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App-Umfrage: Knapp 60 Prozent der Fans wollen, dass FIFA-Präsident Blatter heute geht.

Dominik Schönleben 29.05.2015 Lesezeit 3 Min

Knapp 20 Millionen Euro ließ sich die FIFA 2013 den Kinofilm „United Passions“ kosten. Das entsprach so ziemlich genau dem Betrag, den die FIFA in ihrem Goal Programm für die Förderung des Fußballs ausgab. Im Film spielt Schauspieler Tim Roth den FIFA-Präsidenten Joseph Blatter, der die Organisation aus dem beinahe finanziellen Ruin zum Weltruhm führt. In den Kinos war „United Passions“ ein Flopp: Nicht einmal 140.000 Euro spielte der Film ein. Ein Jubel-Streifen, der nur wenig mit der Realität zu tun hat.

Fast schon zynisch mahnt Blatter in einer zentralen Szene des Films die FIFA-Funktionäre vor Korruption: „Jegliche ethischen Verstöße werden hart bestraft“, droht er den Marketing-Chefs im Meeting  — die Logos von Adidas und Coca-Cola prominent im Bild.

Am Mittwoch morgen betraten Polizisten in Zivil ein Fünfsterne-Hotel in Zürich und nahmen fünf FIFA-Funktionäre fest. Insgesamt 14 Personen wurden angeklagt. Sie sollen seit 1991 Bestechungsgelder für die Vergabe von Vermarktungsrechten angenommen haben, die sich auf mehr als 150 Millionen Dollar belaufen sollen.


Joseph Blatter, der seit 1998 FIFA-Präsident ist, gehört nicht zu den Angeklagten. Fragwürdig bleibt, ob es angesichts der Korruptionsvorwürfe sinnvoll ist, ihn heute als Präsident zum fünften Mal wiederzuwählen. Bisher galt Blatter innerhalb der FIFA als gesicherter Favorit für die Wiederwahl, was sich wohl auch trotz des Skandals nicht ändern wird. Fußball-Fans sehen das jedoch anders.

In einer Umfrage von Transparency International, die über die Forza Football App durchgeführt wurde, sprachen sich 83 Prozent gegen die Wiederwahl von Joseph Blatter aus. 69 Prozent gaben an, ihr Vertrauen in die FIFA verloren zu haben. Befragt wurden dabei mehr als 35.000 Fußball-Fans in 30 Ländern.

Haben Sie Vertrauen in die FIFA?

59,1 Prozent der Fans wünschen sich Luis Figo als neuen FIFA-Präsidenten.

Nur knapp 2,2 Prozent würden Joseph Blatter gerne weiterhin als FIFA-Chef behalten. 59,1 Prozent sähen hingegen lieber den ehemaligen portugiesischen Fußballspieler Luis Figo als neuen FIFA-Präsident. Dieser hatte aber bereits am 21. Mai seinen Kandidatur zurückgezogen — vermutlich, um die Chancen von Prinz Ali bin al-Hussein, dem Präsidenten des Jordanischen Fußballverbandes, zu erhöhen. Den sahen Fans mit 5,3 Prozent der Stimmen aber nicht als Alternative, sondern sie würden lieber UEFA-Funktionär Michael van Praag als neuen FIFA-Chef sehen. Dieser erhielt 8,7 Prozent der Stimmen.

Es gibt mehrere Gründe, die gegen die Wiederwahl von Blatter und die Fortsetzung seiner Führungsmethoden sprechen: Trotz der Unregelmäßigkeiten während der Gebote zur Vergabe der WM 2018 und 2022, weigerte sich die FIFA, einen vollständiger Report dazu zu veröffentlichen. Die Gehälter der Funktionäre sind geheim und große Teil der Umsätze der FIFA werden nur als Pauschale angegeben. Umsätze, die die FIFA von den Gastgeberländern erhält, sind stets steuerfrei. Alles Geschäftspraktiken, die wenig vertrauenserweckend wirken.

 

Während die FIFA sich selbst als gemeinnütziger Verein für die Förderung des weltweiten Fußballs darstellt, sind ihre Methoden äußerst fragwürdig. Am Ende des Films „United Passions“ inszeniert die FIFA Blatter als Held: Zusammen mit Nelson Mandela reißt er den Weltmeister-Pokal in die Luft. Die beiden Präsidenten feiern zusammen die Vergabe der Weltmeisterschaft an Südafrika. Doch Blatter hat nicht wie im Film propagiert die Korruption eingedämmt — die FIFA scheint heute kaputter als vor seinem Amtsantritt.