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In Argentinien mischt ein fiktiver Kandidat den Wahlkampf auf

Michael Förtsch 23.10.2015

In Argentinien laufen die Kampagnen für die kommenden Präsidentschaftswahlen. Ein Kandidat wird dabei mit witzigen Forderungen und kuriosen Versprechungen langsam zum Internetstar. Das Problem: Er existiert gar nicht.

Die Straßen von Buenos Aires sind aktuell mit zahllosen Plakaten von lächelnden Männern und Frauen gepflastert. Im Fernsehen laufen Wahlwerbespots rauf und runter. Und auch im Radio kommt man an mit geölter Stimme vorgetragenen Versprechen nicht vorbei. In dem südamerikanischen Staat stehen die Präsidentschaftswahlen an. Dabei drängt sich derzeit vor allem ein Name für die potentiellen Wähler in den Vordergrund: Omar Obaca. Der strahlende Kerl mit dem Muhammad-Ali-Blick gewinnt viele Anhänger — vor allem im Netz. Er will der erste schwarze Präsident des Landes werden.

In kurzen Clips des Online-TV-Senders FWTV und auf Facebook fordert der Politiker mit afrikanischen Wurzeln zum „Netflix für alle“ und regt an, die Staatsschulden an China in Form von Karamellbonbons zurückzuzahlen. Auch sollen Lehrer seiner Meinung nach mindestens das Doppelte eines Drogendealers verdienen und Ehen ein Ablaufdatum bekommen. Die Videos sind eine Sensation, zählen stellenweise mehr als sieben Millionen Views. Zu schade, dass der Kandidat nicht gewinnen kann. Denn all das ist nur Satire. Omar Obaca existiert nicht. Er ist die Erfindung einer Werbeagentur und wird vom Schauspieler Marcos Moreno Martínez verkörpert.

Der fiktive Kandidat soll den Wahlkampf in Argentinien und die politischen Kampagnen der US-Amerikaner persiflieren. Vor allem Barack Obamas „Change“-Slogan hat den Pseudo-Politiker inspiriert. Damit regt Obaca gleichzeitig eine Debatte über die Situation und Darstellung von Schwarzen in Argentinien an, die eben nur selten in hohen gesellschaftlichen Positionen oder den Medien zu finden sind. „Ich bin schwarz. Schaut, ich bin wie Obama. Vielleicht ist das gut.“, fasst Obaca-Erfinder Sebastián Rodas von der Agentur NAH die ebenso simple wie kontroverse Idee in der New York Times zusammen.

Tatsächlich erntet die Satire sowohl großen Zuspruch als auch heftige Kritik. Einerseits heißt es, durch Obaca werde die öffentliche Präsenz der schwarzen Bevölkerungsteile gestärkt. Gleichzeitig sei er jedoch auch ein schreckliches Stereotyp, das Vorurteile schüre. Am Zuspruch für den ausgedachten Möchtegern-Präsidenten ändert all das jedoch nichts. Würde er tatsächlich für die Wahl am Sonntag bereitstehen, könnte Omar Obaca vielleicht nicht gewinnen, aber doch einen großen Teil der Stimmen für sich verbuchen. 

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