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Schutz vor Hackern: „Die Parteien müssen ihre Arbeitsabläufe verändern“

WIRED Editorial 31.03.2017

Christoph Fischer hat 2015 mit seiner Firma den Hack des Bundestags untersucht. Auch jetzt wittert er Gefahr. 

Dieses Interview erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe des WIRED Magazins im April 2017. Wenn ihr die Ersten sein wollt, die einen WIRED-Artikel lesen, bevor er online geht: Hier könnt ihr das WIRED Magazin testen.

Hacker haben beim Präsidentschaftswahlkampf in den USA mitgemischt. Der IT-Experte Christoph Fischer von BFK edv-consulting geht davon aus, dass auch der Bundestagswahlkampf vor ähnlichen Angriffen nicht gefeit ist.  Im Interview erläutert Fischer, mit welchen Attacken er rechnet und wie sich Parteien davor schützen können. 

WIRED: Im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf haben russische Hacker E-Mails des Wahlkampfteams von Hillary Clinton angezapft. Blüht uns so etwas im Bundestagswahlkampf auch? 
Christoph Fischer: Wir werden bestimmt Vorfälle erleben. Es bleibt die Frage, ob Russland oder andere dahinterstecken. Mit Sicherheit werden sich viele die Idee zu eigen machen wollen, die seit dem Hack des Democratic National Committee in den USA im Raum steht. 

WIRED: Worauf müssen wir uns einstellen? 
Fischer: Bei staatlichen Akteuren müssen wir mit Hightech rechnen. Die schwirrt nicht auf der Festplatte rum, sondern im Arbeitsspeicher. Außerdem ist solche Malware verschlüsselt. Damit ist sie extrem schwer zu entdecken. Ich befürchte, wenn solche Figuren am Werk sind, ist es Glückssache, ob sie die finden. 

WIRED: Das sind ja glänzende Aussichten. 
Fischer: Wenn es solche Angreifer auf den Bundestagswahlkampf abgesehen haben, haben sie wahrscheinlich schon den Fuß in der Tür. Aber ihnen geht es um aktuelle Informationen und Planungen. Und wer sucht, hinterlässt Spuren. Um die zu finden, brauchen wir die richtigen Experten. 

Die Parteien müssen begreifen, dass sie ihre Arbeitsabläufe verändern müssen

Christoph Fischer

WIRED: Die sind in Deutschland allerdings Mangelware. Gibt es einen anderen Weg, sich zu schützen? 
Fischer: Die Verantwortlichen müssen verstehen: IT-Sicherheit bedeutet, mit getrennten Systemen zu arbeiten. Sie brauchen im optimalen Fall zwei Bildschirme und zwei Tastaturen je Arbeitsplatz. Das ist den Leuten alles viel zu viel. Wenn die merken, dass Sicherheitsmaßnahmen teuer sind oder dem laufenden Wahlkampf schaden, ist das Thema schnell wieder vom Tisch. 

WIRED: Wenigstens sind Parteien bei uns nicht zentral organisiert. Da gibt es Lokal-, Regional- und Bundeszentralen. 
Fischer: Richtig, das macht es den Angreifern schwerer. Sie müssen sich in diesem Wirrwarr zurechtfinden. Auf der anderen Seite schafft das auch Probleme für die Verteidiger. Zwischen und innerhalb der Parteien und ihrer Dienstleister herrschen unterschiedliche Standards. Einige benutzen vermutlich sogar völlig ungesicherte private Hardware. Die Parteien in Deutschland müssen begreifen, dass sie ihre Arbeitsabläufe verändern müssen.

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