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Ein Chatbot hilft bei Klagen gegen den Finanzdienstleister Equifax

Benedikt Plass-Fleßenkämper 12.09.2017 Lesezeit 2 Min

Es war einer der größten Hacks der Geschichte: Dem Finanzdienstleister Equifax wurden Daten von über 143 Millionen US-Amerikanern gestohlen, darunter Sozialversicherungs-, Kreditkarten-, und Führerscheinnummern. Nun soll ein umprogrammierter Chatbot den Bürgern bei der Klage gegen den Konzern helfen.

Eigentlich hilft der Chatbot von Joshua Browder Autofahrern in London und New York beim Einspruch gegen fälschlicherweise ausgestellte Strafzettel. Oder er unterstützt Obdachlose in Großbritannien bei ihren Anträgen für eine Notunterbringung. Nach dem Angriff auf den US-Finanzdienstleister Equifax, bei dem mehr als 143 Millionen Kundendaten gehackt wurden, programmierte der 20-jährige Standford-Student – selbst ein Betroffener des Hacks – seinen Bot DoNotPay jedoch um und will jetzt damit Geschädigten helfen, den Finanzdienstleister zu verklagen.

Hauptsächlich ginge es ihm darum, den Menschen zu helfen, die sich keinen Anwalt leisten könnten, sagt Browder. Dafür müsse man lediglich seinen Namen eingeben und der Bot generiere automatisch die wichtigsten Unterlagen zur Klage gegen Equifax. Allerdings sei es nötig, die Papiere persönlich bei einer staatlichen Stelle einzureichen. Der junge Brite scheint mit seiner Geduld am Ende zu sein, denn er wolle mit dem Bot kein Geld verdienen, wie er gegenüber The Verge erklärt. Vielmehr ginge es ihm darum, Anwälte zu ersetzen und bei Erfolg Equifax in den Bankrott zu treiben.

So gut die Idee mit der automatischen Ausfüllhilfe aber auch sein mag – Experten sehen darin nur eine geringe Hilfe für die Betroffenen. Das Einreichen der Papiere und das Erscheinen vor Gericht müssten die einzelnen Personen immer noch selbst erledigen. Zudem müssten sich die Opfer des Datenklaus auch selbst vor Gericht vertreten.

Anwalt Scott Nelson, Mitglied der Non-Profit-Organisation Public Citizen hat dazu eine eindeutige Meinung: „Es bedarf mehr, als ein paar Dokumente einzureichen, um einen Prozess zu gewinnen.“ Hinzu kommt, dass die Gesetze von Bundestaat zu Bundestaat unterschiedlich seien. In Kalifornien beispielsweise müsse eine Person erst die Zahlung bei Equifax einfordern, bevor sie damit vor Gericht gehen könne.

Eine Hilfe kann Browders Bot indes trotzdem sein, immerhin erledigt er lästigen Papierkram, welcher auf jeden Fall vor Gericht eingereicht werden muss. Wirkliche Erfolgschancen dürften die Betroffenen – immerhin 44 Prozent der US-Bevölkerung – allerdings nur mit einer Sammelklage haben. Denn es ist davon auszugehen, dass Equifax den Rechtsstreit so kompliziert wie möglich gestalten wird. Zum Beispiel mit einer Gegenklage. Selbst wenn die Chancen auf einen Prozessgewinn dafür gegen Null gehen, kann sich damit ein Ergebnis für die Verbraucher um Jahre verzögern.