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Neue Software soll den Dialekt von Asylbewerbern erkennen

WIRED Editorial 17.03.2017

Bei vielen Asylsuchenden ist es schwer, die Herkunft eindeutig zu klären. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) will deswegen mit einer Software den Dialekt der Geflüchteten analysieren.

Etwa 60 Prozent der seit 2015 angekommenen Asylbewerber haben laut dem BAMF bei ihrer Ankunft keine gültigen Ausweispapiere vorgelegt. Woher diese Menschen stammen, ist deswegen oft nur schwer zu klären. Schon seit 1998 setzt die Behörde deswegen unter anderem auf Sprachanalysen. Durchgeführt haben die bisher Menschen, jetzt aber will man sie an eine Software auslagern.

Wie die Welt berichtet, will das BAMF ein Programm zur Sprecherauthentifizierung so verändern, dass es überprüfen kann, ob ein Asylsuchender den Dialekt einer bestimmten Region spricht oder nicht. Tests sollen innerhalb der kommenden zwei Wochen beginnen, der Routine-Einsatz ist frühestens für 2018 geplant.

Zunächst soll es dabei um levantinisches Arabisch gehen, das unter anderem in Syrien, Jordanien und dem Libanon vorkommt. Sprecherauthentifizierungs-Software wird normalerweise etwa von Banken oder Versicherungen eingesetzt, um Kunden am Telefon zu identifizieren.

„Die Idee ist, von Asylantragstellern eine separate Sprachprobe aufzunehmen und einer automatischen Dialektanalyse zu unterziehen“, sagte der IT-Referent des BAMF, Julian Detzel, der Welt. Diese solle jedoch lediglich ein „weiterer Indikator“ für die Entscheidung über den Asylantrag sein. Für eine gerichtsfeste Analyse ist weiter ein menschlicher Gutachter nötig.

Ob die Dialekt-Software wirklich den gewünschten Nutzen bringt, ist fraglich. Man habe rund ein Dutzend internationaler Sprachtechnologie-Experten befragt, schreibt die Welt. „Keinem war ein vergleichbares System bekannt.“

Ein Hauptproblem sehen die Forscher in den Daten, mit denen die Software trainiert wird: Die Ergebnisse eines Datensatzes ließen sich nicht ohne weiteres auf einen anderen übertragen. Einen perfekten Satz zu kreieren, der allen Nuancen eines Dialekts repräsentiere, sei beinahe unmöglich. Und wie die Software sich verhält, wenn jemand versucht, einen Dialekt nachzuahmen, darüber gebe es auch noch keine Erkenntnisse.

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