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Peng! erklärt #CDUmitGefühl: „Fake – aber keine Fake News“

Marlene Ronstedt 03.05.2017

Auf das digitale Künstlerkollektiv Peng! ist sogar die New York Times hereingefallen: #CDUmitGefühl heißt die Kampagne, die sich gegen Deutschlands Rüstungsexporte stellt – optisch durchaus nah an dem, was von Mitgliedern der realen CDU stammen könnte. Im Gespräch mit WIRED erklärt Philip Fisch von Peng! wieso eine Fake-Website für die CDU nicht gleich Fake-News ist.

Manchmal ist es so einfach: Das Künstlerkollektiv Peng! launcht eine Fake-Website mit dem Namen #CDUmitGefühl, ein Journalist der Associated Press hält das für eine reale Kampagne der Union, verfasst dazu eine Agenturmeldung, die sich blitzschnell verbreitet. Auch amerikanische Medien übernehmen die Geschichte, Fox News etwa und gar die renommierte New York Times. Mittlerweile heißt es dort jedoch: „Page Not Found“. Für Peng! ein unerwartet schneller Erfolg der Aktion.

Auf #CDUmitGefühl äußert sich die vermeintliche CDU-Basis kritisch zu den von der CDU-Spitze bewilligten Rüstungsexporten in Krisengebiete. Diese befänden sich nicht im Einklang mit dem christlichen Wertekanon, den die CDU vertrete, so die Kritik der angeblichen CDU-Mitglieder. In einem Video, das als Beitrag des CDU-Landesverbands Schwenke gekennzeichnet ist, bittet eine besorgte Frau Angela Merkel, von weiteren Rüstungsexporten abzusehen und fordert die Zuschauer auf, eine Petition gegen Kleinwaffenexporte zu unterzeichnen. Natürlich stammt es nicht vom Landesverband. Die Frau ist eine Schauspielerin.

Ein Fake inmitten großer Diskussionen um die Schädlichkeit von Fake-News? Auf Nachfrage von WIRED sagt Peng!-Kollektiv-Mitglied Philip Fisch, #CDUmitGefühl sei keine Lüge, sondern „Hacked-News“. Den feinen Unterschied zu dem, was gemeinhin als Fake-News bezeichnet wird, echte Unwahrheiten nämlich, definiert er so: „Fake-News zielen auf Desinformation“, die Informationen, die auf der von Peng! gestalteten Website verbreitet werden, seien jedoch echt. So stimme es etwa, dass rund 80 Prozent der Deutschen gegen Rüstungsexporte seien, so Fisch. „Fake-News unterbinden kritisches Denken, wohingegen unsere Aktion eigentlich ein kritisches Denken fördern will.“ Man kann es so interpretieren: Dass die CDU-Basis die Aktion nicht selbst gestartet hat, heißt nicht, dass sie es nicht hätte tun können.

Außerdem zeichne sie die Aktionen des Kollektivs dadurch aus, dass es immer einen „Auflösungsmoment“ gebe, sagt Fisch im WIRED-Gespräch: Wenige Stunden nach Veröffentlichung von #CDUmitGefühl war bereits auf dem Twitter-Account des Kollektivs zu lesen, dass es sich dabei um eine Kunstaktion handelt. Die Tatsache, dass die New York Times darauf reingefallen ist, sei ein „riesengroßer Zufall“, sagt Fisch. „Es gab Hinweise“, so Fisch, an denen man erkennen konnte, dass es sich nicht um eine echte Website der CDU handelt.  Der Tagesschau Faktenfinder stellte denn auch zügig fest: #CDUmitGefühl ist Satire.

Peng! ist bekannt für seine digitalen Täuschmanöver. In einer zweijährigen Kooperation mit dem Schauspiel Dortmund werden diese sogar staatlich gefördert. Neben der CDU hat das Kollektiv auch schon ungebetene Webauftritte für Vatenfall, Shell und AstroTV erstellt. Fisch sagt es ist ihnen wichtig „eine politische Debatte anzustoßen“. Die CDU hat sich allerdings noch nicht geäußert. Für Freitag hat Peng! angekündigt sich die SPD vorzuknöpfen, es lohnt sich also ein Auge auf deren Twitter-Account zu behalten.

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