/Kolumne

Digitale Wünsche für 2018: „Ändert das WhatsApp-Logo!“

Johnny Haeusler 28.12.2017 Lesezeit 4 Min

Skalierende mobile Betriebssysteme, Verschlüsselung für alle und IoT-Transparenz: Unser Kolumnist Johnny Haeusler hat Ideen und Vorschläge für Entwickler zusammengetragen. Eine Wunschliste.

Die Weihnachtszeit im etwas größeren Familienkreis bedeutet auch immer spannende Einblicke in das Online-Nutzungsverhalten der Anderen. Natürlich hing die Hälfte der Anwesenden dauernd überm Smartphone. Während das aber vor drei Jahren die Jugendlichen waren, sind es nun eher die Senioren, die sich gegenseitig ihre Geräte erklären oder wahlweise uns oder die Enkel um Hilfe bitten.

Dabei fällt mir immer wieder auf, wie unlogisch unsere Geräte bzw. deren Betriebsysteme und andere Software an vielen Stellen sind, und wie schwierig es ist, kompletten Neueinsteigern die Semantik von Computern nahezubringen. Dass eine „App“ auf dem Mobilgerät das Äquivalent zum „Programm“ auf dem PC ist und dass alles „Software“ ist; worin sich E-Mail, SMS, Messenger-Nachrichten und Chats in anderen Apps unterscheiden und dass es daher nicht bedeutet, dass man jedem anderen Menschen auf jedem Kanal Nachrichten senden kann; wo Bilder gespeichert werden (können), wie man von wo aus dann wieder Zugriff darauf hat und was man tut, wenn der Speicher voll ist … das alles ist wirklich kompliziert, wenn man es mal jemandem erklären muss, der nicht vorher schon zwei oder mehr Jahrzehnte mit Computern verbracht hat. Und wenn man dann eine halbe Stunde lang versucht hat, jemandem die Unterschiede und Notwendigkeiten von SIM- und Geräte-PINs zu erläutern, der oder die nicht mal wusste, dass sich im Gerät eine SIM-Karte befindet und wozu sie gut ist und warum das auch noch nötige WLAN-Passwort bei jedem WLAN ein anderes ist, aber nur einmal eingegeben werden muss, es sei denn … Naja. Wie gesagt. Ganz schön kompliziert.

Johnny Haeusler ist Blogger, Mediendesigner und Mitgründer der re:publica. Für WIRED geht er der Frage nach, ob es  an der Zeit ist, die Rechner abzuschalten, oder ob wir stattdessen mehr Software in unserem Leben brauchen.

Nicht nur deshalb habe ich viele Wünsche für die kommenden Jahre, was unsere digitale Umgebung angeht. Hier sind einige davon. Ich wünsche mir:

Skalierbare mobile Betriebssysteme
Generell halte ich iOS für wesentlich logischer, einfacher und einsteigerfreundlicher aufgebaut als Android. „Kauf dir ein iPhone“ ist aber kein sinnvoller Rat für ältere Menschen, die nicht mehr als 150 Euro für ein Smartphone ausgeben können oder wollen und deren Bekanntenkreis aus Android-Nutzerinnen und Nutzern besteht.

Und meine Güte, ändert das verwirrende App-Icon von Whatsapp.

Ich wünsche mir daher skalierbare oder selbst skalierende mobile Betriebssysteme, welche die Inhaber von Geräten Schritt für Schritt an die Welt der Datenkommunikation heranführen und komplexere Funktionen erst dann freischalten, wenn Grundlagen bereits beherrscht werden. Also quasi ein mit den Nutzern wachsendes eingebautes Tutorial.


Plattformübergreifende Lösungen für Accounts
Mittlerweile muss man sich ja nicht nur für jede zweite Website, sondern selbst für eine Kreuzworträtsel-App ein eigenes Konto einrichten. Das nervt und verwirrt. Authentifizierungslösungen wie OAuth sind toll, in der Praxis aber nicht immer ganz einfach, und nicht jeder möchte sich über Facebook oder Google bei dritten Diensten anmelden. Wirklich in die Geräte bzw. Betriebssysteme integrierte Lösungen mit einem einzigen Passwort für alles wären hilfreich und könnten die Kontrolle der Nutzerinnen und Nutzer erhöhen.

Integrierte Lösung für Mails/ Aufgaben/ Kalender
Gleiches gilt für Nachrichten, Kalender, Adressverwaltungen und Aufgaben, also alle „Büro“-Lösungen. Im Grunde basiert ja schon vieles auf offenen Protokollen, wer aber bspw. mal versucht hat, seine Google-Lösungen teilweise oder ganz zu anderen Anbietern umziehen zu lassen, der weiß, wie komplex das alles immer noch ist.

Verschlüsselung für alle (Mails, Speicher)
Verschlüsselung aller Kommunikation als Default, als Voreinstellung. Das sollte Standard sein.

IoT-Transparenz
Amazons Echo soll zu den meistgekauften Weihnachtsgeschenken gehören, Google Home wird nachziehen und mal sehen, was Apples HomePod inklusive Siri bringt. Hinzu kommen No-Name-Geräte im IoT-Bereich, bei denen keine Updates vorgesehen und möglich sind und die anfällig für Angriffe von außen sind.

Sprachsteuerung und Heim-Automatisierung scheinen nicht mehr aufzuhalten zu sein, auch wenn die Technologien Menschen wie mir unnütz bis lächerlich erscheinen mag. Viel schlimmer ist aber die fehlende technische Transparenz bei den Systemen und unklare Zuständigkeiten im Fall von Datenmissbrauch oder Attacken. Wäre das Internet der Dinge nicht so ein Chaos, könnte es vielleicht einige der oben beschriebenen Einstiegsprobleme für Nutzer lösen.

Derzeit aber erwarte ich für 2018 eher erste Katastrophenmeldungen im Zusammenhang mit Sprachsteuerung und Heimautomatisierung als hilfreiche Verbesserungen. Genau diese braucht es aber.

Meine Bitte an alle Entwicklerinnen und Entwickler und Unternehmen ist daher: Beschäftigt euch mehr mit Einsteigern, seht Anfängerinnen und Anfängern beim Nutzen eurer Software und Geräte zu, vereinfacht die Metaphern und die Semantik und erhöht die Transparenz.

Und meine Güte, ändert das verwirrende App-Icon von Whatsapp. Da ist immer noch ein Telefonhörer von 1925 drauf. Danke.​