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Whispar ist Tinder für die Ohren

Georg Räth, Gründerszene 16.11.2016

Bei der Dating-App Whispar gibt es keine Textnachrichten. Wer flirten will, muss zur eigenen Stimme greifen. Denn nur das sei authentisch, sagt Gründer Florian Gutmann im Interview.

Dating-Apps wie Tinder sind zu oberflächlich, meint Florian Gutmann. Der Österreicher hat die App Whispar entwickelt, bei der die Kommunikation über Sprache läuft. Wer sich anmeldet, muss ein Audioprofil von 30 Sekunden erstellen. Erst danach wird geflirtet – ausschließlich per Stimme.

Florian Gutmann ist Gründer und Technik-Chef der Talk4Date GmbH, die Whispar entwickelt. Zuvor war Gutmann als Softwareentwickler selbständig und für mehrere Unternehmen tätig. Seine derzeitige App verzeichne über 30.000 Downloads und wachse um mehrere hundert Nutzer pro Tag, so Gutmann. Das größte Wachstum erreiche man durch persönliche Weiterempfehlung. Der Gründer im Gespräch.

Florian, es gibt unzählige Dating-Apps. Wieso hast du eine weitere entwickelt?
Ich bin Gründer mit Leib und Seele und setze gerne meine eigenen Ideen um. Die Thematik spielt weniger eine Rolle. Gemeinsam mit Freunden bin ich auf die Idee zu Whispar gekommen. Es ist naheliegend, wieder miteinander zu reden, denn das geht online unter.

Wie genau funktioniert deine App?
Man meldet sich bei der App an, nimmt ein bis zu 30-sekündiges Audioprofil auf und bekommt danach andere User präsentiert, von denen man jeweils die Audios anhören kann. Danach ist das Bild des Nutzers sichtbar, das vorher nur schematisch zu sehen war. Anschließend können die Nutzer kostenlos Sprachnachrichten versenden.

Nutzer erzählen, dass sie erst über ihren Schatten springen mussten, ihre Stimme und damit etwas von sich preis zu geben.
Die Schwelle ist natürlich höher als bei anderen Apps, wo man nur ein Foto hochlädt, das ist man heutzutage bereits gewöhnt. Aber die gesamte Entwicklung läuft gerade darauf hinaus, wieder mit dem Handy zu sprechen. Etwa mit den Sprach-Assistenten von Apple oder Google.

Und wie verdient ihr Geld?
Man kann über die App anonym telefonieren. Dafür muss man Premium-Mitglied sein. Damit verdienen wir Geld.

Wie sieht es mit Fake-Profilen aus? Das dürfte mit Sprache deutlich schwerer funktionieren.
Es stimmt, die Stimme bietet extrem viel Sicherheit und Ehrlichkeit. Hinter der Stimme kann man sich nicht verstecken.

Willst du mit Whispar zurück zu den Wurzeln der Kommunikation?
Natürlich hat moderne Technik wie das Smartphone unsere Idee erst ermöglicht. Aber wir wollen die Leute ins echte Leben zurückbringen. Wir wollen, dass die Leute direkt miteinander kommunizieren.

Ist Dating nicht nur ein sehr spezieller Teil der Kommunikation?
Das stimmt, aber gerade beim Dating ist es wichtig, die andere Person authentisch kennenzulernen. Tinder beispielsweise ist sehr oberflächlich, eine Person ist wisch und weg. Wir wollen die Kommunikation tiefgründiger machen.

Ihr sagt, dass man sich in die Stimme verlieben kann. Gibt es dafür einen wissenschaftlichen Ansatz?
Erst kürzlich haben wir eine Studie zu diesem Thema beauftragt. Das Ergebnis besagt, dass 83 Prozent der Deutschen finden, dass die Stimme großen Einfluss beim Kennenlernen eines Menschen hat und viel mehr über einen Menschen verrät als reine Äußerlichkeiten. 86 Prozent der Deutschen denken dabei sogar, dass man sich in eine Stimme verlieben kann. Aber natürlich geht es nicht nur um die Stimme, sondern auch das Gespräch und den Inhalt.

Ihr seid besonders in Österreich aktiv. Wollt ihr expandieren?
Wir kommen aus Österreich, haben aber auch schnell in Deutschland angefangen. Als nächsten Schritt wollen wir nach Tschechien und in die Slowakei. Danach werden wir die App weiter in Europa ausrollen.

Warum geht ihr mit Whispar nicht direkt in einen großen Markt wie die USA?
Grundsätzlich funktioniert das, aber gerade bei Dating braucht man eine gewisse Masse von Nutzern in einem Gebiet. Es bringt nichts, dort fünf Nutzer zu haben, weil sich die Leute sonst nicht gegenseitig finden. Das ist natürlich mit Marketing verbunden und für ein kleines Unternehmen wie unseres gerade noch zu schnell.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Gründerszene.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Gründerszene.
Das Original lest ihr hier.

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