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Reise ins Nichts: Das Game „Last Voyage“ ist eine Hommage an Stanley Kubricks „2001“

Oliver Klatt 31.03.2015

Ein nicht enden wollender Farbenstrom und abstrakte Formen im All: Der letzte Akt aus Stanley Kubricks „2001: A Space Odyssey“ ist heute noch genau so schön und rätselhaft wie zur Premiere des Films im Jahre 1968. Das kanadische Entwicklerstudio Semidome hat sich von der psychedelischen Sequenz zu einem Videospiel inspirieren lassen.

Das erste Kapitel von „Last Voyage“ trägt den Namen „Astral“. Zum langsam anschwellenden Klang eines Synthesizers werden vom Spieler darin im leeren Raum schwebende Würfel und Säulen gedreht, Linien und Figuren vervollständigt. Die Farben sind warm, die Bewegungen langsam und fließend. Erinnerungen an den geheimnisvollen schwarzen Monolithen aus „2001“ werden wach. Doch schon im folgenden Kapitel nimmt „Last Voyage“ an Fahrt auf. Genau abgestimmt auf das Tempo des rhythmischen Soundtracks rast man nun durch aus einfachen geometrischen Formen gebildete Tunnel und weicht Hindernissen aus. Das Puzzle- wird plötzlich zum Action-Spiel.

Dieser Reiseabschnitt von „Last Voyage“ hat tatsächlich bewusstseins-verändernde Qualitäten

Dass derartige Genrewechsel innerhalb ein und desselben Videospiels Risiken bergen, war den Machern bewusst. Nicht jeder, der gern ohne Zeitdruck an Raumrätseln herumknobelt, stellt auch gern sein Reaktionsvermögen unter Beweis. Das eine entspannt, das andere stresst. „In Filmen ist ein solcher Tempowechsel eine Selbstverständlichkeit“, rechtfertigt Behrad Ghadiri von Semidome die Designentscheidung. „Jedes Kapitel von ,Last Voyage‘ verfügt über einen eigenen Stil und eine eigene Spielmechanik. Auf ihrer Reise werden die Spieler deshalb immer wieder davon überrascht, auf welche Art sie mit der Welt interagieren können.“ 

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Neben Kubricks Sci-Fi-Klassiker nennt Ghadiri auch die Filme „Stalker“ von Andrei Tarkowski, „The Fountain“ von Darren Aronofsky und Terrence Malicks „The Tree of Life“ als Inspirationsquellen. Die Musik wiederum, die parallel zum Spiel entstanden ist, hat dem „Blade Runner“-Score von Vangelis und den Kompositionen von Philip Glass für den Dokumentarfilm-Klassiker „Koyaanisqatsi“ viel zu verdanken.

All diesen Filmen gemein: Eine nachdenkliche Grundstimmung, die in Videospielen eher selten anzutreffen ist. „Ich wollte schon immer ein Science-Fiction-Game über den Weltraum entwickeln, in dem kein einziges Raumschiff vorkommt“, sagt Ghadiri. „Es soll eine Erfahrung sein, die sich keiner Zeitperiode zuordnen lässt und sich durch und durch fremdartig anfühlt. Als ginge man über den Friedhof einer uralten, uns weit überlegenen Zivilisation.“

Zu diesem Anspruch passt es auch, dass „Last Voyage“ in seiner grafischen Abstraktion und spielerischen Schlichtheit eher einer interaktiven Meditation anstatt einem herkömmlichen Game gleichkommt. Die Herausforderungen, die es an den Spieler stellt, sind denkbar einfach zu meistern. Die Dauer ist mit nur fünf Leveln und rund 15 Minuten Spielzeit vergleichsweise kurz. Ob man dafür zwei Euro ausgeben möchte, hängt von den eigenen Vorlieben und Wertvorstellungen ab.

Wir jedenfalls hätten uns gewünscht, dass der vierte Level des Spiels, in dem man wie Astronaut David Bowman in „2001“ durch einen Farbenrausch fliegt, als Endless Runner aus Ego-Perspektive konzipiert worden wäre und nicht schon nach wenigen Minuten vorüber ist. Denn dieser Reiseabschnitt von „Last Voyage“ hat tatsächlich bewusstseinsverändernde Qualitäten, die dem filmischen Vorbild in nichts nachstehen.

„Last Voyage“ erscheint am 2. April für iOS.

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