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Früher haben uns Computerviren noch auf LSD-Trips geschickt – hier der Beweis

Benedikt Plass-Fleßenkämper 09.02.2016

Wo Malware-Angriffe heute still und heimlich im Hintergrund ablaufen, waren die Virenattacken der Heimcomputer-Frühzeit oft kunstvolle Werke voll Anarcho-Humor. Das „Malware Museum“ entführt einen jetzt in die bizarre Welt der MS-DOS-Malware der 80er und 90er Jahre — natürlich ohne Gefahr für den heimischen Rechner.

Mikko Hypponen, Chief Research Officer beim finnischen IT-Sicherheitsunternehmen F-Secure und der Computer-Historiker Jason Scott, Kurator des Internet Archive, haben mit dem „Malware Museum“ eine Sammlung historischer Computerviren der 80er und 90er Jahre ins Netz gestellt.

Wie kreativ Hacker zu Zeiten des Betriebssystem MS-DOS und 8-Bit-Videospielen waren, davon kann man sich anhand der bislang 65 Viren und Schadprogramme, die bisher „ausgestellt“ sind, überzeugen. Mithilfe des Browser-Emulators DOSBox erleben Besucher des Online-Museums Malware exakt so, wie sie damals die User plagte. Die meisten der Viren stammen aus dem Privatarchiv von Hypponen, die schädlichen Programmteile wurden selbstverständlich entfernt.

LSD.COM macht seinem Namen alle Ehre.


Die Oldie-Viren zeigen auf beeindruckende Weise, wie sich ihre Erfinder damals um Einfallsreichtum bemühten und auch nicht verlegen waren, ihre Hacker-Erfolge stolz herauszuposaunen. Das Angebot reicht vom psychedelischen LSD.COM mit seinen animierten Regenbogenfarben, über GIFs wie in MARINE.COM oder ZHU.COM bis hin zum mit fiesem Piep-Sound unterlegten TECHNO.COM oder dem „Legalize Cannabis“-Slogan von COFFSHOP.COM.

Die Entwickler von TECHNO.COM huldigten offenbar ihrer Lieblingsmusik.

Einer der gemeinsten, aber gleichzeitig auch originellsten, der im „Malware Museum“ gezeigten Viren ist Q CASINO.COM — laut dem Guardian der persönliche Favorit von Hypponen und Scott.

Heute ist es lustig, damals waren die User vom Casino-Virus weniger begeistert.


Das Virus zerstörte seinerzeit die Daten auf der Festplatte des Nutzers, speicherte diese zuvor aber noch einmal im Arbeitsspeicher zwischen. Der User wurde aufgefordert, eine Partie Jackpot an einem simulierten Spielautomaten zu zocken, um seine Daten in einer „letzten Chance“ doch noch zu retten. Was natürlich völlig umsonst war, denn am Ende bekam man die hämische Nachricht „HA HA!! You assholes. You’ve lost: say Bye to your Balls“ zu sehen.

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