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Asgardia soll die „erste Nation im Weltraum“ werden

Michael Förtsch 14.10.2016

Zum Schutz der Erde aber auch als Etappenziel auf dem Weg zur Besiedelung des Alls ist die kosmische Nation Asgardia gedacht. Wissenschaftler planen sie als eine Art künstlichen Planeten, der den Status eines Landes erhalten soll.

Jeder auf der Erde lebende Mensch soll auch ein Einwohner von Asgardia werden können. Das versprechen die Wissenschaftler und Forscher, die hinter dem gerade in Paris enthüllten Plan, zur Gründung der „ersten Nation im Weltraum“ stehen. Denn die nach der Heimat nordischer Götter wie Thor und Odin benannte Initiative soll über kurz oder lang tatsächlich Mitglied der Vereinten Nationen werden – samt Nationalhymne und Flagge, die aktuell per Crowdsourcing gestaltet wird.

Gegründet und geleitet vom russischen Nanowissenschaftler Igor Ashurbeyli, Mitglied des Aerospace International Research Center und des Science-of-Space-Komitees der UNESCO, soll zwischen 2017 und 2018 mit einem kleinen Satelliten zunächst eine Art symbolischer Außenposten im Erdorbit etabliert werden.

Doch auch wenn Asgardia als Land im All ausgerufen wurde, sind bisher keine riesigen Raumstationen oder fliegenden Städte geplant. Stattdessen soll eher eine „unabhängige Plattform, frei von den Beschränkungen landbasierter nationaler Gesetze“ geschaffen werden. Die Bürger von Asgardia, die über die offizielle Website angeworben und registriert werden, sollen also weiterhin auf der Erde leben. Aber gleichzeitig könnten sie eben auch ganz offiziell Einwohner dieses neuen Staates sein – wenn sich denn genügend finden.

Wir wollen eine Basis erschaffen, um den Schutz des Planeten Erde sicherzustellen

Igor Ashurbeyli

„Wenn die Zahl der Anträge auf über 100.000 steigt, können wir offiziell den Staatsstatus bei der UN fordern“, beschreibt Ashurbeyli eines der Etappenziele. Bislang sollen schon mehr als 1000 Formulare eingegangen sein, deren Unterzeichner, wie die Gründer versprechen, eine Vorreiter- und Pionierrolle einnehmen werden. Zumindest, wenn Asgardia wirklich als eigenes Land anerkannt werden wird.

Der Gedanke von Asgardia soll neben der Errichtung einer Nation aber ein viel übergreifenderes sein. „Das ultimative Ziel ist die Erschaffung einer Basis, um den Schutz des Planeten Erde sicherzustellen und jenen Zugriff auf Weltraumtechnologien zu geben, die bisher keinen haben“, sagt Ashurbeyli. Egal ob NASA, ESA oder andere Einrichtungen, sie würden stets nur die Interessen jener Staaten vertreten, die sie finanzieren.

Die Asgardianer seien hingegen frei von solchem Einfluss. Denn laut dem 1967 vereinbarten Weltraumvertrag haftet stets der Nationalstaat für das Tun der Firmen, die in seinem Land angemeldet sind. Daher unterliegen Unternehmen wie SpaceX oder Virgin Galactic strengen Regeln und Auflagen der Regierung. Asgardia habe hingegen nicht vor, sich da groß einzumischen. Dazu würde Asgardia Ländern und Vereinigungen beim Start in den Weltraum helfen, denen bisher die technischen und intellektuellen Kapazitäten dazu fehlen.

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Wie genau Asgardia letztlich die Erde aber auch beschützen wird, da bleiben die Initiatoren bisher ziemlich vage. Jedoch solle eine Art „schützender Schild für die Menschheit vor kosmischen, menschengemachten und natürlichen Gefahren für das Leben auf der Erde“ etabliert werden, was unweigerlich an Satellitenwaffen wie in Independence Day: Wiederkehr oder Star Trek denken lässt.

Auch wie sich Asgardia finanzieren wird und wie eine Regierung gebildet würde, ist bislang unklar. Laut Ram Jakhu, Gründungsmitglied von Agardia und Leiter des Institute of Air and Space Law an der McGill University, sei es jedoch zunächst wichtig, dass „die verrückte Idee“ einfach mal ausgesprochen und in der Welt sei, um bestehende Strukturen zu hinterfragen.

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