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In Berlin entsteht eine riesige Smart-Home-WG für Gutverdiener

Anne-Katrin Schade, Gründerszene 01.03.2017

Der Gründer von eKomi hat Millionen in Häuser investiert, in denen nun teure WG-Zimmer errichtet werden. Zielgruppe sind junge Menschen mit gutbezahlten Jobs.

Auf dem Bett sitzt eine junge Frau mit Hoodie und Sneakers, ein Mann mit Hipster-Bart, lässiger Jeans und Käppi läuft auf sie zu. Der Raum ist mit ein paar Designerstücken ausgestattet, getreu dem aktuellen Möbeltrend, einer Mischung aus minimalistischer Einrichtung und Industriechic. Durch das Fenster sieht man den Fernsehturm. Bisher ist dieses Bild ein Entwurf, der Fernsehturm lediglich hinein montiert. Das Gebäude befindet sich im Bau.

Geht es nach der Medici Living Group wollen so viele junge Menschen wohnen. Ihnen will das Startup nun in Berlin und New York mehr Räume dazu bieten. Sie sollen den Ansprüchen einer jungen Tech-Generation genügen: mit Smart-Home-Technik, schnellem Wlan, Roof-Top-Yoga und Kino im Garten.

Der ehemalige eKomi-Chef und Gründer Gunther Schmidt hat das Unternehmen 2012 in Berlin gestartet und leitet es heute mit Ferdinand von Fumetti und Robert Gmeiner.

Im Angebot des Unternehmens sind zwei Wohnungsbörsen. Zum einen betreibt es die Plattform Medici Living, über die es möblierte Zimmer in WGs in mehreren deutschen Städten vermittelt. Dafür arbeitet es mit Immobilienbesitzern zusammen, mietet deren Wohnungen langfristig an und vermietet sie dann weiter. Damit steigerte die Firma nach eigenen Angaben ihren Umsatz im vergangenen Jahr um 32 Prozent auf rund 5,8 Millionen Euro.

Das Angebot richtet sich an Berufseinsteiger, die international viel unterwegs sind und gutes Geld verdienen.

Zum anderen gibt es nun die neue Marke Quarters. Sie richtet sich auch an eine junge Zielgruppe: die der Berufseinsteiger, die international viel unterwegs sind und gutes Geld verdienen. „Sie wollen weiterhin mit anderen Leuten zusammenwohnen, haben aber keine Lust auf eine klassische Studi-WG und möchten lieber in einem höheren Standard leben“, sagt Gmeiner. Für sie ließ das Startup zwei Neubauten errichten: einen in Berlin und einen in New York. Weitere Standorte in anderen europäischen und US-amerikanischen Metropolen seien geplant.

„In Zusammenarbeit mit Projektentwicklern und Investoren realisieren wir Co-Living-Gebäude mit optimalen Grundrissen für unser Konzept“, sagt Schmidt. Dachterrassen und andere Co-Living-Räume inklusive.

Im Berliner Stadtteil Moabit nahe des Hauptbahnhofs ist dafür ein fünfgeschossiges Haus entstanden, das Platz für neun WGs mit je fünf Zimmern bietet. Die ersten Bewohner sollen hier im April einziehen. Die Zimmer kosten je nach Ausstattung unterschiedlich viel, von 489 bis 539 Euro – für Moabit kein Schnäppchen. Der Preis für ein Zimmer in dem New Yorker Gebäude stehe noch nicht fest, so von Fumetti. Er dürfte um einiges höher sein als der in Berlin.

Mit einer App können Mieter das komplette Wohnen verwalten.

Derzeit entwickelt das Team eine App, mit der sich die Wohnungsanwärter um ein Zimmer bewerben können. Damit können sie später auch das komplette Wohnen verwalten: beispielsweise den Mietvertrag abschließen, mit ihren Mitbewohnern kommunizieren oder eine Reinigungskraft buchen. „Die Gemeinschaftsflächen werden durch einen Reinigungsservice regelmäßig saubergemacht, was im Mietpreis inklusive ist“, sagt Gmeiner. Außerdem würden die Quarters-Wohnungen mit Smart-Home-Technik wie per Handy steuerbaren Lampen, Türschlössern, Heizungen und Rollos ausgestattet.

Mit dem Konzept sind die Berliner allerdings nicht alleine. Ein finanzstarker Wettbewerber buhlt ebenfalls um die kaufkräftige, junge Zielgruppe – und das auch in New York. Das milliardenschwere Co-Working-Startup WeWork bietet mittlerweile dort und in Los Angeles ähnliche Wohnkonzepte an: namens WeLive. Auch hier bekommt man nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch schnelles Wlan und jede Menge Gemeinschaft geboten. Doch: Je mobiler Arbeitnehmer werden, desto größer der Bedarf noch derartigen Lösungen. Von Fumetti sieht die Konkurrenz zu WeLive deshalb unaufgeregt: „Der Markt für Co-Living ist weltweit so groß, da haben mehrere Anbieter Platz.“

Um die Gebäude zu bauen, investierte Gründer Schmidt 2,5 Millionen aus eigener Tasche. Den Rest schossen andere Kapitalanleger dazu. Derzeit würde die Firma Kapital für eine Seedrunde sammeln, so der Unternehmer. Wie hoch der Betrag sei, will er noch nicht verraten – kündigt für Herbst allerdings bereits eine Series-A-Finanzierung an.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Gründerszene.
Das Original lest ihr hier.

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