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Gaming für die Ohren: Das Hörspielexperiment „BLOWBACK“ versetzt seine Zuhörer ins Jahr 2047

Oliver Klatt 16.01.2015 Lesezeit 3 Min

Wer heute noch das Wort Hörspiel hört, denkt mit hoher Wahrscheinlichkeit an die Audiokassetten aus dem Europa-Verlag. An „Fünf Freunde“, „Die drei ???“ oder „TKKG“. Aber auch wenn digitale Podcasts und Audiobooks das Magnetband längst abgelöst haben: Im Radio gibt es immer noch interessante Hörspielexperimente. Eines davon ist „BLOWBACK“, es macht die Audio-Geschichte zum interaktiven Spiel.

Vor allem die Hörspielabteilung des Deutschlandradios hat in den vergangenen Jahren mit Projekten wie „Blogspiel“, „Wurfsendung“ oder „Radioortung“ immer wieder versucht, dem angestaubten Format neues Leben einzuhauchen. Unter der Regie von Elizabeth Putz startet nun auf Deutschlandradio Kultur in der Nacht zum Montag der neueste Versuch: „BLOWBACK“ wurde von Elodie Pascal („La vie en vogue“) geschrieben und nimmt die Zuhörer mit ins Jahr 2047 — eine Zeit, in der erbitterte Kriege um die letzten Trinkwasservorräte geführt werden und Großkonzerne Wasser zu Wucherpreisen verkaufen. Der Detektiv Dereo Durand (gesprochen von Manfred Lehmann, der Synchronstimme von Bruce Willis) und die Journalistin Julia Khourim (Maryam Zaree) machen sich auf die Suche nach einer Geophysikerin, die ein verborgenes Süßwasserreservoir aufgespürt hat und seit Tagen spurlos verschwunden ist.

So sieht die Navigation auf dem iPhone aus.

BLOWBACK ist zur einen Hälfte Hörspiel und zur anderen akustisches Videospiel.

Das Besondere daran: „BLOWBACK“ ist zu einer Hälfte Hör- und zur anderen Hälfte akustisches Videospiel. Die einstündige Audio-Geschichte „BLOWBACK/DER AUFTRAG“ führt die Zuhörer zunächst in die Geschichte ein und macht sie mit den Hauptfiguren vertraut, lässt jedoch Fragen offen. Im Mobile-Game „BLOWBACK/DIE SUCHE“, das zunächst nur für das iPhone, später auch für Andoid-Geräte erscheint, wird die Geschichte dann weitererzählt.

Entstanden ist das Spiel in Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe Creative Media der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. „Die Idee war, ein Crossmedia-Projekt für Radio und Handy zu entwickeln“, sagt Redakteurin Katrin Moll, die für das Konzept von „BLOWBACK“ verantwortlich ist. „Wir wollen Hörer des klassischen linearen Hörspiels dazu animieren, zum Handy zu greifen und etwas Neues zu probieren — und auf der anderen Seite Gamer und eine jüngere Zielgruppe zum Radio bringen.“

Der Spieler muss das Innere eines Unterwasserhotels erkunden.

Man orientiert sich ausschließlich anhand des Gehörs, das Spiel verzichtet weitgehend auf Game-Grafik.

In der Rolle der Journalistin Julia Khourim bewegt sich der Spieler von „BLOWBACK/DIE SUCHE“ durch die Stockwerke des in der Nordsee gelegenen Unterwasserhotels Dimah, in dem schreckliche Dinge geschehen. Dabei muss man sich ausschließlich anhand des eigenen Gehörs orientieren. Denn ähnlich wie die Audiogames „Blindside“ oder „Zombies, Run!“ verzichtet auch „BLOWBACK“ weitgehend auf Game-Grafik. Stattdessen setzt es auf die Vorstellungskraft des Spielers, die durch Geräusche und Stimmen angeregt werden soll.

„Ein lineares Hörspiel eignet sich gut, um Figuren plastisch auszuerzählen und eine Geschichte mit Hilfe der klassischen Dramaturgie voranzubringen“, erklärt Moll den Unterschied zwischen Hörspiel und Audiogame. „Der fragmentarische Erzählcharakter von ,BLOWBACK/DIE SUCHE‘ ermöglicht dagegen ein spielerisches Entdecken der Räume, in denen ich mich als Spieler frei bewegen kann. Ich tauche ein in die Welt des Hörspiels und richte mein Handeln danach aus, was ich höre und wo ich die Geräusche orte.“ Das Handy wird dabei zum Controller — und der eigene Orientierungssinn auf die Probe gestellt.

„BLOWBACK/DER AUFTRAG“ läuft in der Nacht zum Montag, 19. Januar, um 00:05 Uhr im Deutschlandradio Kultur. Die App „BLOWBACK/DIE SUCHE“ wird es kurz vorher im AppStore geben. Bis dahin kann man sich hier als Testspieler anmelden.