erfinder von „Shenmue“.

Einige Zuschauer hielt es nicht mehr auf den Sitzen. Die Blicke waren ungläubig bis entgeistert, gehört die japanische Action-Reihe doch zu den beliebtesten Videospielserien überhaupt. „Shenmue 2“ erschien jedoch schon vor zwölf Jahren, mit einer weiteren Folge hatte kaum noch jemand gerechnet. Doch Suzuki zählte gemeinsam mit dem Publikum einen Countdown herunter, und dann war sie eröffnet, die Kickstarter-Kampagne für „Shenmue 3“, das für Playstation 4 und PC erscheinen soll. Nach der Ankündigung von „The Last Guardian“ war das der zweite wirklich bewegende Moment des Abends. Den anvisierten Betrag von zwei Millionen Dollar hat Suzuki jetzt, weniger als einen Tag nach der Bekanntgabe, übrigens schon in der Tasche.

Den krönenden Abschluss bildete dann noch ein langer Gameplay-Abschnitt aus Naughty Dogs 2016 erscheinendem „Uncharted 4: A Thief‘s End“, in dem das Spiel ganz wunderbar aus dem Ruder läuft. Aber das seht ihr euch besser selbst an:

Die wichtigsten E3-Neuigkeiten vom Sony-Konkurrenten Microsoft findet ihr hier

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