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Flexibles Arbeiten: Wir wollen Freiheit, keinen festen Platz

Stefam Adrian 26.05.2017

Digitalnomaden erwarten flexible Arbeitszeiten und suchen Jobs, die ihnen reichlich Freiheit lassen. Ist das zu viel verlangt?

Dieser Artikel erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe des WIRED Magazins im Juni 2017. Er ist Teil des Zukunft-der-Arbeit-Spezials in dieser Ausgabe. Wenn ihr die Ersten sein wollt, die einen WIRED-Artikel lesen, bevor er online geht: Hier könnt ihr das WIRED Magazin testen.

Die Teeküche dient als Social Hub, Schreibtischgruppen heißen Accomplish Spaces, und für 1900 Mitarbeiter gibt es gerade mal 1100 Arbeitsplätze: Das ist die neue Microsoft-Zentrale in München-Schwabing. Der US-­Konzern hat sich hier im Herbst 2016 ein Büro gebaut, das zu dem passt, was theoretisch schon lange galt: Mitarbeiter dürfen arbeiten, wann und wo sie wollen. Für Magdalena Rogl, Head of Digial Channels, war das der entscheidende Faktor, „warum ich mich für Microsoft entschieden habe“. Als Mutter von vier Kindern hilft die Freiheit ihr dabei, ihren Vollzeitjob und Familie besser zu vereinen.

Ohnehin ist vielen Menschen die Gleichung „Arbeit gegen Geld“ zu simpel geworden. Sie wollen arbeiten, wo sie sich verstanden fühlen und ihre Zeit sinnvoll einsetzen können. Das stellen auch andere Unternehmen fest: „Sieben von zehn Kandidaten verlangen von uns flexible Arbeitszeiten und flexible Arbeitsorte“, sagt Nanne von Hahn, Personalchefin bei Telefónica Deutschland. 

Microsoft-Mitarbeiter können sich  jeden Morgen einen neuen Arbeitsort suchen, ob Schreibtisch, Sofa oder Café

Dennoch bleibt Home Office für die meisten Deutschen die Ausnahme. Nur zwölf Prozent aller Angestellten genießen diese Freiheit, so das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Allerdings bedeuten Deadlines, die mit ins Wohnzimmer kommen, auch: nie mehr Ruhe vor dem Job. In einer Studie der Internatio­nalen Arbeitsorganisation klagten 42 Prozent der Mobilarbeiter über Dauerstress und Schlaflosig­keit. 

Mag sein, dass das Ideal in der Mitte liegt: ein paar Tage hier, ein paar Tage da. „Wir wissen, dass das Home Office die Zukunft ist“, sagt Tim Weitzel, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität Bamberg. „Es gibt aber auch Grenzen. Wichtige, kreati­ve Jobs passieren eben nur Schulter an Schulter mit anderen.“

Auch darum versuchen Unternehmen ihre Großraumbüros in Wohlfühllandschaften zu verwandeln: Architekten, Gehirnforscher und Soziologen bemühen sich, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, die Teamwork über Hierarchien stellt. Microsoft hat für die neue Zentrale mit dem Fraun­hofer Ins­titut zusammengearbeitet. Mit­arbeiter wurden früh einge­bunden, Auswertungen ihrer Chip­karten haben gezeigt, dass selten mehr als 1100 Personen gleichzeitig im Haus sind. 

Die können sich nun jeden Morgen einen neuen Arbeitsort suchen, ob Schreibtisch, Sofa oder Café. Um sich gegenseitig zu finden, können Mitarbeiter freiwillig ihren Standort im Gebäude signalisieren. Und es gibt ein paar sogenannte Anchor Areas: Die Personalabteilung findet sich verlässlich im ersten Stock, Rogls Kommunikationsabteilung im dritten – „aber ich arbeite auch oft im Café“. Das wurde vor Kurzem wieder umgebaut: Die Mitarbeiter wünschten sich – so die Ergebnisse der ersten Befragung nach dem Einzug – noch etwas mehr Gemütlichkeit.

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